Mehr Menschen hatten 2019 in Berlin Jobs als noch im Jahr zuvor.
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BerlinBerlin weist in Sachen Beschäftigungsentwicklung ein Alleinstellungsmerkmal auf: Im Oktober 2019 waren nach den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit 53.500 Menschen mehr in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis als im Vergleichsmonat im Jahr 2018 – insgesamt waren es 1.564.600 Personen. „Das ist ein erfreulicher Zuwachs von etwa 3,5 Prozent und damit deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt“, sagte Bernd Becking, Chef der Arbeitsagentur für Berlin und Brandenburg am Montag in Berlin. Er geht davon aus, dass sich dieser Trend auch in diesem Jahr fortsetzt – allerdings deutlich abgeschwächt. Seit Jahren bewegt sich diese Zahl in der Hauptstadt in einem Plusbereich zwischen 3,4 bis 3,7 Prozent.

Vergleicht man die Werte im Bundesdurchschnitt, kommt man hier nur auf einen Zuwachs von insgesamt 1,6 Prozent im vergangenen Jahr. Es gibt auch Bundesländer wie zum Beispiel Thüringen, in denen die Zahl sinkend ist (- 0,7 Prozent).

15.000 Menschen aus Drittstaaten

45 Prozent dieser Einstellungen in Berlin sind Teilzeit-Beschäftigungen und bei 39 Prozent der neuen Tätigkeiten sind Frauen eingestellt worden. 22.500 Ausländer konnten von dem Anstieg profitieren – 43 Prozent. 17.600 der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen sind Menschen zwischen 55 und 65 Jahren. „Ältere sind oft noch so fit, dass sie bis zur Rente voll arbeiten können. Manche müssen auch danach noch weiter arbeiten“, sagte Becking.

Bei den Beschäftigungen, bei denen Ausländern eingestellt wurden, kamen 15.000 aus Drittstaaten. 7500 kommen aus Ländern der Europäischen Union. „Die Integration Geflüchteter gelingt weiter“, sagte Becking. Jeden Monat würden rund 300 Menschen aus diesem Bereich eine sozialversicherungspflichtige Anstellung antreten. Im Mai 2019 waren es insgesamt 15.000 Menschen, im Juni im Jahr zuvor 11.000. 16 Prozent kommen im Gastgewerbe unter, 15 Prozent im Wach- und Sicherheitsdienst und 10 Prozent im Handel. „Gleichzeitig ist es aber schwer, Neuankömmlinge zügig in Jobs zu integrieren“, so Becking. Das liege vor allem an der Sprachbarriere.

Insgesamt sind 16 Prozent aller Beschäftigten in Berlin Ausländer: 240.000. Im Jahr zuvor lag diese Zahl bei 225.000. Berlin liegt damit aktuell über dem Bundestrend und ist damit internationaler aufgestellt. In Deutschland kommen im Schnitt 12 Prozent der angestellten aus dem Ausland.

Unternehmen entlassen mehr Menschen, als dass sie neue Beschäftigte einstellen

Becking gab aber auch zu Bedenken, dass jedes Jahr rund 330.000 Arbeitnehmer bundesweit aus der Erwerbstätigkeit in Rente gingen – die sogenannten Babyboomer aus den Jahren 1955 bis 1969. Zudem stelle man laut Bundesagentur für Arbeit fest, dass die Unternehmen mehr Menschen entließen, als dass sie neue Beschäftigte einstellten.

Die Zahl derer, die lange angestellt gewesen sind und ihren Job verloren haben, ist gestiegen. Und das hat Folgen, denn die Arbeitswelt verändert sich schnell. „Wer heute Arbeit verliert, kann nicht damit rechnen, automatisch sofort wieder in Arbeit zu kommen“, stellte Becking fest. Das liege daran, dass sich Anforderungen an die Arbeitsplätze zur Zeit so schnell änderten. Kompetenzen und Kenntnisse tragen zumeist nicht dauerhaft.

„Wer lange Zeit bei einem Arbeitgeber gearbeitet hat und dann gehen muss, wie zum Beispiel im aktuellen Fall bei Philip Morris, dem gelingt der Wechsel oft nicht so schnell“, sagte der Chef der Arbeitsagentur. Daher müsse man Menschen schnell in nützliche Qualifikationen vermitteln. In Berlin sind etwa 13.000 Menschen jeden Monat in beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen. „Dort lernt man und wird für den neuen Arbeitsmarkt fit gemacht“, erklärte Becking weiter.

Mehr Männer arbeiten Teilzeit

Und noch ein Trend ist in Berlin zu verzeichnen: Die Teilzeitbeschäftigung bei Männern ist auf dem Vormarsch und steigt langsam aber kontinuierlich. So waren im Jahr 2015 insgesamt 32 Prozent der Teilzeitbeschäftigten Männer. Im vergangenen Jahr waren es 34 Prozent. „Das ist eine folgerichtige Entwicklung, wenn man bedenkt, dass Frauen die besseren Bildungsabschlüsse haben“, betonte Becking. Das bedeute, dass man die Angebote bei der Kinderbetreuung weiter ausbauen müsse, forderte Becking.