Mehr Eurowings am BER: „Andere ziehen sich zurück, wir bauen auf“

Die Fluggesellschaft will ihr Angebot am Flughafen Berlin Brandenburg verdoppeln und neue Ziele ansteuern. Easyjet kontert mit einer Rabattaktion.

Eine Eurowings-Maschine auf dem Flughafen Berlin Brandenburg (BER)
Eine Eurowings-Maschine auf dem Flughafen Berlin Brandenburg (BER)dpa/Patrick Pleul

Ryanair und Easyjet haben ihr Flugangebot am BER reduziert. Jetzt springt eine deutsche Luftfahrtgesellschaft in die Bresche. Am Montag kündigte Eurowings, Teil der Lufthansa-Gruppe, eine massive Aufstockung an. „Wir werden unsere Präsenz in Berlin weiter ausbauen und die Zahl der Ziele verdoppeln“, sagte Geschäftsführer Jens Bischof. „Andere ziehen sich zurück, wir bauen auf.“ Doch das bedeute nicht, dass am Luftfahrtstandort Deutschland alles in Ordnung sei. Hohe Kosten drücken auch hier.

„Ein wichtiger Meilenstein“, sagte BER-Chefin Aletta von Massenbach, deren Vertrag jüngst verlängert wurde. „Das passt sehr gut.“ Nachdem die beiden anderen Low-Cost-Airlines damit begonnen hatten, ihre Flugpläne am neuen Schönefelder Hauptstadt-Airport auszudünnen, bemühte sich die Flughafengesellschaft FBB um Ersatz.

Nach Málaga, Alicante, Antalya, Larnaca und Rhodos – und Graz

Die irische Fluggesellschaft Ryanair hat ihr Angebot am BER im Vergleich zu 2019 um 40 Prozent gekürzt. Easyjet aus Großbritannien verringerte die Anzahl der in Schönefeld stationierten Flugzeuge von 18 auf elf. Beide Airlines begründeten die Streichungen vor allem mit den Gebühren, die an dem Flughafen südöstlich von Berlin zu hoch seien.

Eurowings habe die „Verschiebungen in der Präsenz“ am BER analysiert, sagte Jens Bischof am Montag. So sei der Plan entstanden, in bestimmten Bereichen neue und mehr Verkehre zu offerieren. Er sieht vor, das Angebot an Direktflugzielen spürbar zu erhöhen.

Mit Beginn des Sommerflugplans ab Ende März 2023 können Passagiere bei Eurowings unter nahezu 30 Destinationen wählen, das sind doppelt so viele wie bisher. Zu den neuen Zielen, die bereits feststehen, zählen Graz und „Warmwasserziele“ wie Málaga, Alicante, Antalya, Larnaca und Rhodos, kündigte Jens Bischof an. Weitere Destinationen in Urlaubsländern seien in Planung. „Neben dem Ausbau Richtung Süden verstärken wir insbesondere das Angebot nach Nordeuropa“, so der Eurowings-Chef. So stehen ab März Kopenhagen, Göteborg und Helsinki auf dem Programm. Weitere Ziele folgen auch hier.

Für den innerdeutschen Luftverkehr sehen die Pläne von Eurowings im Sommerflugplan zusätzliche Flüge vor. Am BER betrifft das die Strecken nach Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart. So viele Flüge wie vor der Pandemie werde es zwar noch nicht wieder geben, räumte der Airline-Chef ein. „Zuletzt sind wir etwa zwischen Berlin und Düsseldorf 18 Mal am Tag geflogen, heute neun oder zehn Mal. Doch das Angebot wird größer werden.“

Zahl der Arbeitsplätze steigt

Die Aufstockungen werden möglich, weil die Zahl der Eurowings-Flugzeuge, die am BER stationiert sind, ebenfalls verdoppelt wird. Schon während des laufenden Winterflugplans steigt die Zahl der Maschinen an der Schönefelder Basis von drei auf vier. Der Sommerflugplan sieht sechs Flugzeuge vor. Die Zahl der Sitze, die Eurowings täglich ab dem BER anbietet, nehme sogar um 130 Prozent zu, erklärte Bischof. Auch die Zahl der Mitarbeiterstellen an diesem Standort werde aufgestockt – von derzeit 185 auf „deutlich über 200, wenn nicht 300 Arbeitsplätze in Summe“.

„Die Verdopplung der Flugzeugflotte und Verbindungen am Hauptstadtflughafen durch Eurowings ist ein starkes Zeichen. Die Hauptstadtregion ist global eines der beliebtesten Reiseziele und zieht Menschen aus der ganzen Welt an“, sagte Flughafenchefin von Massenbach. Der Marktanteil der Lufthansa-Gruppe, zu der Eurowings gehört, wird laut Bischof am BER auf rund 40 Prozent steigen. Sie wäre hier dann Markführer. Zu den Flughafenentgelten am BER wollte er sich nicht direkt äußern. Allerdings müsse man sich deutschlandweit Gedanken über ein sich „aufaddierendes Kostenniveau“ im Luftverkehr machen.

Easyjet schaltet 100.000 zusätzliche Tickets frei

Neun Minuten, bevor die FBB die Pressemitteilung mit der frohen Eurowings-Kunde per Mail versandte, meldete sich Easyjet. Für die Sommerflugplanperiode wurden weitere 100.000 zusätzliche Sitzplätze freigeschaltet, teilte die Airline mit und kündigte eine Rabattaktion an.