Eine S-Bahn in der Nähe des Bahnhofs Olympiastadion.
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BerlinCorona hat den Aufwärtstrend gestoppt. Doch im vergangenen Jahr war er bei der S-Bahn Berlin noch wirksam – und verhalf ihr zu einem erneuten Anstieg der Fahrgastzahlen. Die Züge wurden für 485,2 Millionen Fahrten genutzt, das sind 7,1 Millionen mehr als 2018. So steht es im Jahresabschluss, den das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB) im Bundesanzeiger veröffentlicht hat. Dagegen ist der Jahresüberschuss erneut gesunken. Statt 49,4 Millionen Euro führte die S-Bahn 40,8 Millionen Euro Gewinn an die Muttergesellschaft DB ab.

Für die Bahn halten sich die Verluste aber im Rahmen. „Gestiegene Bezugspreise beim Bahnstrom und für die Infrastrukturnutzung“ hätten wesentlich zu dem Gewinnrückgang beigetragen, heißt es im Lagebericht. Dieses Geld fließt an DB Energie und DB Netz, die ebenfalls dem bundeseigenen Konzern gehören. So stiegen die Ausgaben für die Trassennutzung von 178,2 Millionen auf 181,5 Millionen Euro. Sobald ein Zug in einem Bahnhof hält, werden ebenfalls Entgelte kassiert, in diesem Fall von DB Station & Service. Die Ausgaben für die Stationsnutzung erhöhten sich von 95,7 Millionen auf 98,5 Millionen Euro.

Auf der anderen Seite gab es mehr Geld von den Ländern. Auf der Grundlage des Verkehrsvertrags mit Berlin und Brandenburg flossen im vergangenen Jahr 717,8 Millionen Euro an die S-Bahn. Das Plus von 24,4 Millionen Euro ergibt sich größtenteils aus der vereinbarten Dynamisierung der Zahlungen.

Zugleich fielen die Strafabzüge wegen schlechter Leistungen niedriger aus. Der Anteil der S-Bahn-Fahrten, die nach dem Leitsystem von DB Netz als pünktlich registriert wurden, stieg im Vergleich zu 2018 von 94,96 auf 96,07 Prozent. Damit wurde die Durchschnittsquote, die im Verkehrsvertrag gefordert wird, nach längerer Pause wieder übertroffen. Der Anteil der Kilometer, die aus diesem Grund nicht gefahren wurde, ging von 2,5 auf 1,9 Prozent zurück.

Absehbar ist, dass 2020 nicht so gut ausfällt – wegen Corona. „Die Zahl der Fahrgäste ist auf zwei Drittel gesunken“, sagte ein S-Bahner. Während die Züge im Berufsverkehr gut gefüllt sind, mache sich zu anderen Zeiten bemerkbar, dass nur wenige Touristen in der Stadt weilen und Kultureinrichtungen geschlossen sind. Der coronabedingte Rückgang lässt auch die Fahrgelderträge sinken. Doch weil die S-Bahn einen sogenannten Bruttoverkehrsvertrag geschlossen hat, tragen die Länder das Risiko.

2020 ist noch aus einem anderen Grund ein bemerkenswertes Jahr. In diesem Sommer, voraussichtlich im Juli, soll die Ausschreibung der Teilnetze Stadtbahn und Nord-Süd beginnen. Gesucht werden Unternehmen, die ab Ende 2027 neue Züge bereitstellen und fahren. An dem Verfahren wird sich auch die S-Bahn Berlin beteiligen.