Wenn wirklich gut wird, was lange währt, dann ist demnächst eine Sensation aus dem Haus von Sportsenator Frank Henkel (CDU) zu erwarten. Ende Februar will er dem Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses sein Konzept für die Zukunft der Berliner Bäderbetriebe (BBB) vorlegen. Eigentlich sollte es schon im Juni fertig sein, wurde dann aber auf den Dezember verschoben. Auch diesen Termin konnte Henkel aber nicht erfüllen.

Neuer Stichtag ist der 28. Februar, und diesmal soll es klappen. Sportstaatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) versicherte kürzlich im Sportausschuss, dass der Termin gehalten werde und sich das Papier in der finalen Abstimmung zwischen den beteiligten Senatsverwaltungen befinde.

88 Millionen Euro Sanierungsstau

Nach Informationen der Berliner Zeitung sind die grundlegenden Bedenken ausgeräumt, nur letzte Details werden noch geklärt. Offenbar ist sich der rot-schwarze Senat einig, den chronisch unterfinanzierten Bäderbetrieben künftig mehr Mittel zu gewähren. Denn eines enthält das Konzept dem Vernehmen nach nicht: Vorschläge für Schließungen von Bädern.

Zwar haben die Bäderbetriebe in ihrer Vorlage für Henkels Verwaltung sowohl mögliche Neubauprojekte skizziert, als auch ältere Bäder genannt, deren Betrieb eingestellt werden könnte. Aber die Koalition möchte die damit verbundenen Konflikte im Jahr vor der Abgeordnetenhauswahl wohl vermeiden. „Wir wollen die Erfolgsgeschichte, dass mehr Bäder am Netz sind als am Anfang der Legislaturperiode weiter fortsetzen“, sagte CDU-Sportpolitiker Tim-Christopher Zeelen der Berliner Zeitung. Seine Fraktion lehne Bäderschließungen und eine Reduzierung von Wasserflächen strikt ab. Perspektivisch befürworte man auch den Bau neuer Bäder.

Ohne mehr Geld lassen sich diese Ziele aber nicht vereinen – und vielleicht ist es ja auch gar kein Zufall, dass Henkel die Präsentation des Bäderkonzepts auf den Spätwinter gelegt hat, wenn die Verhandlungen für den Doppelhaushalt 2016/17 begonnen haben. Schon jetzt fehlen den Bäderbetrieben sowohl für den laufenden Betrieb, als auch für notwendige Sanierungen die Mittel. „Unser Sanierungsstau beläuft sich auf 88 Millionen Euro“, sagt BBB-Sprecher Matthias Oloew.

Mit diesem Betrag seien freilich nur die technisch notwendigen Arbeiten abgegolten, die durchgeführt werden müssten, um Schließungen zu vermeiden. Wolle man die Bäder so aufwerten, dass die Nutzer tatsächlich einen Unterschied zwischen dem Zustand vor und nach der Sanierung erkennen, dann müssten 300 Millionen Euro investiert werden, sagt Oloew.

Davon steht den Bäderbetrieben freilich nur ein Bruchteil zur Verfügung: Nach dem Abschluss des Sanierungsprogramms, für das der Senat Extramittel bereitgestellt hatte, verfügen sie 2015 über ein Sanierungsbudget von fünf Millionen Euro.

Auch der Plan, durch die Vergabe weiterer Bäder an andere Betreiber Kosten zu sparen, lässt sich offenbar nicht umsetzen. Am 5. Januar soll das Kombibad Spandau Süd nach zweijähriger Sanierung wieder eröffnen, 9,3 Millionen Euro wurden investiert. Bäderchef Ole Bested Hensing hatte sich – zum Unmut der Spandauer SPD – dafür eingesetzt, den Betrieb an die Wasserfreunde Spandau 04 zu übergeben, einen der wichtigsten Schwimmvereine Berlins.

Zu wenig Personal

Doch offenbar gibt es in der Sportverwaltung rechtliche Bedenken. „Wir gehen davon aus, dass unser Konzept nicht zum Tragen kommt“, sagte Vereinspräsident Hagen Stamm der Berliner Zeitung. „Unsere Mühen waren umsonst.“ Zehn bis zwanzig Mitarbeiter sind für den Betrieb des Kombibads nötig, die Wasserfreunde wollten Personal anstellen und Vereinsmitglieder auf freiwilliger Basis einsetzen.

Die Bäderbetriebe müssen das Kombibad darum bis auf weiteres mit eigenem Personal betreiben. Zusätzliche Mittel stehen ihnen aber nicht zur Verfügung, die Mitarbeiter müssen aus anderen Bädern abgezogen werden. Perspektivisch könnte es darum zu verminderten Öffnungszeiten kommen, sowohl im frisch sanierten Bad, als auch an anderen Standorten.