Mehr Geld für Medizin: Aus Freude am Forschen

Berlin - Die Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und dem Senat haben ein Jahr gedauert und waren kompliziert. Das erklärt vielleicht, warum die Verantwortlichen bei der Präsentation des Ergebnisses am Dienstag so viele Superlative bemühten. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zeigten sich aber wohl auch deshalb so euphorisiert, weil sie endlich mal eine gute Nachricht zu verkünden hatten: die gemeinsame Gründung eines Forschungszentrums. Die Hauptstadt soll zu einem bedeutsamen Standort für Biomedizin heranwachsen.

Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) sei ein Leuchtturm der Medizin, der Maßstäbe setzen werde, lobte Schavan ihr eigenes Projekt im Hause der Charité in Mitte. „Das ist ein großer Tag für die Berliner Wissenschaftslandschaft. Was wir hier geschaffen haben, ist zurzeit einmalig“, schwärmte Wowereit (SPD) über die beiderseitige Kooperationsbereitschaft.

Nutzen für die ganze Welt

Was an dem BIG so einmalig ist, lässt sich wohl am ehesten mit dem Grundgesetz erklären. Der Bund tut hier etwas, was er laut Verfassung gar nicht darf. Er beteiligt sich an der institutionellen Förderung einer Hochschule, was normalerweise Ländersache ist. Um das zu ermöglichen, wird eine Art Dachorganisation gebildet. Damit können die Charité und das außeruniversitäre Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) ab 2013 zusammen forschen, ohne jeweils ihre Eigenständigkeit aufzugeben.

Auch das Land bleibt weiter für die Uniklinik Charité zuständig. Und, was aus Sicht der chronisch klammen Hauptstadt besonders wichtig ist: Der Bund kann sich so finanziell an dem BIG-Projekt beteiligen. Bis 2018 sollen immerhin 300 Millionen Euro in das Institut fließen – 90 Prozent der Kosten übernimmt die Bundesregierung, den Rest trägt Berlin bei.

Das Grundgesetz auszutricksen, ist natürlich nicht Sinn und Zweck des BIG. „Letztlich wollen wir, dass es den Menschen besser geht“, sagte Wowereit. Was an neuen Therapien erforscht werde, werde in der ganzen Welt gebraucht. Das Institut soll auch Spitzenforscher aus dem Ausland anziehen und so den Wissenschaftsstandort Deutschland insgesamt voranbringen – was vor allem Schavan am Herzen liegt.

Im Zentrum des BIG steht die so genannte Systemmedizin. Die Wissenschaftler sollen grundlegende Krankheitsprozesse mit neuesten molekularbiologischen Methoden erforschen. Entscheidend dabei ist, dass die Grundlagenforschung eng mit der Universitätsmedizin verknüpft wird, also etwa neue Behandlungsmethoden schnell den Patienten zugute kommen.

Forschung und Praxis sollen enger miteinander verbunden werden

Das BIG soll sich auch um die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses kümmern, wie Charité-Chef Karl Max Einhäupl erläuterte. Ziel sei es, Forschung und Praxis enger miteinander zu verzahnen oder Medizinern, die in der klinischen Forschung arbeiten, über das Institut mehr Aufstiegsmöglichkeiten zu bieten. Die Charité soll aber grundsätzlich für die akademische Forschung und Lehre sowie die Versorgung von Kranken zuständig bleiben.

Schavan und Wowereit hatten noch einen weiteren Grund zum Strahlen. Die Mitbegründerin der Charité-Stiftung, Johanna Quandt, will in den nächsten zehn Jahren 40 Millionen Euro zum BIG beisteuern. Die 86 Jahre alte BMW-Erbin nannte das am Dienstag „meine private Exzellenzinitiative“. Sie begründete ihr Engagement damit, dass sie gebürtige Berlinerin sei. „Die Stadt liegt mir am Herzen.“ Zudem habe ihr Großvater Max Rubner an der Charité gearbeitet. Wowereit bedankte sich artig. Auch bei der Bundesforschungsministerin.