Mehr Bio auf den Tellern sollen Berliner Schüler in Zukunft bekommen. Und zwar mindestens zur Hälfte.
Foto: Julian Stratenschulte

BerlinDer Senat beschließt voraussichtlich am Dienstag, wie das im April vom Abgeordnetenhaus verabschiedete „Qualitätspaket Schulessen“ im Einzelnen umgesetzt werden soll. Die Mitteilung liegt der Berliner Zeitung exklusiv vor. Damit Berliner Grundschülern in Zukunft Essen mit 50 Prozent Bio-Anteil geboten werden kann, will der Senat in den Jahren 2020 und 2021 rund 46 Millionen Euro zusätzlich ausgeben. 

Die zusätzlichen Kosten entstehen durch die Erhöhung des Festpreises pro Portion von rund einem Euro auf 1,55 Euro bei bis zu 300 Portionen und 1,39 Euro bei mehr als 300 Portionen. Weitaus teurer als die Bio-Lebensmittel ist allerdings das Personal: Ab 1. August 2020 greift der neue Vergabemindestlohn des Landes Berlin.

Personalkosten steigen um 30 Prozent

Caterer, die mit einem Bezirk einen Vertrag über die Lieferung von Schulessen abschließen wollen, dürfen ihren Angestellten, die in der Herstellung, Auslieferung und Ausgabe des Essens an Schulen arbeiten, dann nicht weniger zahlen als 12,50 Euro pro Stunde. Bisher galt der gesetzliche Mindestlohn von 9,19 Euro. Das bedeutet einen Anstieg der Personalkosten um fast 30 Prozent, die in den Verträgen mit den Caterern aufgefangen werden müssen.

Mensa in Zahlen

50 Prozent des Schulessens an Berliner Grundschulen soll aus Bio-Lebensmitteln hergestellt werden.

46 000 000 Euro will der Senat dafür zusätzlich ausgeben. Zwei Drittel dieser Summe sollen die steigenden Personalkosten decken.

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Monate lang gibt es nun schon beitragsfreies Essen für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 6

Fast 30 der vom Senat zusätzlich veranschlagten 46 Millionen sind auf diese Erhöhung zurückzuführen. Der Bio-Anteil des Schulessens für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 6, das seit diesem Schuljahr kostenlos ist, soll gestaffelt ansteigen. Caterer, deren Vertrag ab dem nächsten Schuljahr beginnt, sollen den Anteil der Bio-Lebensmittel im ersten Vertragsjahr von 15 auf 30 Prozent und ab dem 1. August 2021 weiter auf 50 Prozent erhöhen.

Gratis Schulmittagessen überfordert Schulen

In der Mitteilung der Senatsverwaltung heißt es dazu: „Damit wird den Caterern Zeit eingeräumt, mittelfristig Handelsbeziehungen für die Lieferung von Produkten aus ökologischem Anbau aufzubauen.“ Rolf Hoppe, Vorsitzender des Verbands der deutschen Schul- und Kitacaterer, geht davon aus, dass die Anbieter den Bio-Anteil stemmen werden können – momentan. Sorge bereitet ihm der Umstand, dass die neuen Verträge des Landes mit den Caterern vier Jahre lang gelten sollen: „Da werden Festpreise für vier Jahre gesetzt, obwohl wir nicht wissen, wie sich die Kosten entwickeln werden.“

Das kostenlose Schulessen für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen eins bis sechs ist holprig angelaufen: Eine nicht repräsentative Umfrage des Berliner Bündnisses „Qualität im Ganztag“ ergab Anfang Dezember, dass viele Grundschulen von der Zahl der Schüler, die nun am Schulmittagessen teilnehmen, überfordert sind. Der Senat war davon ausgegangen, dass die Zahl der essenden Schülerinnen und Schüler sich um elf Prozent erhöhen würde.

Neues Mensen-Sofortprogramm finanziert aus ,,Siwana“

Die Schulen, die an der Umfrage teilgenommen haben, berichten allerdings von 58 Prozent zusätzlichen Essern. Die Folge laut „Qualität im Ganztag“: Oft gebe es an den Schulen nicht ausreichend Betreuungspersonal und vor allem keinen Raum für einen geordneten Ablauf.

Zumindest den baulichen Problemen will der Senat abhelfen: Wie Bildungssenatorin Sandra Scheeres bereits im Juni ankündigte, stellt der Senat 24 Millionen Euro zusätzlich bereit für ein so genanntes „Mensen-Sofortprogramm“. Das wird in dem neuen Beschluss noch mal bekräftigt. Das Geld kommt aus dem Berliner Infrastrukturfonds „Siwana“, und soll laut einem Sprecher der Bildungssenatsverwaltung ab spätestens März 2020 abrufbar sein.