Mehr Geld für Wenige in Berlin: Nicht alle Grundschullehrer kriegen höheres Gehalt

Die angekündigte Gehaltserhöhung für Grundschullehrer sorgt für Unmut und Unverständnis in den Lehrerzimmern. Denn diese Höhergruppierung soll zunächst vor allem für frisch ausgebildete Lehrkräfte gelten. Schließlich studieren neue Grundschullehrer nun genauso lange wie Studienräte an Gymnasien, auch das Referendariat dauert gleich lang. Deshalb sollen sie auch genauso viel verdienen: Ab Januar gut 5300 Euro brutto bei voller Stelle.

„Kollegen, die ich im Referendariat betreut habe, verdienen dann also bei Einstellung sofort 500 Euro brutto mehr als ich“, berichtet eine langjährige Grundschullehrerin. Das sei schon ungerecht. Sie bleibt wie viele erfahrene „Bestandslehrkräfte“ in den Gehaltsstufen E11 oder A12, als Angestellter bedeutet das ab Januar bei 4750 Euro brutto. Wegen dieser Gehaltslücke hatte das Kollegium der Halensee-Grundschule jüngst sogar für kurze Zeit gedroht, sämtliche Ausflüge und Elternsprechtage ausfallen zu lassen.

500 Bestandslehrkräfte würden im Jahr 2018 hochgestuft

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat allerdings stets betont, dass auch erfahrene Grundschullehrer von der Höhergruppierung profitieren sollen. Insgesamt gibt es gut 12.000 Grundschullehrer in Berlin. Laut Scheeres sind bis 2020 insgesamt 80 Millionen Euro eingeplant, um auch erfahrene Grundschullehrer höher einzugruppieren.

500 Bestandslehrkräfte würden im Jahr 2018 hochgestuft, 1500 im Jahr darauf, in den weiteren Jahren bis 2022 jeweils 1000 erfahrene Lehrer. Insgesamt also 5000 Lehrer, weniger als die Hälfte. Doch was genau müssen die Lehrer vorweisen, damit sie mehr Geld erhalten? Die nötige Qualifizierung soll eigens in einer neuen Rechtsverordnung festgelegt werden. Doch über grundlegende Details gibt es seit Monaten Meinungsverschiedenheiten zwischen Bildungs- und Finanzverwaltung, die eine solche Verordnung mitzeichnen muss.

Dem Vernehmen nach pocht die Finanzverwaltung darauf, dass erfahrene Grundschullehrer noch einmal umfangreichere Qualifizierungsmaßnahmen und Fortbildungen absolvieren und zwar soll das schon mal ein, zwei Jahren dauern. „Qualifizierung ist uns wichtig“, bestätigte eine Sprecherin der Finanzverwaltung.

Quereinsteigern soll der Zugang erleichter werden

In der Bildungsverwaltung hingegen ist man deshalb beunruhigt. Schon jetzt mangelt es an qualifizierten Lehrern, die den Kleinen die wichtigen Grundlagen beibringen. Mehr als die Hälfte der zuletzt eingestellten Pädagogen waren kaum pädagogisch ausgebildete Quereinsteiger. Wenn dann auch noch bewährte Lehrer viel Zeit für Fortbildungen aufwenden müssen, würde der Personalmangel noch größer, befürchtet man.

Aus schierer Not heraus lassen die Stadtstaaten, darunter Berlin, nun in der Kultusministerkonferenz prüfen, künftig auch Ein-Fach-Lehrer gleich für den Schuldienst zuzulassen. So könnten Quereinsteiger noch leichter eingestellt und die Ausbildungszeit verkürzt werden.

Bisher müssen reguläre Grundschullehrer zwei Fächer studiert haben, nach dem neuen Berliner Lehrkräftebildungsgesetz ist neben Mathe und Deutsch sogar noch ein Wahlfach vorgesehen.

Probleme gibt es bei Lehrern aus der DDR

Zunächst völlig außer Acht gelassen wurden zudem die Lehrer für die unteren Klassen (Luk), die einst an den Lehrerinstituten der DDR studiert hatten, und auch heute an Grundschulen tätig sind. Weil damals dafür kein Abitur notwendig war, erfüllen sie nun formal nicht die laufbahnrechtlichen Voraussetzungen für die Höhergruppierung.

Denn obwohl Berlin seit vielen Jahren neue Lehrer nicht mehr verbeamtet, gilt hier weiter das Beamtenrecht. Scheeres erwägt nun, dass Luk-Lehrer künftig Konrektor oder Schulleiter werden können. Bisher war ihnen auch das verwehrt.