Berlin - Die Suche nach einer Hebamme ist für viele Schwangere frustrierend: Wer sich nicht sofort nach dem ersten Arztbesuch kümmert und viel telefoniert, geht leer aus. Das Neueste ist offenbar, dass Hebammen die Notlage der Frauen ausnutzen – und Extra-Bargeld für die Betreuung verlangen.

Die Grünen-Fraktion will sich nun dafür einsetzen, dass der Senat mehr für die Geburtshilfe tut. In einem jüngst beschlossen Positionspapier, das der Berliner Zeitung vorliegt, fordert die Fraktion eine Verbesserung der Versorgung rund um die Geburt. „Jede Frau hat Anspruch auf die freie Wahl des Geburtsortes und auf Hebammenhilfe vor, während und nach der Geburt“, heißt es darin.

An diesem Monat findet im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhaus eine Expertenanhörung statt, geladen ist unter anderem Michael Abou-Dakn, Chefarzt des St.-Joseph-Krankenhauses in Tempelhof, der größten Geburtsklinik Berlins, und Susanna Rinne-Wolf vom Berliner Hebammenverband.

Mitte September hatte die zuständige Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) zu einem Krisengipfel eingeladen, nachdem es immer wieder Berichte über Engpässe in den Kreissälen und bei der Wochenbett-Betreuung gegeben hatte. Einige Krankenhäuser mussten ihre Kreissäle manchmal tageweise wegen Überfüllung schließen. Die freie Wahl des Geburtsortes war so nicht mehr gewährleistet.

Kolats Botschaft nach dem Treffen: Platz für Geburten gibt es in Berlin genug, nur nicht immer überall. Es gibt in Berlin 19 Geburtskliniken. 2016 wurden in Berlin so viele Babys geboren wie nach der Wiedervereinigung nicht mehr, rund 43.000.

In ihrem Papier stellt die Grünen-Fraktion umfangreiche Forderungen auf. So soll der Runde Tisch, der bisher einmal getagt hat, verstetigt werden und konkrete Handlungsempfehlungen erarbeiten.

Zu den Kernforderungen gehört die Einrichtung einer zentralen Hebammenvermittlungsplattform. Eine landesweite Statistik etwas gibt es bisher nicht. „Obwohl deutschlandweit über die Engpässe der Hebammen-Versorgung in Berlin berichtet wird, vermag in der Stadt niemand eine verlässliche Zahl zum tatsächlichen Bedarf an Hebammen und Entbindungspflegern nennen“, heißt es in dem Papier.

Außerdem setzen sich die Grünen für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Hebammen ein. In den landeseigenen Krankenhäusern soll eine 1:1-Betreuung während der Geburt gewährleistet sein. (sab.)