Berlin - Bisher ließen sich nur Vermutungen darüber anstellen, was die Deutschen während des Lockdowns in den eigenen vier Wänden so alles treiben. Seit diesem Dienstag herrscht etwas mehr Klarheit. Dank einer Erhebung der Internetplattform Testberichte.de und der Formel: Angebot und Nachfrage regeln den Preis.

Demnach haben wir Deutschen in den zurückliegenden Monaten der Pandemie unser Privatleben vor Webcams ablaufen lassen, die auf einen PC montiert und auf das heimische Raclette gerichtet waren. Die Preise von Webcams haben laut Testberichte.de von Mai 2019 bis Februar 2021 die höchste Steigerungsrate hingelegt mit 98,9 Prozent vor PCs mit 78,4 und Raclette mit 30,5 Prozent. Die umfangreichen Aufräumarbeiten (Preiszuwachs bei Küchengeräten: 25,4 Prozent) führten zu hitzigen Auseinandersetzungen (Fieberthermometer: plus 54,6) und einer Onlineberatung beim Paartherapeuten (siehe Webcam/PC). Wer sich jemals gefragt hat, wofür Gaming-Stühle gut sind (plus 13,4), könnte hier den richtigen Ansatzpunkt finden. Vielleicht sind diese Art Sitzmöbel aber auch eher etwas für Fortgeschrittene.

Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja: Um das Thema Preissteigerungen bei Kondomen drückt sich Testberichte.de herum. Einer schnellen Recherche der Berliner Zeitung zufolge gab es in diesem Bereich zu Beginn der Pandemie einen starken Zuwachs an Nachfrage durch Hamsterkäufe und zeitgleich einen Einbruch beim Angebot durch Ausgangssperren im Produktionsland Malaysia. Was das für die Preise bedeutet, kann sich jeder selbst ausrechnen: mehr Knete fürs Gummi.

Was die hiesige Produktion angeht, liegen noch keine gesicherten Zahlen vor. Feststellen lässt sich immerhin, dass während der ersten neun Monate des vergangenen Jahres die Geburten in Deutschland um 6115 und damit um ein Prozent zurückgingen. Neuere Zahlen sollen bald folgen.

Wege aus der familiären Krise weisen auch Fahrradergometer (plus 21,7), Crosstrainer (plus 17,9) und Rudergeräte (plus 13,6), wohingegen deutscher Pragmatismus im Haushaltsposten Geschirrspüler (plus 20,8) seinen Niederschlag findet. Dass sich Fahrradanhänger im gesicherten Mittelfeld der Tabelle halten konnten mit 17,2 Prozent Zuwachs, ist vermutlich im Zusammenhang mit der Preissteigerung bei Alkohol zu sehen, der im Februar 2021 ganze 2,6 Prozent teurer war als im Vorjahresmonat. Verstöße gegen Kontaktbeschränkungen in Parkanlagen erfordern schließlich eine gewisse Logistik. 

Gleichzeitig passte die Berliner Senatsverwaltung ihre Preisgestaltung den Gegebenheiten an. Druckbetankung in der Öffentlichkeit kann die betankte Privatperson bis zu 500 Euro kosten. Stabil blieben die Tarife der hiesigen Polizei: Ein Gewahrsam für „hilflose, nicht vorläufig festgenommene Personen“, im Volksmund „Zugedröhnte“ genannt, beträgt konstant 208,89 Euro, zuzüglich der Fahrt zur nächstgelegenen Wache. Der Einsatz von Webcams durch Vollzugsbeamte ist im Preis inbegriffen.