Symbolbild
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BerlinBei der Berliner Polizei gehen verstärkt Notrufe wegen Gewalt in Familien ein. Wurden in den ersten 16 Wochen des Jahres 2019 knapp 3460 solcher Anrufe angenommen, waren es im gleichen Zeitraum dieses Jahres etwa 4100, teilte ein Sprecher am Sonntag mit. Besonders deutlich sei der Anstieg seit Mitte März mit wöchentlich mehr als 300 solcher Anrufe. Vom 16. März bis 19. April rückten Polizisten zu 1580 Einsätzen wegen Gewaltverdachts in Familien aus.

Ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung sagte, die wegen der Corona-Pandemie beschränkten Kontakte seien für viele Menschen eine außerordentliche Belastung und erhöhten das Risiko, Konflikte nicht mehr konstruktiv zu lösen. Ob es tatsächlich mehr häusliche Gewaltvorfälle gab, werde sich aber erst später zeigen. Der Grund hierfür sei, dass betroffene Frauen weniger Chancen als sonst hätten, Hilfe zu rufen. Bei Kindern sei zudem auch die soziale Kontrolle von außen eingeschränkt.

In der RBB-„Abendschau“ hatte ein Dezernatsleiter des Landeskriminalamtes dazu gesagt, derzeit kämen gar keine Anzeigen wegen misshandelter Kinder. Er befürchte, dass die erst gestellt würden, wenn Kitas und Schulen wieder geöffnet sind.

Die Chefärztin des Zentrums für Seelische Frauengesundheit am Vivantes Klinikum Spandau, Stephanie Krüger, vermutet in diesem Zusammenhang, dass während der Corona-Beschränkungen die Zahl misshandelter Frauen und Kinder im Berliner Raum um etwa zehn Prozent gestiegen sei. Es werde derzeit aber schlichtweg weniger Hilfe gesucht. Die Professorin riet Familien, auch Zeit außerhalb der eigenen Wohnung zu verbringen. Das sei wichtig, damit Aggressionen nicht überhand nehmen.

Die Vizechefin der Berliner Gewaltschutzambulanz, Saskia Etzold, sagte zudem, nach Ostern habe in ihrer Einrichtung die Zahl Betroffener zugenommen. „Auffällig ist, dass wir im Moment fast nur schwere Fälle sehen“, sagte Etzold.

Hilfe für Betroffene

Frauen: Wer selbst betroffen von Gewalt ist oder Bekannte hat, die in gewalttätigen Beziehungen leben, erreicht die Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen (BIG e.V.) täglich, 8-23 Uhr, unter 030-6110300. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist auch in der Corona-Krise unter 08000116016 rund um die Uhr besetzt.

Kinder: Die Bildungsverwaltung empfiehlt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich um ein Kind Sorgen machen, die Berliner Kinderschutz-Hotline, die 365 Tage im Jahr rund um die Uhr besetzt ist: 030-610066.

Männer: Das Männerbüro Hannover bietet eine Sprechstunde für von Gewalt betroffene Männer an: 0511-1235890