Mehr Suiten in Berlin: Neue Luxuswohnungen sollen Manager anlocken

Wenn die Architektin Annette Axthelm aus Potsdam über die Chausseestraße in Mitte spricht, gerät sie schnell ins Schwärmen. Die Chausseestraße beginne ja eigentlich als Friedrichstraße in Kreuzberg und reiche bis in den Wedding, sagt sie. Schöne Geschäfte gebe es, Theater, Gaststätten und Nachtleben. „Alles, was man zum Leben braucht, ist an dieser Straße aufgereiht.“ Seit der Bundesnachrichtendienst seine neue Zentrale errichtet und mit 4000 Mitarbeitern nach Berlin ziehen will, baue nun jeder in der Chausseestraße. „Das ist der Nabel der Welt.“

Ein bisschen übertrieben hat die Architektin damit zwar, zu den größten Entwicklungsgebieten der Hauptstadt zählt die Chausseestraße aber sicher. Ein türkisches Unternehmen will dort ein Titanic-Hotel errichten und an der Scharnhorststraße sind schon viele Stadtvillen fertiggestellt worden. Weitere Wohnungen und Projekte, etwa „The Garden“ des Investors Pantera AG, sind kurz vor dem Baubeginn.

Auch Annette Axthelm hat für ein luxuriöses Wohnprojekt an der Chausseestraße den Entwurf geliefert. Die Peach Property Group AG aus der Schweiz hat Anfang Juli mit dem Bau auf einem ehemaligen Parkplatz begonnen. Living 108 heißt das Vorhaben nach der Adresse Chausseestraße 108, es kostet 35 Millionen Euro. 128 Eigentumswohnungen entstehen dort, teils für Eigennutzer, teils als Geldanlageobjekt und die weitere Vermietung. Das Konzept ähnelt dem Vorgängerprojekt Living 106, das vor zwei Jahren fertiggestellt wurde. Hinter der glatten und eintönigen, anthrazitfarbenen Fassade (nicht von Axthelm) gibt es 73 Luxuswohnungen. Axthelm beschreibt ihren Entwurf dagegen als transparent, hell und modern. Die großen Fenster sind schräg angeordnet, sie sollen den Blick zur Friedrichstraße ermöglichen und etwas Südlicht einfangen. Axthelm rahmt sie mit champagnerfarben beschichteten Metallpaneelen ein.

Living Suites nennt Bernd Hasse, Geschäftsführer der Peach Property Deutschland, die mit 30 Quadratmeter recht kleinen Appartements hinter dieser Fassade. Sie sollen von Managern, Mitarbeitern von Botschaften und Geschäftsleuten gemietet werden. „Das ist kein typisches Wohnprojekt“, sagt Hasse, der sich auf Erfahrungen mit dem Vorgängerprojekt stützt. Der Trend gehe zu kleineren Wohnungen. Die Bewohner, die nur tage- oder wochenweise in Berlin arbeiten, wollen eher Servicedienstleistungen in Anspruch nehmen und Gemeinschaftsflächen wie Dachterrasse und Fitnessbereich nutzen. Beides ist bei Living 108 vorgesehen. Auch vier Penthäuser, jedes 121 Quadratmeter groß, entstehen. Dazu Wohnungen und Suiten, die sich um begrünte Innenhöfe gruppieren.

Fast die Hälfte der Wohnungen ist verkauft, viele Käufer kommen aus den USA, Australien, Asien, England und Italien. Annette Axthelm lobt die Gegend, weil sie bislang ihren Kiezcharakter bewahrt hat. Doch selbst für Mitte-Verhältnisse liegen die Kaufpreise für die Wohnungen mit 3500 bis 6000 Euro pro Quadratmeter sehr hoch.