Berlin - Anja und Pascha, die neuen S-Bahn-Mitarbeiter, können mit dem Schwanz wedeln. Doch diese freundliche Geste zeigen sie nicht jedem. Denn sie sind dafür da, sich und ihren Hundeführern von DB Sicherheit Respekt zu verschaffen. Seit einigen Monaten gehen Schutzhunde in S-Bahnen und auf Bahnhöfen mit auf Streife. „Wir haben gute Erfahrungen gemacht, und wir möchten den Einsatz von Hunden ausweiten“, sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner. Die S-Bahn GmbH gibt mehr Geld aus, damit sich ihre Fahrgäste in Zukunft sicherer fühlen – und will dabei Neues ausprobieren.

Die objektiven Zahlen der Kriminalstatistik belegen, dass es nicht gefährlich ist, mit der S-Bahn zu fahren. Trotzdem: Viele Fahrgäste fühlen sich unsicher. Buchner: „Wir haben vermehrt Rückmeldungen von Kunden, die sich über Rauchen und Betteln beschweren. Wir wissen auch, dass es im Nachtverkehr mit der subjektiven Sicherheit nicht gut aussieht.“ Das ist jetzt geplant:

Mehr Raucherkontrollen: Obwohl Rauchen verboten ist, sei „die Situation immer noch unbefriedigend“, so der S-Bahn-Chef. „Bis Ende Oktober haben wir rund 2800 Raucherentgelte erhoben“ – seit April kostet Rauchen in der S-Bahn 15 Euro. Bislang darf aber nur ein Teil der Sicherheitskräfte das Verbot durchsetzen, und es wird auch nur auf Innenstadtbahnhöfen kontrolliert. „In Zukunft dürfen alle Sicherheitskräfte das Entgelt erheben, und wir weiten die Kontrollen auf alle S-Bahnhöfe aus“, hieß es. Ebenfalls neu: Nach Pankow bekommen acht weitere Stationen Raucherinseln.

Strafe fürs Türaufhalten: „Wir prüfen, ob wir weitere Tatbestände in unseren Entgeltkatalog aufnehmen“, kündigte Buchner an. Wer anderen Fahrgäste die Tür aufhält, obwohl die S-Bahn abfahren soll, könnte bald ebenfalls mit 15 Euro zur Kasse gebeten werden. Denn das stört nicht nur den Betrieb, sondern kann zudem zudem die Technik beschädigen. Auch wer Kaugummi auf den Boden spuckt, soll 15 Euro zahlen.

Sozialarbeiter für Wohnungslose: „Es gibt Menschen, die unsere Züge als Wohnsitz auserkoren haben“, so Buchner. „Wir kennen viele von ihnen“ – den Rollstuhlfahrer auf der Stadtbahn oder den Franzosen, der oft aggressiv wird. Meist riechen sie schlecht, auch aufdringliches Betteln kommt vor. „So lange sie keine Straftaten begehen oder eine meldepflichtige Krankheit haben, besitzen wir keine Handhabe gegen sie“, sagte Buchner. Darum will die S-Bahn auch in diesem Bereich Neues testen, „um sie aus den Zügen herauszukriegen“: „Wir werden der Stadtmission eine Personalstelle für einen mobilen Einzelfallbetreuer finanzieren, der sich um die Obdachlosen kümmert“ – zum Beispiel, indem er auf Hilfeangebote außerhalb der S-Bahn hinweist. Dafür zahlt die S-Bahn jährlich rund 65.000 Euro.

Einsatz gegen Musikanten: Auch die DB stockt ihr Personal auf. „Seit Oktober ist werktags zwischen 6 und 20 Uhr die neue Einsatzgruppe Hausrecht im Einsatz – vier Sicherheitskräfte in Dienst- und Zivilkleidung“, sagte S-Bahn-Sicherheitschef Jörk Pruss. Außer gegen Bettler sollen sie gezielt gegen Musikanten vorgehen, die nun nicht nur auf der Touristenstrecken im Zentrum, sondern zum Beispiel auch auf der Linie S 25 die Fahrgäste nerven. Ebenfalls neu: die sechsköpfige Einsatzgruppe Nachtverkehr, die in Wochenendnächten für mehr Ordnung sorgen soll. Zu den Strecken, auf denen immer wieder junge Leute Ärger machen, gehört die Linie S 5 nach Strausberg.

Wärmebilder gegen Graffiti: Jahr für Jahr gibt die S-Bahn rund sieben Millionen Euro aus, um Schmierereien und Sachbeschädigungen zu beseitigen. Damit die Sicherheitskräfte erkennen können, wo in Werke und Abstellanlagen eingedrungen wird, gibt es neue Technik. „Trittschallsensoren und Wärmebildanlagen zeigen, wo unsere Leute hinmüssen, um Graffititäter zu stellen“, sagte Peter Buchner.