Das Coronavirus in einer Darstellung der US-Behörde für Arzneimittel und Lebensmittelüberwachung.
Foto: us food and drug administration

BerlinEin Gongschlag hallt, der Schulhof ist wie leergefegt, eine Schulcatering-Angestellte steht schimpfend vor verschlossenen Türen: Neben der privaten Berlin Metropolitan School in Mitte blieben am Dienstag auch die Emanuel-Lasker-Schule und die beiden Standorte der Modersohn-Grundschule in Friedrichshain geschlossen. Grund: der Coronavirus.

An der Berlin Metropolitan School hatte ein Vater Kontakt mit dem ersten Berliner Infizierten gehabt, einem 22-Jährigen in Mitte. An der Emanuel-Lasker-Schule in Friedrichshain war ein Lehrer, der mit 74 Schülern und sechs weiteren Lehrkräften aus einer Skifahrt in Südtirol zurückgekehrt war, positiv getestet worden. Die Senatsschulverwaltung hatte deshalb in der Nacht zum Dienstag mitgeteilt, dass die Integrierte Sekundarschule geschlossen bleibt, bis alle getestet sind und die Ergebnisse vorliegen. Am nächsten Morgen war klar, dass auch in einer Filiale der Modersohn-Grundschule, die sich auf dem gleichen Grundstück befindet, kein Unterricht stattfindet – genau wie im Hauptstandort, der allerdings knapp 800 Meter entfernt und auf der anderen Seite der S-Bahngleise liegt.

Die Gründe sind nach Auskunft der Senatsschulverwaltung und des Friedrichshainer Schulstadtrats Andy Hehmke (SPD) vielfältig: Geschwisterkinder von Sekundarschülern, die die Modersohn-Grundschule besuchen, die Tatsache, dass die Emanuel-Lasker-Schule das Gebäude der Modersohn-Grundschule mitnutzt, der enge Austausch zwischen dem Personal der beiden Grundschulstandorte. Aber vor allem: Eindämmung von Panik unter den Eltern. „Die Entscheidung, auch die Grundschulstandorte zu schließen, haben Schulleitung und Schulaufsicht heute morgen kurzfristig getroffen, damit alle informiert werden können“, sagte Hehmke am Dienstag. „Ein geordneter Schulbetrieb hätte nicht stattfinden können mit lauter aufgeregten Eltern.“

Unterricht am Hauptstandort der Modersohn-Grundschulen findet Mittwoch wieder statt

Während Hehmke am Dienstagabend davon ausging, dass die Emanuel-Lasker-Schule noch bis mindestens einschließlich Freitag geschlossen bleibt, teilte die Senatsschulverwaltung mit, dass der Unterricht am Hauptstandort der Modersohn-Grundschule an diesem Mittwoch wieder stattfindet.

Die Filiale der Grundschule, die sich das Grundstück mit der Emanuel-Lasker-Schule teilt, bleibt hingegen auch am Mittwoch noch geschlossen. Kinder, die von ihren Eltern trotzdem dorthin gebracht werden, sollen Schulstadtrat Hehmke zufolge in den Hauptstandort transportiert werden: „Für alle Modersohn-Schüler ist morgen eine Betreuung da.“ Eins der Gebäude am Standort der Else-Lasker-Schule soll nach Informationen der Berliner Zeitung dazu genutzt werden, Kontaktpersonen des infizierten Lehrers auf den Corona-Virus zu testen.

Charité richtet Untersuchungsstelle für Tests ein

Die Charité richtet am Dienstag eine Untersuchungsstelle für Tests am Standort Virchow-Klinikum als eine spezielle Anlaufstelle ein. Bürger, die eine Infektion mit dem Erreger befürchten, können sich dorthin wenden, hatte Charité-Vorstand Ulrich Frei am Montag erläutert.

Die Charité bat auch auf Twitter aber darum, die Untersuchungsstelle nicht eigenmächtig aufzusuchen, sondern sich zuerst an die Hotline des Senats (030/90282828) oder an den Hausarzt zu wenden. Das sei zunächst vor allem ein Angebot, um die eigene Notaufnahme zu entlasten. 

Metropolitan School bleibt Mittwoch noch geschlossen

Die Geschäftsführung der Berlin Metropolitan School teilte mit, dass die Schule in Absprache mit dem bezirklichen Gesundheitsamt ebenfalls am Mittwoch noch geschlossen bleibe.

Offen ist noch, wie mit den Südtirol-Rückkehrern in Tempelhof verfahren werden soll. Wie berichtet waren am Donnerstag in der vergangenen Woche eine Gruppe von 19 Schülern der Tempelherren-Grundschule gemeinsam mit zwei Lehrkräften und zwei Väter zu einer Skifahrt nach Meransen aufgebrochen. Auch Schüler und Lehrkräfte der Tempelhofer Mascha-Kaléko-Grundschule nehmen an der Fahrt teil. Am kommenden Freitag sollen sie zurückkehren. Zwar fühlten sich derzeit alle gesund, so Frank Dieckmann, Schulleiter der Tempelherren-Grundschule – weil Eltern von Schülern, die zu Hause geblieben waren, sich aber wegen einer möglichen Ansteckungsgefahr Sorgen machten, soll nun das Tempelhofer Gesundheitsamt bestimmen, ob die Skifahrer am Montag gleich wieder in die Schule gehen dürfen. Die Entscheidung soll am Mittwoch bekannt gegeben werden.

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Probleme für Schüler, die Schulabschluss machen

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte am Mittwoch, man wolle schnell zurück zu einem normalen Schulbetrieb kommen. Schulschließungen dürften „keine flächendeckende Lösung sein“. Tatsächlich könnten noch ganz andere Probleme aufkommen, sollten in den nächsten Wochen noch mehr Schulen geschlossen werden: Für Schülerinnen und Schüler, die ihren Schulabschluss machen wollen, ist das laufende Schuljahr nämlich besonders kurz. Schon ab dem 27. März beginnen beispielsweise die Abiturprüfungen.

Peter Heckel, Vorsitzender des Bezirksschulbeirats in Friedrichshain-Kreuzberg, sagte, die Schulen müssten für den Fall, dass Schließungen länger andauern, dafür sorgen, dass Schülerinnen und Schüler in Abschlussklassen auch zu Hause mit dem Stoff auf dem Laufenden bleiben. Im Zweifel müssten die Prüfungen für diese Schulen verschoben werden. Ein Sprecher der Senatsschulverwaltung sagte, man kümmere sich derzeit darum, dass für die Fächer, in denen zentral geprüft wird, zusätzliche Aufgaben erstellt werden.

Schutz gegen Corona- und andere Viren

Hände waschen: Eine wichtige Maßnahme, um Virusinfektionen zu vermeiden, ist es, die Hände regelmäßig und gründlich mit Seife zu waschen. Gründliches Händewaschen dauert 20 bis 30 Sekunden. In öffentlichen Toiletten ist es ratsam, den Wasserhahn mit einem Einweghandtuch oder dem Ellenbogen zu schließen.

Hygiene: Mit ungewaschenen Händen sollte man sich nicht an Mund, Augen oder Nase fassen. Wer krank ist, sollte Abstand zu anderen halten, sich zu Hause auskurieren und enge Körperkontakte zu seinen Mitmenschen vermeiden. Geschlossene Räume sollten mehrmals täglich für einige Minuten gelüftet werden.

Husten und Niesen: Dabei wird geraten, Abstand von anderen zu halten und sich wegzudrehen. Am besten ist es, ein Taschentuch zu benutzen oder sich die Armbeuge vor Mund und Nase halten. All diese Hygieneregeln sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts zurzeit in Anbetracht der Grippewelle ohnehin angeraten.

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