Der Mehringplatz ist seit vielen Jahren ein Problemfall. Das graue, triste und dreckige Südende der Glitzer-Shoppingmeile Friedrichstraße gilt als sozialer Brennpunkt. Einladend war der Platz zuletzt nur noch für die Kreuzberger Trinkerszene. Das soll sich jetzt ändern. Die Bauarbeiter sind bereits mit schwerem Gerät angerückt, die Umgestaltung hat begonnen, insgesamt 5,9 Millionen Euro wollen der Senat und der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hier investieren.

Mehringplatz-Umbau: Für Baustadtrat Florian Schmidt „Projekt mit höchster Priorität“

Vier Jahre ist es her, dass der ehemalige und inzwischen verstorbene Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) die Diskussion zum Umbau des Mehringplatzes in Gang brachte. Erste Schaubilder und Skizzen hatte er damals an die Wand eines Besprechungsraums im Bezirksamt gehängt und zur Pressekonferenz eingeladen. Panhoff erinnerte daran, dass der Mehringplatz im 18. Jahrhundert als imposantes Eingangstor zur Friedrichstraße angelegt worden war. Es müsse möglich sein, diesem Ort etwas Charme zurückzugeben, so Panhoff damals. Er stieß einen städtebaulichen Planungswettbewerb an, der 2015 beendet wurde. Doch der für 2017 geplante Baubeginn verzögerte sich.

Die unbewältigte Aufgabe der Neugestaltung liegt nun in den Händen des amtierenden Baustadtrats Florian Schmidt (Grüne). In einer Bezirksmitteilung spricht er von einem „Projekt mit höchster Priorität im Rahmen des Sanierungsgebiets Südliche Friedrichstadt“. Der Mehringplatz weise „einen sehr hohen Erneuerungsbedarf auf“ und werde ab sofort für eine Dauer von voraussichtlich zwei Jahren umgebaut. Vorangegangen war eine Vereinbarung mit dem Senat, die dafür bereitstehenden Finanzmittel von 3,5 Millionen auf 5,9 Millionen Euro zu erhöhen. Der ursprünglich veranschlagte Finanzrahmen konnte aufgrund von steigenden Preisen in der Baubranche nicht eingehalten werden. Im Umfeld des Platzes leben nach Senatsangaben 13.300 Menschen – vor allem junge Leute und Senioren.

Denkmalgerechte Erneuerung des Mehringplatzes

Seit wenigen Tagen sieht man nun Bauarbeiter am Mehringplatz schwitzen. Sie beginnen auf der inneren Platzfläche und auf dem westlichen Außenring, weitere Bauabschnitte sollen folgen. Geplant ist, den inneren Kreis des Mehringplatzes aufwendig zu begrünen. Die Fußgängerzonen-Bereiche des Platzes und der südlichen Friedrichstraße werden bis zur Franz-Klühs-Straße mit Natursteinen gepflastert. Das Stadtmobiliar und die Beleuchtung werden erneuert – denkmalgerecht, denn seit 2014 steht der Mehringplatz unter Denkmalschutz.

Die Umgestaltung folgt dem Entwurf der Berliner Landschaftsarchitekten Arge Lavaland/Treibhaus. Sie hatten, wie berichtet, im Jahr 2015 den städtebaulichen Planungswettbewerb gewonnen.

Ein Grundgedanke ihres Entwurfs ist es, den Mehringplatz wieder als „einen der drei ikonischen Stadttorplätze entlang der historischen Akzisemauer Berlins“ sichtbar zu machen. In seinem derzeitigen Zustand werde der Platz, wie es hieß, seiner Stellung in der städtebaulichen Historie Berlins nicht gerecht. Vor allem das prägende Rondell müsse klarer erkennbar sein und deutlich hervortreten.