Unsere Neuköllner Einrichtung in den Räumen der katholischen Kirchengemeinde St. Eduard gibt es seit gut einem Jahr. Sie bietet Frauen ohne sicheren Aufenthaltsstatus kostenlose Alphabetisierungs-, Deutsch- und Computerkurse an. Meine Arbeit hier macht mir sehr große Freude. Immer wieder merke ich, dass der Unterricht den Frauen gut tut, dass sie die Gemeinschaft schätzen und, dass sie froh sind über ihre neuen Fähigkeiten.

Sprache ist ja eine Grundvoraussetzung, um am Leben teilhaben zu können, aber noch viel wichtiger ist sie in einem fremden Land, in dem man niemanden kennt. Manchmal schauen die Frauen vor Kursbeginn kurz in meinem Büro vorbei und probieren die ersten deutschen Wörter aus. Das finde ich schön. Und die Frauen freuen sich, wenn sie merken, dass sie sich schon etwas verständlich machen können. Ich beobachte auch ständig, wie gut es den Frauen tut, aus ihrem Heimalltag herauszukommen und einen Ort der Ruhe, des Lernens und der Solidarität zu finden.

Zur Zeit bieten wir pro Tag acht Kurse an, an denen 60 Frauen teilnehmen. Damit haben wir unser Maximum erreicht, mehr können wir nicht finanzieren. Besonders viele Teilnehmerinnen kommen aus Afrika, vor allem aus Nigeria, Somalia und Eritrea, und aus Afghanistan. Zeitweise hatten wir Frauen aus 20 verschiedenen Ländern hier. Aktuell ist die Jüngste 18 Jahre alt, die Älteste 75. Manche haben noch nie eine Schule besucht, die meisten können nur ihre Muttersprache. Der Unterricht findet täglich und auf Deutsch statt, dauert insgesamt 90 Minuten und wird von zertifizierten Dozentinnen gegeben.

Kleines Stück Kultur

Ich habe ebenfalls „Deutsch als Fremdsprache“ studiert und anfangs in Berlin auch Migranten unterrichtet; bei „Jack“mache ich das aber nur im Notfall, meine Aufgabe und die meiner Kollegin Susanne Eikenberg vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst sind Organisation und Koordination. Ich arbeite beispielsweise die Kurspläne aus, sorge für Krankheitsvertretungen, falls mal eine Dozentin ausfällt, und organisiere Weiterbildungen für unsere Honorarkräfte und die Ehrenamtlichen. Ich schreibe Texte über „Jack“, mache die Abrechnungen und bereite die „Jours fixes“ mit unseren Kooperationspartnern vor. Zugleich versuche ich, eine gute Atmosphäre herzustellen, damit alle mit Spaß bei der Sache sind. Gemeinsam diskutieren wir, ob unsere Kurse richtig zugeschnitten sind und welche anderen Aktionen noch sinnvoll sind, die die Frauen stärken.

So kamen wir auf die Idee zu „Wir kochen um die Welt – von Somalia bis Jemen“. Frauen aus unseren Kursen bekommen dabei das Geld und die Gelegenheit, einen Mittagstisch für alle mit Speisen aus ihrer Heimat zuzubereiten. Die Köchinnen können dabei ein kleines Stück ihrer Kultur präsentieren. So hatten wir schon Mittagsessen aus Afghanistan, Iran und Somalia. Mitte April haben übrigens wir Deutschen gekocht – da gab es Kartoffeln mit grüner Soße, Linseneintopf und Rohrnudeln. Aber wir bieten auch Ausflüge in Museen an oder vermitteln Frauen an kreative Projekte, wenn sie dazu Lust haben. Ende April beispielsweise erzählten Flüchtlingsfrauen im Deutschen Theater Märchen aus ihren Heimatländern.

Viele der Frauen, die zu uns kommen, haben in ihrer Heimat oder auf der Flucht Gewalt erfahren. Wenn sich herausstellt, dass eine Frau traumatisiert ist, dann kümmere ich mich um einen Termin bei Solwodi. Der Name ist eine Abkürzung und steht für „Solidarity with Women in Distress“ – also Solidarität mit Frauen in Not. Solwodi kümmert sich um Opfer von Menschenhandel, Zwangsprostitution und Beziehungsgewalt. Die Beratungsstelle befindet sich zwei Häuser weiter, jeden Tag bin ich mindestens einmal dort. Solwodi betreut entweder selbst die traumatisierten Frauen, für die ich dort Termine ausmache, oder leitet sie an andere zuständige Beratungsstellen weiter.

Im gleichen Haus wie die Solwodi-Beratungsstelle befindet sich das Internationale Pastorale Zentrum, mit dem wir auch zusammenarbeiten und das uns einen Raum für die Kinderbetreuung zur Verfügung stellt. Denn viele unsere Kursteilnehmerinnen haben Kinder, doch die würden während des Unterrichts eher stören.

Großzügige Spenderin

Mehr als zwanzig Ehrenamtliche haben sich für die Kinderbetreuung gemeldet, viele sind von der Katholischen Kirche Nord-Neukölln, die einer unserer Kooperationspartner ist. Zu meinen Aufgaben gehört es, dafür zu sorgen, dass immer genug Kinderbetreuerinnen da sind.

Warum die Bildungsstätte „Jack“ heißt? Sie ist benannt nach dem verstorbenen Sohn einer Frau, die uns zu Beginn des Projekts mit einer großzügigen Spende unterstützt hat. Mit diesem Geld finanzieren wir unsere Arbeit bis heute.