Berlin - Ich bin Nicole Wheadon. Mein Vater ist Kanadier, meine Mutter Oberschlesierin, ich bin in Berlin geboren und in Mitte habe ich gerade eine Parfümerie aufgemacht, so wie ich sie mir vorstelle. Ich bin seit 27 Jahren in der Kosmetikbranche tätig und ich finde, die meisten Parfümerien sind einfach nicht für Frauen gemacht. Es wird einem meistens fast gedroht, dass man etwas nehmen muss, was einem bislang angeblich gefehlt hat. Aber in einer Parfümerie werden Sachen verkauft, die man nicht braucht. Deshalb muss sie Spaß machen, einfach das Herz berühren. Ich möchte einen Ort schaffen, der einem ein tolles Gefühl gibt, und wo man Dienstleistung findet, die Freude macht.

Angefangen habe ich brav mit einem Businessplan, und dann habe ich überraschend diesen Laden gefunden. Aber ich hatte keine Möbel. Ich habe trotzdem aufgemacht – am 3. Juli. Ich habe Holzpaletten bestellt, weiß gestrichen und gestapelt und kleine, grüne Gärten eingebaut. Eigentlich hatte ich vor, das wieder zu verändern und richtige Möbel aufzustellen, aber es ist so unglaublich gut angenommen worden, dass nun die Improvisation Konzept geworden ist.

In dieser Woche stelle ich Probetüten zusammen und verschicke sie an Kunden, die mich auf Facebook gefunden haben. Außerdem frage ich mich, was ich für Fahrradständer aufstellen soll. Sie sollen von Weitem gut sichtbar sein, aber auch nicht klobig wirken. Dann werden Stahlregale angebracht, zwei sind nun endlich an der Wand.

Im Keller wird ein Barbier sein, der traditionelles Barbierhandwerk bei mir ausübt, und es wird Kurzbehandlungen für Frauen geben. Man kann dann morgens um 7 vor der Arbeit oder auch gerne nach 20 Uhr kommen. Bisher stehen dort aber nur die Stühle. Und ich warte auf meinen Verkaufstresen. Den macht mir ein Künstler aus Keramik und der wird sich anfühlen wie Haut.

Bei der Kosmetik ist es mir wichtig, dass nichts drin ist, was die Haut belastet. Bei Düften sind mir kleine, feine Dufthäuser wichtig, die auch eine gewisse Modernität haben. Ich führe zum Beispiel eine ungarische Apothekenmarke, deren Öl es seit den 20er Jahren gibt und das in Paris damals von den Damen gerne in der Handtasche getragen wurde.

Mich überkommt immer wieder die Angst, wenn in der Woche mal ganz wenig los ist und ich daran denke, dass man das alles mal zurückzahlen muss. Aber auf der anderen Seite gibt es keine Alternative zu dem Gefühl, wie schön das Ganze ist. Klar gibt es die Situation, dass es vier Uhr nachmittags ist und noch kein Kunde da war. Aber ein Kunde kommt bestimmt, einer kommt immer. Und man weiß nie, was dieser Kunde mitnimmt. Mein Motto ist: Liebe ist aus Mut gemacht. Man muss dem Ganzen vertrauen, und das tue ich.

Notiert von Annett Heide.