Ich heiße Daniel Meixner, bin 42 Jahre alt und Gebärdensprachdolmetscher. Viele nennen meinen Beruf „Gebärdendolmetscher“, was falsch ist, da es sich bei der Deutschen Gebärdensprache um eine richtige Sprache mit eigener Grammatik handelt. Meinen ersten Kontakt mit einem gehörlosen Mädchen hatte ich mit zehn auf einer Kirchenfreizeit. Als ich dann vor zwölf Jahren aus Interesse an der Sprache einen Gebärdensprachkurs begann, fragte mich die Dozentin, ob ich nicht Dolmetschen lernen wolle.

Das Wichtigste ist ein hohes Maß an Konzentrationsfähigkeit: Als Simultandolmetscher nehme ich parallel mit den Augen und Ohren wahr und muss binnen Bruchteilen von Sekunden interpretieren können.

Mit aktivem Dolmetschen verbringe ich etwas mehr als die Hälfte meiner Arbeitszeit, die übrige brauche ich für Vorbereitung, Nachbereitung und Verwaltung. Außerdem dolmetsche ich ehrenamtlich, zum Beispiel für Projekte zur HIV-Prävention. Meine Woche ist immer anders: Als Selbstständiger habe ich keinen Nine-To-Five-Job. Mal gibt es am Tag nur einen Einsatz, dann wieder zwei bis drei. Die letzten waren meist bei Weihnachtsfeiern, aber auch bei Arztbesuchen, es ist Erkältungszeit.

„Happy Reincarnation!

Am Montag kommen meine Eltern aus Wiesbaden, und wir feiern Heiligabend ganz klassisch mit Baum, Gans und Gesang. Dann ruft auch schon wieder die Arbeit, denn in dieser Woche stehen die letzten Proben für das Theaterstück „Happy Reincarnation!“ an, das ich am Sonnabend im Theaterforum Kreuzberg dolmetschen werde.

Auf dem Foto zeige ich die Gebärde für diesen Titel, zusammen mit meiner Kollegin Janine Rieger, mit der ich regelmäßig im Team arbeite. Wir haben einen sehr guten Draht zueinander, was bei einer Herausforderung wie „Happy Reincarnation!“ sehr wichtig ist: Es gibt darin sieben Schauspieler, das Publikum muss also immer mitbekommen, wer gerade spricht.

Für uns bedeutet das, dass wir auch die einzelnen Charaktere mit ihren Eigenarten in Gebärden umsetzen müssen. Redet eine Figur sehr leise, werden unsere Gebärden kleiner. Schreit jemand, werden die Gebärden sehr ausladend. In dem Theaterstück geht es um Wiedergeburt. Daran glaube ich eigentlich nicht. Aber wenn, dann wäre ich gerne wieder ich selbst. Um das zu tun, was ich in diesem Leben leider nicht auch noch schaffe: Opernsänger oder Meeresbiologe zu werden.

Notiert von Maike Schultz