Ich bin Thomas Grunenberg und ich bin 57 Jahre alt. Ich habe 1986 als Sportlehrer bei der Polizei angefangen. Die Ausbildung als Polizist habe ich ab 1975 gemacht, aber ich bin dann noch mal ausgestiegen und bin Fußballprofi geworden, bei Tennis Borussia, und habe fünf Jahre nicht bei der Polizei gearbeitet. In dieser Zeit habe ich auch studiert, Sport und Theologie, und war dann kurz an einer Schule. Fußballprofi wollte ich schon als kleiner Junge werden. Da war ich im Westend zu Hause und war bei Westend 01, da bin ich heute wieder. Die Profizeit war eine wunderschöne Zeit, man macht sein Hobby zum Beruf.

Ich war immer für die Ausbildung verantwortlich. Ich leite auch die Tests in der Aufnahmeprüfung zur Polizeiausbildung. Der Test ist seit was weiß ich wie viel Jahren festgeschrieben, seit ich bei der Polizei bin, machen wir den. Früher hatten wir noch ein Seil, wo man hochklettern musste. Aber das schafften die Bewerber alle nicht mehr, deshalb wurde die Prüfung etwas abgeschwächt. Mittlerweile ist das die schwächste Prüfung in ganz Deutschland. Aber die Ausbildung im Sport in Berlin ist mit die beste in ganz Deutschland. Da merken dann auch noch einige, dass sie hier falsch sind. Wenn du immer nur hinterher rennst, keinen Spaß an der Bewegung hast, dann hast du hier schlechte Karten.

Dann geht es über eine Eskalationswand

An dem Test scheitern viele, dabei ist das Niveau eigentlich fünfte, sechste Klasse. Die erste Station ist ein Pferd, 1,10 Meter hoch, darüber muss man eine Flanke machen und darf weder mit dem Fuß noch mit dem Po aufkommen. Dann geht es zum Barren, da muss man in den Stütz gehen und einen Unterschwung machen. Dann kommt Rolle vorwärts, Rolle rückwärts und über einen Bock springen, 1,20 Meter hoch, mit einem Sprungbrett davor. Auch nicht schwer, finde ich. Dann geht es noch über eine Eskalationswand, 1,80 Meter hoch, aber da ist ein Kasten davor. In der Ausbildung müssen sie später ohne Kasten drüber kommen. Dann folgt ein 2 000 Meter-Lauf.

Ich bin der Meinung, dass ein Polizist vom Kopf und vom Körper her in einer guten Situation sein muss. Wenn die Kinder hier fertig sind, sind sie einigermaßen fit. Für die Ausbildung zum mittleren Dienst haben sie zweimal zwei Doppelstunden bei uns, einmal Selbstverteidigung, einmal Leben und Retten. Nach den zwei Jahren Ausbildung ist eigentlich jeder in der Lage, einen Menschen zu retten. Ein Polizist muss jemanden im Wasser retten können, sonst schafft er die Ausbildung nicht. In unserem Sportzentrum in Ruhleben haben wir einen Sportplatz, eine wunderschöne Sporthalle, die erst vor kurzem erneuert wurde und ein Schwimmbad. Das Problem ist nur die Kapazität, weil wir so viele Auszubildende haben. Jetzt haben wir 1 500, bis 2016 sollen 1 800 Leute ausgebildet werden. Kein Bundesland bildet so viele Polizisten aus.

Schwimmen, Retten, Aquafitness

Wenn die Auszubildenden merken, dass sie hinterherhängen, haben sie die Möglichkeit, ab 15 Uhr freigestellt zu werden und montags, dienstags und donnerstags am Schwimmen und Retten teilzunehmen. Wenn sie sich dann sagen, ich möchte jetzt befördert werden, können sie auch zur Aquafitness gehen und wenn sie 20 Stempel haben, reicht das. Aber eigentlich, denke ich, ist das zu wenig. Weil das nichts über ihren Fitnessstand aussagt.

Bei mir ist jede Woche anders, der Dienstplan wird immer erst eine Woche vorher von der Schulleitung gemacht und richtet sich nach den anderen Seminaren, Verhaltenstraining, Schießen und so weiter. Wir haben unsere festen Klassen, die wir die ganze Ausbildungszeit über begleiten. Du siehst, wie sich die Leute entwickeln und bist auch immer Ansprechpartner, was natürlich gut ist. Wir beginnen um 7 Uhr, der erste Unterrichtsblock startet um 7.30 Uhr und endet um 15 Uhr. Als Lehrer macht man nicht alle Übungen mit, aber man ist schon immer in Bewegung. Man muss mit denen laufen, Selbstverteidigung machen. Noch sind Ferien, aber ab dem 1. September sind wieder alle Auszubildenden da, 1 500 Leute, da ist es wieder knüppeldickevoll.

Notiert von Annett Heide.