Berlin - Ich bin François Pierre und seit 1972 in Berlin. Ich wollte unbedingt nach Berlin. Ich habe im Hotelfach gelernt, und in Frankfurt gab es so eine Vermittlungsstelle für Ausländer. Die haben mir eine Stelle angeboten. In Bonn. Nein, nein, ich wollte nach Berlin. Im November ’72 bin ich dann in Tempelhof gelandet, ich hatte eine Stelle im Hotel Berlin bekommen.

Manchmal läuft das Leben so, dass man sich ändert, und ich habe seit 1979 nun eine Zoohandlung. Tiere hatten mich bis dahin gar nicht so interessiert, wenn schon, dann Tiere mit Fell. Inzwischen würde ich Vögel halten, wenn ich die Tiere im Laden nicht hätte. Als Kind hatte ich einen Goldfisch, einen Kater und zwei Hunde. In den Vogesen war das, ich komme vom Dorf. Dort ist ein Tier ein Tier, ein Nutztier. Im Laden habe ich Vögel, Wellensittiche und Kanarienvögel. Früher habe ich auch Papageien verkauft, aber man leidet zu stark, wenn man die ein paar Monate gehabt hat und dann verkauft.

Ich komme jeden Tag ins Geschäft, auch sonntags, zum Füttern. Frisches Futter mische ich jeden Tag, unbehandelte Körner, dazu schneide ich Äpfel. Montags reinige ich die Käfige. Dienstags erledige ich Sachen wie Bank oder Friseur, donnerstags bekomme ich tiefgefrorenes Frischfleisch für Hunde geliefert, freitags Dosen und Trockenfutter.

Neue Tiere kaufe ich von Züchtern in Brandenburg. Früher wurden die über Nacht von der Post in kleinen Holzkisten aus Westdeutschland gebracht, das war viel Stress für die Tiere. In Deutschland hat man Respekt vor Tieren. In Frankreich ist man manchmal entsetzt, wie Tiere gehalten werden. Vögel sitzen frei auf der Stange, aber ihre Flügel sind gestutzt. Hunde und Katzen dürfen direkt hinter Schaufenstern sitzen. In Berlin ist das verboten. Es sei denn, man hat eine Wiese vor dem Laden, wo der Hund laufen kann. Aber wer hat eine Wiese vor dem Laden.

Während der Schulferien habe ich immer viel zu tun. Diese Woche sind bei mir sechs Kaninchen und Meerschweinchen angemeldet. Und Vögel. Aber ich bin in meinem Platz begrenzt. Wenn die Käfige zu voll sind, kriegt man eine Anzeige. Leute haben mich auch schon beim Amtsarzt angezeigt, weil ich zu viele Wellensittiche im Käfig hatte. Dabei mögen die es gerne, wenn sie in der Menge sind. Aber gut, mein Gott.

Notiert von Annett Heide.