Die Geschichte ist nicht so schwer: Acht Studenten sammeln in Berlin Erfahrungen aller Art. Sie lernen Land und Leute kennen, verlieben sich mal hier, mal da. Ach ja, manchmal gehen sie auch zum Studieren an die Humboldt-Universität. Trennung, Herz, Schmerz, Glück – alle Bestandteile einer prall bunten Soap-Opera werden geboten.

Noch bis Ende des Monats wird die Fernsehserie „Memory Of A Paper“ in Berlin gedreht. Szenen entstanden am Brandenburger Tor, an der Humboldt-Uni, am Gendarmenmarkt. Das Besondere daran: Die Studenten stammen aus Kuwait – so wie das gesamte Fernsehteam.

Die Crew um Regisseur Ali Al Ali will am Ende 40 Drehtage in Berlin absolviert haben, das Gesamtbudget beträgt vier Millionen US-Dollar. Gezeigt werden soll die 30-teilige Schmonzette während des Ramadan, des muslimischen Fastenmonats (dieses Jahr vom 18. Juni bis 16. Juli) – und jeden Abend soll eine Folge von „Memory Of A Paper“ über den Bildschirm flimmern.

Und was soll Berlin von dem Zauber haben? Einen Werbeeffekt – glaubt zumindest Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Stadtwerbegesellschaft Visit Berlin. Zu Ramadan sitzen besonders viele Moslems vor dem Fernseher. „Das ist wie der Super-bowl in den USA, da gucken alle“, sagt er – und besonders gerne Soaps wie „Memory Of A Paper“.

Um den Menschen daheim Exotik bieten zu können, wollte die Produktionsfirma Sabbah Pictures aus Dubai unbedingt eine europäische Stadt, die schöne Bilder liefert, als Drehort. Wien war im Gespräch, am Ende wurde es Berlin. Doch Ramadan ist nicht nur Fasten- und Fernsehzeit. Es sitzt dann auch die ganze Familie zusammen und schmiedet Pläne, auch Reisepläne. Nun wird Berlin als Urlaubsort in der Golfregion zunehmend positiv gesehen, wie Statistiken von Visit Berlin belegen, aber da sei noch Luft nach oben, so die Hauptstadt-Werber.

Da kann es vielleicht tatsächlich helfen, wenn zwölf der beliebtesten arabischen Filmstars in der Stadt eine gute Zeit haben. „Es ist eine große Chance zu zeigen, wie freundlich wir sind“, sagt Kieker. Gerade am Golf werde das Weltgeschehen aufmerksam verfolgt – zum Beispiel auch, wie schwer es ihre Landsleute derzeit etwa in den USA und Großbritannien hätten, so Kieker.

Also hat sich Visit Berlin zu einer Art Anwalt für das Fernsehteam vom Golf gemacht. Wenn es irgendwo ganz dringend eine Dreherlaubnis brauchte oder andere kleinere Hürden zu beseitigen waren, half man, wo man nur konnte.

Offenbar mit Erfolg. Die arabische Crew fühle sich hier sehr wohl, heißt es. Hauptdarsteller Abdullah Al Saif schwärmte vom Kudamm, von den Cafés, den Einkaufsmöglichkeiten… Angenehm überrascht zeigte sich Al Saif auch von den Deutschen. Die seien ganz anders als ihr Ruf, gar nicht „eingebildet und unkooperativ“, sondern „nett und hilfsbereit“. Auch über die hiesige arabische Community habe er gestaunt. Natürlich wisse man, dass es viele Menschen aus dem Kulturkreis in Berlin gebe, „aber dass es so viele sind, war mir nicht klar“.

So schön ein Gefühl von Vertrautheit sein mag, es macht manches auch schwieriger. Abdullah Al Saif, daheim ein Star mit mehr als einer Million Followern auf Instagram, genoss anfangs die Anonymität in der Fremde. Da jedoch er und seine Kollegen fleißig Nachrichten auf allerlei Social-Media-Kanälen verbreiteten, stehen mittlerweile an vielen Set Fans.

Doch tatsächlich gehört der Trubel zum Geschäft. Auch die meisten Berliner Araber feiern Ramadan, und der Sender MBC (Reichweite: 220 Millionen Zuschauer) ist via Satellitenschüssel zu empfangen. Sehr wahrscheinlich also, dass demnächst „Memory Of A Paper“ auch auf vielen Berliner Fernsehern läuft.