Berlin - Dieses Mal geht es um den Präsidenten der Freien Universität Berlin-Dahlem (FU), einen Mathematiker, der absichtsvoll Zahlen verdreht. Was bisher geschah: 2014 fanden sich bei Bauarbeiten auf dem Gelände der FU die Knochen von mindestens 17 Menschen. Sie wurden im Krematorium verascht, obwohl den Verantwortlichen der FU klar war, dass sie im Garten des einstigen Kaiser-Wilhelm-Instituts für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik (KWIA) gefunden worden waren. Ebendieses Institut belieferte Josef Mengele 1944 mit den Gebeinen von Menschen, die er im KZ Auschwitz hatte ermorden lassen: Zwillingspaare, kleinwüchsige Menschen, Menschen mit Behinderungen.

Der ungarisch-jüdische Gerichtsmediziner Miklós Nyiszli (1901–1956), der in Auschwitz Leichen der zu Forschungszwecken Ermordeten sezieren musste, berichtete 1945 über diese Art mörderischer Wissenschaft: „Die wissenschaftlich interessanten Leichenteile werden aufbewahrt, damit Dr. Mengele sie sich ansehen kann. Was auch für das Dahlemer Institut von Bedeutung sein kann, muss ich asservieren. Das geht schließlich in einem Paket auf die Reise.“ Dr. Nyiszli war Ende Mai 1944 nach Auschwitz deportiert worden, erst Anfang Juli 1944 wurde er zum ärztlichen Zwangshelfer Mengeles. In den folgenden sechs Monaten musste er „ungezählte Pakete nach Berlin-Dahlem“, also an das KWIA, expedieren. Die Empfänger wünschten weitere Lieferungen „menschlichen Materials“ und sprachen Mengele „fast immer ihren tiefsten Dank aus“.

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