Polizei und Staatsanwaltschaft haben am Dienstagabend zehn Wohnungen und Geschäftsräume in Berlin und in Sofia durchsucht, darunter auch zwei in Kreuzberg sowie in Lübars. Das bestätigte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Karen Müller, der Berliner Zeitung.

In den Lokalen wurden zwei Hausdamen festgenommen. Ebenso wurde in der bulgarischen Hauptstadt Sofia ein 50 Jahre alter Mann in Gewahrsam genommen. Gegen ihn war bereits ein Haftbefehl ausgestellt worden. Er gilt als Haupttäter und soll nach Deutschland ausgeliefert werden. Haftbefehle gegen die Frauen wurden beantragt.

Ihnen wird Zuhälterei, Menschenhandel sowie Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen. Zu ihrer Identität äußerten sich die Behörden nicht. Es hieß lediglich, dass die Verdächtigen Staatsbürger Bulgariens sind.

Sie sollen in ihrem Heimatland Frauen angesprochen haben, die sich in einer prekären Situation befunden haben, hieß es am Mittwoch. Die Täter sollen ihre Zwangslage ausgenutzt und sie nach Deutschland gebracht haben. Ob sie erfuhren, dass sie sich prostituieren sollen, ist unklar. Sicher scheint, dass die Bulgarinnen nicht mit Gewalt nach Deutschland eingeschleust wurden.

Prostitution gepaart mit Drogenhandel

Das Rotlichtmilieu in Berlin wird hauptsächlich von türkischen und arabischen Großfamilien  bestimmt. Russen und Bulgaren versuchten in den 1990er Jahren in diesem Geschäft mitzumischen. Das misslang jedoch.

Das Geschäft mit der Prostitution, gepaart mit Drogenhandel, gehört zu den lukrativsten Möglichkeiten schnell an viel Geld heranzukommen. Mehr als 300 Millionen Euro werden in Berlin und dem Umland mit Prostitution umgesetzt, schätzen Fachleute. In Berlin prostituieren sich nach Schätzungen der Polizei etwa 8000 Frauen und Männer regelmäßig. Mehr als 170 Großbordelle werden in der Stadt betrieben. Die meisten befinden sich in Mitte.

Die Preise für die Dienstleistungen sind unterschiedlich. Sie beginnen zumeist bei 50 Euro für eine Stunde. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Mehr als 190 Wohnungs-Bordelle sind bekannt. Die Dunkelziffer sei viel höher, sagen Ermittler. Die meisten befinden sich in Tempelhof-Schöneberg. Das größte Etablissement ist das Artemis in der Halenseestraße in Charlottenburg.