Berlin - Reden oder Schweigen, wird Angela Merkel gefragt. Und die Kanzlerin sagt: Schweigen. So schnell kommt keine Antwort an diesem Abend. Schweigen also. Merkel grinst. Nichts sagen ist ein wenig schwierig, wenn man auf dem Podium einer Diskussionsveranstaltung sitzt.

Sie wolle ja übers Schweigen reden, sagt Merkel. Sie habe früher als Naturwissenschaftlerin in der DDR "viel Raum fürs Schweigen gehabt" und sei in die Politik gegangen, weil sie doch lieber etwas mehr reden wollte.

Jetzt sei es so, dass sie öfters mal wo dazwischen plappere und sich hinterher darüber ärgere. Weil es ja gut sei, manchmal nichts zu sagen. Schweigen sei inzwischen eine Rarität, sagt Merkel, und das obwohl Denken beim Reden nicht so einfach sei. "Ich glaube, dass es früher stiller war", das könne aber auch daran liegen, dass sie vom Land komme. Knapp 400 Zuschauer sind im Saal und ziemlich vergnügt.

Schnoddriges Flirten

„Viel meiner Kraft ruht daher, dass ich als Kind still war“, sagt Merkel. Die Stille hat sie sich behalten, zumindest wenn es um ihre Person geht. An diesem Donnerstagabend muss sie sich ein wenig öffnen, die Frauenzeitschrift Brigitte hat sie zu einem öffentlichen Gespräch geladen unter dem Motto "Frauen wählen".

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt war schon zu Gast, Sahra Wagenknecht (Linke) und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles ist auch geladen. An diesem Abend im Gorki-Theater ist Merkel an der Reihe. Rosa Stoffbahnen umrahmen das Podium mit Brigitte-Chefredakteurin Brigitte Huber und Chefreporterin Meike Dinklage.

Auch eine Kanzlerin stellt sich da auf etwas ein. Und das ist nicht die Frage nach der Eurokrise. Sie habe eher eine Frage nach dem tollen Duft in den Ost-Kühlschränken nach der Währungsunion erwartet, sagt sie ein bisschen enttäuscht. Die Veranstaltung läuft da schon eine Weile, Merkel flirtet auf ihre Weise mit dem Publikum, mit Schnoddrigkeit, kurz angebundenen Antworten und Grimassen. Sie hat ihre eigenen Kabarettqualitäten.

Kamelhafte Fähigkeit, Schlaf zu speichern

Themenfelder stellen die Journalistinnen der Kanzlerin zur Auswahl. Die wählt Alltag (nicht Ausnahmezustand), Anfang (statt Aufhören), Familie (statt Freunde) und Gott (statt Steinbrück). Zwischen Ursula von der Leyen und Kristina Schröder, den beiden Konkurrenzministerinnen will sie sich lieber nicht entscheiden. Alles sehr bewusste Profi-Politiker-Entscheidungen.

Aber dafür gibt es die Information, dass Merkel an Männern schöne Augen attraktiv findet (mehr sagt sie dazu nicht), dass sie kamelhafte Fähigkeiten habe, Schlaf zu speichern für lange Verhandlungsnächte und dass sie mit ihrem Mann auch über Politik rede. "Manchmal sagt er auch von selbst was", sagt Merkel und muss selber lachen.

Sie erzählt wie sie bei ihrem ersten USA-Besuch von einer Verkäuferin quasi gezwungen wurde "aus meiner uckermärkischen Verstocktheit ein fröhliches ,Great’ herauszupusten". Ob sie auch manchmal vergesse, dass sie Kanzlerin sei, fragt Huber. "Wenn ich im Kochtopf rühre, sage ich nicht immer: Kanzlerin...", antwortet Merkel und macht eine rührende Handbewegung.

Eine junge Mutter als Kanzlerin mal irgendwann? Schwierig, findet Merkel. Man müsse ja ständig verfügbar sein. Sie redet noch ein bisschen weiter, denkt dabei und kommt dann zu dem Schluss, dass es vielleicht doch geht, wenn der Partner dann eben einspringe für die Kinder.

Vermutlich denkt die Parteizentrale schon darüber nach, das Veranstaltungsformat im Wahlkampf zur Serie zu machen.