Was kommt dabei raus, wenn sich ein Plattenhändler aus Prenzlauer Berg ärgert, dass er keine Öko-Turnschuhe kaufen kann? Na, Deutschlands größte Messe für nachhaltigen Lebensstil! Die heißt Heldenmarkt und findet dieses Wochenende zum fünften Mal in Berlin statt.

Zu kaufen gibt es nicht nur nachhaltig produzierte Sneakers wie jene, die Messe-Gründer Lovis Willenberg auf die Idee brachten. Das Angebot reicht von Bio-Lebensmitteln bis hin zu grüner Mobilität und ethischen Banken. Berührungsängste muss kein Besucher haben, auch wenn er kein Vegetarier ist und vielleicht ein Auto besitzt.

Denn: „Wir möchten Anregungen liefern und zeigen, wie es sich im Alltag nachhaltiger und bewusster leben lässt – ganz ohne erhobenen Zeigefinger“, sagt Willenberg. „Jeder noch so kleine Schritt ist ein Schritt in die richtige Richtung.“

Einsparung an Treibhausgasen

Inspiration und Möglichkeit gibt es bei 150 Ausstellern satt. Egal, ob Bio-Zahnbürste, Naturkosmetik speziell für Männer, Holzbrillen, Öko-Dünger, regional und fair produziertes Bier oder „grüne“ Geldanlage-Anbieter — es gibt (fast) nichts, was es nicht gibt.

Dass der Heldenmarkt nicht nur für Fleischverweigerer da ist, beweist der diesjährige Gewinner des messeeigenen Gründer-Wettbewerbs, ein Berliner Start-up, das Insektenriegel produziert. Die Dinger heißen „Bearprotein“, werden in drei Geschmacksrichtungen hergestellt und bestehen aus Grillen.

Keine Sorge, sehen tut man die Tierchen nicht, sie werden als Grillenmehl in den Insekten-Snack gepackt. Was daran nachhaltig sein soll? Im Gegensatz zur Massentierhaltung arbeitet die Grillenfarm mit Bio-Futter und ohne Antibiotika. Nach Heldenmarkt-Angaben braucht man für die Produktion von einem Kilo Insektenmasse 87,5 Prozent weniger pflanzliche Rohstoffe und 99,5 Prozent weniger Wasser als für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch. Einsparung an Treibhausgasen: 99,5 Prozent.

Jährlich gehen weltweit 10 Millionen Hektar Ackerfläche verloren

Mutige Fleischesser dürfen die Riegel auf der Messe kosten. Alle anderen haben die Qual der Wahl zwischen Hunderten, rein pflanzlichen Lebensmitteln, Snacks und Süßigkeiten. Zeitgleich zum Heldenmarkt und am selben Ort findet nämlich die „Veggieworld“ statt, die Messe für pflanzlichen Lebensstil. Praktisch: ein Ticket gilt für beide.

Sonderthema der Nachhaltigkeitsmesse dieses Jahr ist „Boden“. Mit einer extra Ausstellung wollen Willenberg und seine Mitstreiter die Heldenmarkt-Besucher darauf aufmerksam machen, was für eine wichtige Ressource der Boden ist – und wie kaputt wir ihn grade durch die herkömmliche Art, ihn zu bewirtschaften machen.

Jährlich gehen demnach weltweit 10 Millionen Hektar Ackerfläche (rund 14 Millionen Fußballfelder) verloren, weil die industrielle Landwirtschaft Dünger und Gift drauf kippt und mit schweren Maschinen und Übernutzung dafür sorgt, dass das Land erst unfruchtbar und dann durch Wind oder Regen weggeblasen oder weggewaschen wird.

Workshop-Angebot von Reparatur-Werkstatt über Upcycling

Zudem gibt es zahlreiche Veranstaltungen. So informiert etwa Stefan Schridde, Autor von „Murks? Nein Danke“, darüber wie Konsum ohne Geld funktionieren kann und wie man die „geplante Obsoleszenz“ (Hersteller bauen Soll-Bruchstellen in Produkte ein, damit sie schneller kaputt gehen, als sie müssten) vermeiden kann (Sonnabend, 11 Uhr).

Die Deutsche Umwelthilfe gibt Einblick, wie man ganz einfach den eigenen Garten als Versuchs-Feld nutzen kann (Sonnabend 14 Uhr). Weitere Vorträge geben Tipps für nachhaltiges Sparen und ebensolche Altersvorsorge, informieren über E-Mobilität und ökologische Stadtbeleuchtung.

Das Workshop-Angebot reicht von der Reparatur-Werkstatt über Upcycling – aus Altem oder Müll Neues machen – bis hin zur Crowdfunding-Kurzberatung für all jene, die eine gute, nachhaltige Idee, aber noch keine Kohle dafür.

Heldenmarkt, Station-Berlin, Luckenwalder Straße 4-6, Kreuzberg, Sa. 10–19, So. 10– 18 Uhr, Tickets 12 Euro (Tageskasse), 10 Euro (online) , www.heldenmarkt.de