Bestandsaufnahme: Albrecht Broemme und UKB-Chef Axel Ekkernkamp vor der fertiggestellten Halle.
Foto: Volkmar Otto

BerlinDas Corona-Notfall-Krankenhaus auf dem Berliner Messegelände ist fertig. Das teilte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci am Donnerstag im Abgeordnetenhaus mit. Damit habe der Aufbau der Einrichtung gerade mal vier Wochen gedauert. Das Krankenhaus soll zunächst Platz für 500 Betten bieten, 100 davon sind mit Beatmungsgeräten ausgestattet. Bei Bedarf kann die Kapazität auf bis zu 1000 Betten aufgestockt werden.

Die Stunde der Wahrheit ist gekommen. Für Albrecht Broemme, den einstigen Berliner Feuerwehrchef und Präsidenten des Technischen Hilfswerkes, der Mitte März vom Senat den Auftrag erhielt, auf dem Charlottenburger Messegelände an der Jafféstraße ein Behandlungszentrum für Corona-Patienten zu errichten. Nach knapp fünf Wochen hat der 66-Jährige, der eigentlich seinen wohlverdienten Ruhestand antreten wollte, nun sein Ziel erreicht. 

Experten rechneten damit, dass das Krankenhaus erst in einigen Monaten stehen würde. Doch Broemme und sein Team haben es gezeigt, dass man auch in Berlin, wo Bauvorhaben wie der BER Jahre dauern, schneller arbeiten kann. „Wir sind in einer Affengeschwindigkeit fertig geworden“, sagt er der Berliner Zeitung. „Senat, Bezirke, die Messe und viele Firmen haben Hand in Hand gearbeitet. Am 17. März erhielt ich den Auftrag. Zehn Minuten später war die Baugenehmigung da. Es zeigt: Wenn alle an einem Strang ziehen, können auch in Berlin Projekte unter Einhaltung aller Rechtsgrundlagen schnell klappen.“

Ein Planer-Team und bis zu 120 Bauleute haben an dem Umbau der Messehalle zur Corona-Klinik gearbeitet. „Oft ging es von sechs Uhr früh bis um Mitternacht“, sagt Broemme. „Jeden Tag, sogar an den Wochenenden und den Osterfeiertagen wurde unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln gearbeitet.“ Bei den Umbaukosten liege man unter den 31 Millionen Euro, die bewilligt wurden, schätzt Broemme. Das sei auch ein Novum bei Berliner Bauprojekten, konstatiert er.

In der über 12.000 Quadratmeter großen Messehalle 26 erinnert nichts mehr daran, dass dort noch bei der Bootsmesse im vergangenem November Yachten standen. Neue Zwischendecken wurden gezogen. Teilweise gestützt durch Metallgerüsten aus den Lagerbeständen der Messe, die einst als Bühnenaufbau für die Shows des Comedian Mario Barth im Olympiastadion dienten, sagt Broemme. Fußböden wurden neu verlegt. An manchen Stellen mit besonders schweren Platten, damit diese etwa dem Gewicht von Computertomographen, die bis zu fünf Tonnen wiegen, standhalten.

Die Patientenstationen wurden in mehreren Abteilen aufgebaut. „In jeder stehen 18 Betten mit oder 24 Betten ohne Beatmungsgeräten“, so Broemme. „Insgesamt wurden drei Kilometer Elektrokabel sowie Kupferleitungen für die Sauerstoffzufuhr verlegt, die zu den Stationen führen.“ Dazu kommen Schleusen vor den Intensivstationen. Viel Technik, die viel Platz braucht. „Daher werden in der Halle 26 nicht 1000 Betten wie anfangs geplant, sondern nur 500 stehen“. Werden weitere benötigt, könne die Nachbarhalle 25 für 300 Betten zusätzlich umgebaut werden. Die Entscheidung dazu soll Mitte Mai fallen.

Da sich das Coronavirus in Berlin derzeit nicht so schnell ausbreite, vermutet der einstige Feuerwehrchef, dass das Behandlungszentrum auf dem Messegelände im kommenden Monat noch nicht gebraucht werde. „Ich wäre glücklich, wenn man sie überhaupt nicht bräuchte“, meint er. Doch warum dann der Aufwand? „Das Berliner Corona-Behandlungszentrum ist als Vorsorge gedacht“, sagt Broemme. „Das ist wie bei der Feuerwehr. Sie ist einfach da, auch wenn es nicht brennt.“

Die Beschaffung der medizinischen Technik wird etwa 45 Millionen Euro kosten. Die ersten Betten und Geräte sind bereits da. Weitere werden in den kommenden Tagen folgen. Auch die Schutzbekleidung für etwa 800 Pfleger, Krankenschwestern und Ärzte, die in dem Krankenhaus benötigt werden.

„Ich erhielt viele Mails, in denen sich Firmen und Menschen aus dieser Stadt bereit erklärten, mitzuhelfen. Mit dieser Welle der Hilfsbereitschaft zeigt sich Berlin gerade von seiner besten Seite“, erklärt Broemme. Viele Ärzte haben sich zum Beispiel über die Ärztekammer für den Dienst in der Corona-Klinik gemeldet. „Es gibt auch die Idee, Fachleute aus China zu holen, ihr Wissen um Corona zu nutze". „Beim Pflegepersonal ist man auch im Gespräch, Fachkräfte etwa aus Slowenien oder Tschechien nach Berlin zu holen. Was wir gerade am meisten brauchen, sind Fachkräfte für die Intensivpflege.“