Messer können verletzen, aber auch Worte. Das weiß jeder, der schon einmal beleidigt wurde. Gerade in Zeiten, in denen in den Kommentarspalten des Internets vor allem der Gestus der Beleidigung und der maximalen Herabwürdigung von unliebsamen Meinungen regiert, sollten Worte wohl gewählt sein.

Hat sich also die Stadtverwaltung Cottbus im Ton vergriffen – in einer Stellungnahme zu einem Messerangriff, den nach Angaben der Polizei ein Ausländern ausgeführt haben soll? In der Mitteilung heißt es: „Sollte der oder die Täter hier noch ein Gastrecht genießen und kein unbeschriebenes Blatt sein, werden wir nicht zögern, ihm oder ihnen klarzumachen, dass er oder sie ein Ticket in die Heimat zu lösen haben. Wir hoffen, dass die rechtsstaatlichen Instanzen schnell und kompromisslos entscheiden. Wir lassen unsere Stadt nicht durch Typen beschädigen, die sich nicht benehmen können und denken, Konflikte auf diese Art lösen zu können.“

Gewalt in Cottbus: Die Behörden sprechen eben nicht von einer „Messereinwanderung“ 

Im Internet wird der Stadtverwaltung nun vorgeworfen, den Tonfall von Rechtsradikalen anzuschlagen. Aber dies ist nicht der Fall. Es wird nicht pauschalisiert, sondern auf eine ganz konkrete Gewalttat und die möglichen Täter reagiert, es wird eben nicht von einer „Messereinwanderung“ oder ähnlichem gesprochen, wie es zum Beispiel oft bei der AfD üblich ist. So sagte nun eine Abgeordnete dieser Partei zu der Gewalttat in Cottbus: „Ich sage es klipp und klar: Wir dürfen hier nicht länger tatenlos zusehen.“

Das ist ein ganz anderer Tonfall, das kann durchaus als Aufruf zur Tat - zur Selbstjustiz - verstanden werden. In der Mitteilung der Stadt Cottbus aber wird gesagt, dass der Rechtsstaat schnell und konsequent handeln soll. Es wird den mutmaßlichen Tätern vorgehalten, dass sie – wenn sie denn Asylbewerber sein sollten – mit solchen Straftaten ihre Gastrecht aufs Spiel gesetzt haben.

Dass die Stadt Cottbus die Abschiebung der noch gar nicht ermittelten Täter ins Spiel bringt, hat auch damit zu tun, dass die Stadt einige Erfahrungen mit Gewalttaten gegen und von Asylbewerbern hat. So haben einige Ausländer Anfang 2018 mehrfach Cottbuser angegriffen. Daraufhin gab es einige Demonstrationen mit mehreren hundert oder auch mehreren tausend Leuten in Cottbus gegen die Einwanderungspolitik der Bundesregierung. Nun will die CDU-geführte Stadtspitze ganz offensichtlich Härte zeigen und die Empörung nicht noch steigern.

Meldung nach Messerangriff: Die Stadtspitze von Cottbus ist mit der Vorgehensweise nicht alleine

Das unterscheidet die Stadtspitze von Cottbus übriges nicht von der Vorgehensweise in Frankfurt (Oder), wo der Linken-Bürgermeister seit Monaten die Abschiebung von Gewalttätern aus Syrien vorantreibt, weil sie einen örtlichen Club überfallen haben.

Zum Abschluss noch ein weiteres Zitat: „Wenn ein Rechtsextremist einen jungen Syrer verprügelt, ist das eine Straftat. Wenn ein junger Syrer seinen Streit mit dem Messer austrägt, gilt dies ebenso.“ Das sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, als er nach den Gewalttaten in Cottbus vom Januar 2018 die Stadt in der Lausitz besuchte. Er sagte auch: „Und wenn – wie hier vor kurzem in Cottbus – Massenschlägereien in einer Asylbewerberunterkunft ausbrechen, Tschetschenen versus Afghanen etwa, dann gilt gleichfalls: Recht und Rechtsstaat sind konsequent durchzusetzen.“

Messer können verletzten, Worte können auch verletzen, aber vor allem dann, wenn die Worte unklar sind und jeder alles mögliche hineininterpretieren kann.