Berlin: Protestwohnwagen vor der iranischen Botschaft attackiert

Die Angreifer sollen mit Schlagstöcken, einem Messer und einer mutmaßlichen Schusswaffe bewaffnet gewesen sein. Ein Geschädigter liegt im Krankenhaus.

Nik Jafarzadeh vor der iranischen Botschaft. Der Wohnwagen hinter ihm war Ziel des Angriffs.
Nik Jafarzadeh vor der iranischen Botschaft. Der Wohnwagen hinter ihm war Ziel des Angriffs.Maria Häußler

Nik Jafarzadeh zeigt mit den Händen, wie lang das Messer gewesen sein soll, mit dem in der Nacht zum Sonntag einer der Männer im oppositionellen Protestcamp vor der iranischen Botschaft am Zeh verletzt wurde. „20 oder 25 Zentimeter“, sagt Jafarzadeh, Leiter des Camps und Gründer der Organisation Iranischer Parlamentarischer Monarchie. Die Polizei bestätigt indes nur, dass es ein spitzer Gegenstand war. Der Verletzte sitzt in einem Campingstuhl vor dem Wohnwagen und telefoniert, ein Verband ragt aus seinem Schlappschuh.

Er habe versucht, den Angreifer mit dem Fuß zu entwaffnen, erzählt Jafarzadeh weiter. Eine Polizistin spricht Jafarzadeh während des Interviews mit der Berliner Zeitung an, er meldet für den heutigen Sonntag eine Spontandemonstration mit 50 Teilnehmern an, der Titel: „Für die Schließung der iranischen Botschaft“. Er nennt die Botschaft „eine terroristische Organisation“.

Die Aktivistin Daniela Sapehri war als erste vor Ort und spricht in einem Instagram-Video mit den Menschen, die in einem Wohnwagen vor der iranischen Botschaft campen. Gegen ein Uhr nachts hätten drei Unbekannte versucht, Flaggen und ein Plakat zu entwenden, die an ihrem Wohnwagen befestigt waren, sagt Mehdi Waycy Dengi im Video. Mit der Berliner Zeitung will er lieber nicht sprechen. Jafarzadeh deutet auf den dritten Baum der Allee hinter dem Wohnwagen. Bis dorthin hätten die Protestler die Männer verfolgt. Dann hätten sie drei von ihnen niedergeschlagen. Jafarzadeh war selbst nicht vor Ort, aber sei etwa um 1.30 Uhr angekommen, zeitgleich mit Polizei und Krankenwagen. Er habe die Polizei darauf hingewiesen, dass auf einem der laminierten Bilder, die am Wohnwagen befestigt waren, Fingerabdrücke sein könnten.

Jafarzadeh zeigt ein Foto von einem Mann in einem Krankenhausbett. Eine seiner Rippen und ein Wirbel seien gebrochen. Auf einem Video ist zu sehen, wie derselbe Mann am Boden liegt. Das genannte Krankenhaus darf aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskunft dazu geben, teilte eine Mitarbeiterin telefonisch mit. Bei seiner Ankunft am Wohnwagen sei der Verletzte noch bewusstlos gewesen, sagt Jafarzadeh. 

„Die Angreifer hatten Messer und große Schlagstöcke“, berichtet Waycy Dengi in dem Instagram-Video weiter. Als sie mit dem Auto fliehen wollten, sollen die Angreifer eine Schusswaffe gezogen und auf seinen Kopf gerichtet haben, ob es sich um eine echte handelte, ist nicht bekannt. Er habe sich sofort auf den Boden geworfen.

Ein 63-Jähriger wurde vor der iranischen Botschaft mit einem spitzen Gegenstand leicht verletzt, bestätigte ein Pressesprecher der Polizei der Berliner Zeitung am Vormittag. Ob es sich darum um ein Messer handelte, ließe sich noch nicht genau sagen. Ein 37-Jähriger wurde laut Sprecher mit einem „Holzstab“ attackiert und am Rücken verletzt.

Laut den Protestlern vor dem Camp waren auf der anderen Straßenseite vor der Botschaft drei Polizisten, die nicht eingegriffen hätten. Zehn bis 15 Minuten lang hätten sie keine Verstärkung angefordert, sagt Jafarazadeh. „Ich habe mich beschwert, wir verlassen uns darauf, dass wir sicher sind, weil dort Wachen sind“, sagt er. „Laut der Aussage der Opfer haben sie nur zugeschaut.“

„Obwohl die geschrien haben: ‚Bitte helfen uns!‘“, sagt einer der Menschen vom Camp im Instagram-Video. „Die Polizei hat gesagt: ‚Wir stellen das Gebäude hier sicher und sind nicht für die andere Seite zuständig.‘“ Erst nachdem die Täter die Schusswaffe gezogen hätten, habe sich die Polizei per Funk an die Dienststelle gewendet.

Der Sprecher der Polizei kann das nicht bestätigen. Nach seinen Informationen habe ein Kollege vom zentralen Objektschutz die Angreifer zur Rede gestellt.

Es seien fünf Männer mit einem roten Porsche vorgefahren, berichtet Jafarazadeh. Nur drei seien ausgestiegen. Das Kennzeichen haben die Opfer leider nicht erkannt. Am Sonnabendnachmittag seien bereits Personen in der Nähe des Wohnwagens gesehen worden, die sich „seltsam verhielten“. Er vermutet, die Angreifer hätten den Ort zunächst ausgekundschaftet.