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Ein Fußballspiel in der Kreisliga hat offenbar am Sonntagnachmittag so schwere Auseinandersetzungen hervorgerufen, dass es am Abend sogar einen Toten gab. Gegen 18 Uhr hatte ein Deutscher einen palästinensischstämmigen Jugendlichen niedergestochen, der später im Krankenhaus starb. Die Nationalitäten sind in diesem Zusammenhang wichtig, weil die Polizei nun Racheakte von Angehörigen des Opfers befürchtet.
Der Tat selbst waren nach Informationen der Sicherheitsbehörden Schlägereien während des Fußballspiels in der Pflügerstraße in Neukölln vorangegangen. Dort war ein Spiel zwischen dem abstiegsbedrohten Neuköllner Verein NFC Rot-Weiß und dem SV Empor Berlin II aus Prenzlauer Berg in der 70. Minute beim Stand von 2:4 abgebrochen worden.

Spieler vom Platz gejagt

Nach Informationen der Berliner Zeitung hatten Zuschauer der Heimmannschaft einen tunesischstämmigen Empor-Spieler aus dem Stadion gejagt. Zuvor war es auf dem Spielfeld mehrfach zu Tätlichkeiten von NFC-Spielern gegen die Gastmannschaft gekommen. Nach einer gelb-roten Karte für einen NFC-Spieler wurde der tunesische Spieler dann geohrfeigt, weil er geklatscht haben soll, der wiederum wehrte sich mit einem Fußtritt. Das nahm eine Gruppe von 30 bis 35 Zuschauern zum Anlass für eine Hetzjagd auf den Tunesier, der vom Sportgelände fliehen musste und sich unter einem Auto versteckte.#mage1

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Zudem wurden andere Empor-Spieler von der Gruppe bedroht und daran gehindert, ihrem Mitspieler zu Hilfe zu kommen. Erst als die alarmierte Polizei mit vier Einsatzwagen eintraf, beruhigte sich die Situation. Die Fußballer konnten später den Platz ungehindert verlassen.

Was anschließend geschah und zum Tod des 18-jährigen Jusef el A. führte, ist noch ungeklärt. Die Polizei geht bisher davon aus, dass die aufgehetzten Fans des Neuköllner Fußballclubs nach dem Spiel zu einem Sportplatz in die Aronsstraße weiterzogen. Dort kam es offenbar erneut zu Streitereien, diesmal zwischen den Fußballfans und einem Deutschen, dem 39-jährigen Oliver H. Worum es ging, ist unklar. Oliver H. verließ schließlich den Platz und ging nach Hause. Eine Stunde später waren ihm die Jugendlichen zu seiner Wohnung in der Fritzi-Massary-Straße gefolgt. Oliver H. arbeitete als Sozialarbeiter und sei daher im Kiez bekannt, erzählten Jugendliche am Montag.

Bekannte des Opfers kündigen Vergeltung an

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Gegen 18 Uhr eskalierte der Streit vor dem Haus von Oliver H.. Die Jugendlichen sollen Kieselsteine gegen das Fenster des 39-Jährigen geworfen haben, der daraufhin auf die Straße kam – in Begleitung seines Bekannten Sven P.. Irgendwann im Laufe des Streits zog einer der Beteiligten ein Messer und stach zu. Der 18-jährige Jusef el. A. brach zusammen und starb später. Sein Begleiter, der 21 Jahre alte Onur C., erlitt Schnittverletzungen am Arm. Oliver H. wurde noch am Tatort als Verdächtiger festgenommen. Am Abend wurde der Sozialarbeiter wieder entlassen. Ein Tatverdacht habe sich nicht ergeben, hieß es. Bevor die Rettungsmannschaften und die Polizei eintrafen, flüchteten die Jugendlichen. Später wurden in den Gebüschen am Straßenrand mehrere Messer und Schlagwerkzeuge sichergestellt. Die Ermittler schließen daraus, dass die Jugendlichen auf Krawall aus waren, als sie zur Wohnung von Oliver H. liefen.

Mittlerweile richtet sich der Verdacht gegen den 34-jährigen Sven P.. Er war nach der Schlägerei geflüchtet und hatte sich erst am Montagmorgen auf einem Polizeiabschnitt gestellt. Am Tatort wurden am Montag bereits Blumen niedergelegt. Bekannte des Opfers kündigten Vergeltung an. Die Familie von Oliver H. war bereits in der Nacht von Ermittlern sicherheitshalber an einen anderen Ort gebracht worden. Polizisten bewachen das Wohnhaus von Oliver H.. Am Dienstag soll ein Richter über einen Haftbefehl gegen Sven P. entscheiden. (mit kop.)