Berlin - Trotz seines Rücktritts als Senator für Verbraucherschutz und Justiz wird sich Michael Braun weiter in der Landespolitik engagieren – als Abgeordneter der CDU-Fraktion und als Chef des mächtigsten Kreisverbandes Steglitz-Zehlendorf. Er hat in seinem Wahlkreis in Zehlendorf ein Direktmandat gewonnen. Ist Braun, der wegen seiner Verwicklung in fragwürdige Immobiliengeschäfte den Senat verlassen musste, noch als Volksvertreter tragbar? „Wir gehen davon aus, dass Michael Braun sein Mandat wahrnimmt“, sagte Fraktionssprecher Michael Thiedemann am Dienstag.

Doch es dürfte nicht leicht werden, mit dem von seinem tiefen Fall enttäuschten Mann klarzukommen. Braun sitzt seit 1995 im Abgeordnetenhaus, hat sich mühsam hochgearbeitet. „Forderungen nach Posten sollte er nicht stellen“, hieß es aus Parteikreisen.

Jürgen Blache von der Schutzgemeinschaft für geschädigte Kapitalanleger forderte unterdessen, dass sich Braun und sein Kanzleipartner Uwe Lehmann-Brauns aus dem Abgeordnetenhaus und von ihren Parteiämtern zurückziehen. Was bei den Immobiliengeschäften ablaufe, an denen die CDU-Politiker als Notare mitgewirkt haben, sei „weder christlich noch sozial“. „Sie sollen ihr Mandat zurückgeben“, sagte Blache. Er erstattete am Montag Anzeige gegen Braun wegen Beteiligung beim Verkauf von Schrottimmobilien. Die Opposition schloß sich der Forderung nach Mandatsniederlegung nicht an. „Das ist jetzt die Hypothek der CDU“, sagte der Linkspolitiker Klaus Lederer.

Trotzige Solidarität

Die Solidarität, die einzelne CDU-Funktionäre demonstrieren, hat auch etwas Trotziges. Viele in der CDU sprechen von einer „Kampagne“, der Braun zum Opfer gefallen sei. Brauns Wegbegleiterin Cornelia Seibeld, die auch Anwältin ist, sieht weiterhin kein Problem in den Beurkundungen zwielichtiger Immobilien. „Das macht jeder Anwalt in Berlin. Das hätte jedem von uns passieren können“, sagte die Vorsitzende des Rechtsausschusses dem „Tagesspiegel“. Dass sie Brauns Nachfolgerin wird, schloss sie aus. Sie habe ein kleines Kind und außerdem nach den letzten zwei Wochen keine Lust, Senatorin in dieser Stadt zu werden.

Nun muss der Landeschef Frank Henkel wieder nach Personal suchen. „Ich habe drei bis vier potenzielle Kandidaten im Blick“, sagte er. Sie kämen sowohl aus Berlin als auch von außerhalb, es seien Männer und Frauen dabei.

Möglicher Nachfolger aus Steglitz-Zehlendorf

Einer der Namen, die genannt werden, ist Helge Sodan, ehemaliger Verfassungsrichter in Berlin und offenbar auch CDU-Mitglied in Steglitz-Zehlendorf – ein nicht ganz unwichtiges Kriterium. In der CDU Steglitz-Zehlendorf sind 2 300 Mitglieder registriert, so viele wie in keinem anderen Bezirk. Bezirksbürgermeister Nobert Kopp, der auch Vize-Kreischef ist, forderte seinen Landesvorsitzenden auf, die Stärke der Südwest-CDU besser zu berücksichtigen. Man habe 16 Prozent aller CDU-Stimmen landesweit geholt, sei aber mit keinem Staatssekretär oder Senator vertreten. „Das ist schon bitter“, sagte Kopp.

Dass Braun mittelfristig Kreischef bleibt, ist unwahrscheinlich. Anfang Januar wolle man sich „mit etwas Abstand“ im kleinen Kreis zusammensetzen, um „nüchtern“ zu reflektieren, „wie man möglichst stark in die Zukunft gehen kann“, sagte Kopp. Als Mann der Zukunft dürfte Braun nun nicht mehr gelten. (mit ulp.)