Ja, das Private ist politisch. Wissen wir. Manchmal ist das Private aber, man traut es sich kaum zu sagen, auch banal. Da zitiert der Tagesspiegel aus einem internen Polizei-Papier. Darin ist davon die Rede, dass der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) das obligatorische polizeiliche Postenhäuschen vor seiner Wohnung in Tempelhof lieber auf der anderen Straßenseite sähe. Also müsse umdisponiert werden.

Prompt fragte sich mancher: Darf der das? Darf ein Regierungschef, dessen Schutz schließlich Steuergeld kostet, bestimmen, wie und wo er geschützt wird?

Aus der Senatskanzlei, die Müller zuarbeitet, kommt dazu folgendes Statement. „Die Erklärung (für den geänderten Standort des Postenhäuschens) ist ebenso einfach wie unspektakulär: Die nun vorgesehene gegenüberliegende Straßenseite verfügt über einen breiteren Bürgersteig. Das Postenhäuschen behindert die Anwohnerinnen und Anwohner weit weniger als auf der ursprünglich vorgesehenen Straßenseite. Dort ist der Bürgersteig schmaler und wird zusätzlich durch eine Baustelle eingeschränkt. Nicht jede spektakulär klingende Geschichte ist also auch eine.“

Doch die Postenhäuschen-Geschichte geht in Wahrheit tiefer. Sie betrifft den Umgang mit der Privatsphäre von Politikern. Was geht es die Öffentlichkeit an, wo ein Politiker wohnt? Auch Anonymität kann schützend sein. Natürlich bezahlt der Staat den Schutz seiner Amtsträger, wo immer sie auch gerade sind oder wohnen. Darauf muss ein Politiker sich verlassen können. Ohne dass jedes Detail öffentlich wird. 

Wie im wahrsten Sinne des Wortes lebensnotwendig dieser Schutz sein kann, zeigt sich manchmal dann, wenn er nicht bestanden hat. Selten ist die Gesellschaft daran so gnadenlos erinnert worden wie beim Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der Anfang Juni vor seinem Haus ermordet wurde.

In dem Zusammenhang sei daran erinnert, dass selbst Müllers Vorgänger Klaus Wowereit selbstverständlich in der Öffentlichkeit geschützt, manchmal sogar abgeschirmt wurde. Seinerzeit wollte die Polizeigewerkschaft vor Wowereits Haus gegen Kürzungen im öffentlichen Dienst demonstrieren.

Nun mag das Anliegen völlig legitim gewesen sein, unter Klaus Wowereit wurde der öffentliche Dienst kaputtgespart, sagen seine Kritiker. Dennoch untersagte die Versammlungsbehörde den Aufzug mit Hinweis auf Schutz der Privatsphäre. Mehr ist dem nicht hinzuzufügen.