Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und der Virologe Christian Drosten bei der gemeinsamen Pressekonferenz. 
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BerlinBerlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) will noch deutlich weitergehende Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie als derzeit nicht auszuschließen. „Zur Frage des Lockdowns: Wie wäre die Konsequenz, wenn wir das nicht mitdenken? Wir gucken, wenn es weiter nach oben geht mit den Zahlen, einfach zu?“, sagte Müller am Freitag bei einer Pressekonferenz mit Vertretern der Berliner Charité. „Es ist die Aufgabe von Politik, alle Varianten zu durchdenken und dann natürlich auch auf Gefahren aufmerksam zu machen oder zu sagen, was man auf jeden Fall vermeiden will.“

Müller appellierte insbesondere an die jüngeren Berlinerinnen und Berliner, sich an die Regeln zu halten. Gerade auf sie komme es jetzt an. Er richte deshalb einen dringenden Appell an die Community der 20- bis 40-Jährigen, zu erkennen, dass es nicht die Zeit für Feiern sei, sagte Müller. Die steigenden Infektionszahlen seien insbesondere mit Feiern in großen Gruppen und kleineren Feiern in geschlossenen Räumen in Zusammenhang zu bringen.

Vor diesem Hintergrund sei es wichtig gewesen, etwa eine berlinweite Sperrstunde einzuführen und die Kontrollen hochzufahren. „Ich weiß, dass es eine bedrückende Situation ist, einen Rückschritt erleben zu müssen“, so der SPD-Politiker. Aber er bitte um Verständnis dafür. „Wir sind wieder in der Situation, in der wir schnell sein müssen.“

Gegen die Sperrstunde sind allerdings mehrere Berliner Gastronomen mit einem Eilantrag beim Verwaltungsgericht vorgegangen. Mit einer Entscheidung sei voraussichtlich in der kommenden Woche zu rechnen, so das Gericht am Freitag.

Die steigenden Corona-Zahlen haben bereits Auswirkungen auf Berlins Krankenhäuser: Sie zwingt etwa die Charité dazu, planbare Eingriffe wie im Frühjahr wieder zu verschieben. „Wir müssen versuchen, die Intensivbetten für Covid-Patienten frei zu bekommen“, sagte Vorstandsmitglied Ulrich Frei. Das sei keine leichte Aufgabe und führe zu schwierigen ethischen Fragen, etwa im Umgang mit Herz- und Tumorkranken. Auf den Intensivstationen liegen nach Freis Angaben noch viele Patienten, deren Eingriffe und Untersuchungen nach der ersten Corona-Welle vom Frühjahr nachgeholt wurden.

Erhebliche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auch auf Berlinerinnen und Berliner, die in andere Bundesländer verreisen wollen - selbst nach Brandenburg. Für sie gelte ein Beherbergungsverbot, weil es mehr als 50 neue Ansteckungen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen gebe, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag in Potsdam mit.

Die Hauptstädter dürfen somit nicht mehr in Hotels, Pensionen oder Ferienwohnungen im Umland übernachten. Berufspendler und Tagesausflügler sind ausgenommen sowie Urlauber, die einen negativen Corona-Test vorweisen können, der höchstens 48 Stunden vor Anreise gemacht wurde. In Bayern gilt die Einstufung als innerdeutsches Corona-Risikogebiet ab Samstag für die gesamte Stadt Berlin, nicht mehr nur für einzelne Bezirke, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Freitag mitteilte.

Berlins Regierender Bürgermeister hat die Corona-Beschränkungen für Urlaubsreisen in Deutschland kritisiert. „Diese Reisebeschränkungen helfen aus meiner Sicht nicht“, sagte Müller. Außerdem würden „wahnsinnig viele personelle Kräfte und Testkapazitäten“ gebunden - mit Ergebnissen, „die man so zumindest auch nicht braucht jetzt zur Pandemiebekämpfung“. Er hoffe sehr, dass es wieder zu einem einheitlichen Verfahren komme. Darüber solle auch gesprochen werden, wenn die Ministerpräsidenten wieder zu Beratungen zusammenkommen, was sich wohl schon für die nächste Woche abzeichne.