Die Berliner mögen augenscheinlich keine Parteien. Für ausgewählte Politiker haben sie aber durchaus etwas übrig. Das ist, etwas vereinfacht, eines der Ergebnisse der jüngsten Forsa-Umfrage im Auftrag der Berliner Zeitung, bei der im Februar 1003 Berliner unter anderem nach den politischen Akteuren in Berlin befragt wurden und nach ihren eigenen Wahlvorlieben.

Auf die Frage, welche Partei in Berlin mit den Problemen der Stadt am besten fertig würde, antworteten 56 Prozent der Befragten mit „keine“. Nur 18 Prozent gaben an, die SPD könne die Probleme am besten lösen, 14 Prozent nannten die CDU, je 4 Prozent die Parteien Grüne und Linke. Das sind wenig aufbauende Werte für Parteien, die die Geschicke einer ganzen Stadt steuern oder demnächst steuern möchten.

Alles andere scheint unwichtig

Nach Ansicht der Mehrheit der Befragten sind Ausländer und die Integration der Flüchtlinge nach wie vor das drängendste Problem. Noch vor einem Jahr hatten lediglich 24 Prozent der Befragten angegeben, diese Probleme als wichtig zu erachten – inzwischen sind es 73 Prozent. Einen höheren Wert in dieser Frage gab es lediglich im Dezember 2015, da waren es sogar 74 Prozent.

Angesichts dieser schwerwiegenden Aufgaben scheinen alle anderen potenziellen Konflikte in Berlin klar in den Hintergrund getreten zu sein: Ob der Ausbau des Flughafens Schönefeld, die Wohnungsnot oder Bildungs- und Schulpolitik – keines dieser Probleme kommt derzeit über einen Wert von 20 Prozent.

Vor einem Jahr noch hatten 32 Prozent den BER als wichtigstes Problem bezeichnet (das war auch der Spitzenwert bei der Befragung), mit 28 Prozent lag die Wohnungsnot auf Platz 2, gefolgt von Ausländern (24 Prozent) und allgemeinen Verkehrsproblemen (23 Prozent). In der aktuellen Forsa-Umfrage war die Wohnungsnot mit 27 Prozent das zweitwichtigste Problem Berlins.

So sehr sich auch die Prioritäten der Berliner in der aktuellen Politik verändert haben, so wenig Bewegung gibt es auf der Beliebtheitsskala der Politiker im Stadtstaat. Hier ist und bleibt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller Spitzenreiter. Zwar schwächelt der Sozialdemokrat ein wenig – im Vergleich zum Januar büßte er 0,2 Prozentpunkte auf der Beliebtheitsskala ein – dennoch steht er unangefochten auf Platz 1 der Liste der Berliner Landespolitiker.

Müller ist nicht nur der beliebteste, sondern auch der bekannteste Politiker: 95 Prozent der Befragten gaben an, ihn zu kennen. Kein Wunder, dass er auch der Favorit ist, wenn Berlins Regierender direkt vom Volk gewählt werden könnte. 52 Prozent gaben an, ihn wählen zu wollen, nur 14 Prozent votierten für seinen Herausforderer und Innensenator Frank Henkel. Immerhin 34 Prozent gaben an, sich für keinen von beiden entscheiden zu wollen.

Gut sieben Monate vor den Abgeordnetenhauswahlen liegt die SPD in der Forsa-Umfrage mit unverändert 29 Prozent auf Platz 1, die CDU legt einen Prozentpunkt zu und kommt mit 21 Prozent auf Platz 2. Grüne und Linke verlieren je einen Prozentpunkt und liegen nun bei 17 und 14 Prozent.

Damit wäre vieles möglich: eine rot-rot-grüne Koalition, eine Fortsetzung von Rot-Schwarz mit SPD und CDU – und sogar Rot-Grün, wenn FDP und Piraten an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Wäre Bundestagswahl, wäre die CDU jedoch klarer Sieger, vor SPD, Linken und Grünen.