Wenn der neue Flughafen in Schönefeld fertig ist, soll der Tegeler Airport geschlossen werden. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) sagt, warum sich daran nichts ändert und was aus Tegel werden soll.

Herr Müller, wenn Sie die Wahl hätten, von wo würden Sie lieber fliegen: von Tegel oder von Schönefeld?

Ich bin immer gerne von Tegel geflogen. Da geht es mir wie vielen Berlinern. Es ist der Flughafen der kurzen Wege. Aber natürlich freue ich mich auf den neuen Flughafen in Schönefeld, der uns ganz andere Möglichkeiten bietet.

Was finden Sie noch gut an Tegel, abgesehen von den kurzen Wegen?

Ich glaube, man findet nicht mehr allzu oft auf der Welt einen Flughafen, in dem man aus dem Auto bereits das Gate sieht und nicht erst große Umwege laufen muss. Das genießen sicher viele. Und es ist ein innerstädtischer Flughafen, man ist schnell dort. Gerade das ist aber auch eine große Belastung für sehr viele Menschen.

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Sie sind in Tempelhof aufgewachsen, einem West-Berliner Bezirk. Tegel war ein wichtiges Einfallstor nach West-Berlin, fällt es Ihnen nicht schwer, dafür verantwortlich zu sein, Tegel zu schließen?

Natürlich ist immer etwas Wehmut dabei. So war es in Tempelhof ja auch. Ich habe selbst viele Erinnerungen an Flugreisen oder an Menschen, die man dort abgeholt hat. Aber: Die Stadt verändert sich, entwickelt sich weiter. Und wir brauchen für eine wachsende Hauptstadt ein anderes Angebot.

Haben Sie keine Angst, dass es noch zu einem Volksbegehren kommt mit dem Ziel, Tegel weiter offen zu halten – wie damals in Tempelhof?

Ich glaube nicht, dass es breite Debatten geben wird, weil die Menschen gerade am Beispiel Tempelhofs sehen, wie sich ein Umfeld positiv verändert, wenn die Belastung durch den Flugverkehr nicht mehr da ist. In Reinickendorf, Spandau und Pankow werden im Moment jeden Tag mehr als 300.000 Menschen durch den Fluglärm auch in ihrer Wohnqualität eingeschränkt. Die Stadtgesellschaft erwartet zu Recht eine andere Lebensqualität auch in der Innenstadt. Es ist für sehr, sehr viele Menschen wichtig, dass sie vom Flugverkehr entlastet werden.

Was meinen Sie: Wie viele Jahre muss Tegel noch betrieben werden?

Das kann man ja nur im Zusammenhang mit dem BER beantworten. Und für den neuen Schönefelder Flughafen, das wissen Sie, haben wir noch keinen Eröffnungstermin. Deswegen kann es darauf leider im Moment keine Antwort geben.

Anwohner von Tegel beklagen, dass Post- und andere Nachtflüge ihnen den Schlaf rauben. Warum sorgt der Senat

nicht strikter für Nachtruhe?

Wenn wir es könnten, würden wir es sofort so entscheiden. Es ist leider so, dass es für Postflüge kein Nachtflugverbot gibt. Ich habe selbst Gespräche geführt und Briefe geschrieben an den Postvorstand, habe versucht, über die Bundesregierung Einfluss zu nehmen, aber die Auftragsvergabe wird im Wettbewerb entschieden. Und derjenige, der gewinnt, kann frei entscheiden, wo er startet und landet. Aktuell ist es Air Berlin. Das Unternehmen hat seine Maschinen in Tegel stationiert. Insofern haben wir die Situation, dass die Postflüge in Tegel eine große Belastung sind.