Der Gewinn steigt, der Aktienkurs zieht an und die Mieten werden kräftig erhöht – kein anderes Unternehmen steht im Moment so im Blick der Öffentlichkeit wie die Deutsche Wohnen.

Deutsche Wohnen kassiert vor allem bei neuen Verträgen mehr

Die gerade erst präsentierten Geschäftszahlen der Deutsche Wohnen für das Jahr 2018 zeigen, wie sehr sich das Unternehmen von der Mietentwicklung der landeseigenen Unternehmen abgekoppelt hat – obwohl allein die Wohnungen der ehemals landeseigenen GSW, etwa 51.000 von rund 112.000 Wohnungen der Deutsche Wohnen in Berlin, einen Großteil der Bestände in der Hauptstadt ausmachen.

Während die Mieter der sechs landeseigenen Unternehmen im vergangenen Jahr im Schnitt eine Miete von 6,05 Euro je Quadratmeter kalt zahlten, mussten die Mieter der Deutsche Wohnen in Berlin im Schnitt bereits 6,71 Euro je Quadratmeter berappen. Beim Abschluss neuer Mietverträge kassierte die Deutsche Wohnen im Schnitt sogar 9,08 Euro je Quadratmeter – rund 35 Prozent mehr als im Bestand. Hierbei flossen die Mieten der rund 4000 Wohnungen der Deutsche Wohnen aus dem Umland mit ein. Im Großraum Berlin besitzt die Deutsche Wohnen insgesamt 115.600 Wohnungen.

Wohnungen der Deutsche Wohnen nicht repräsentativ für Berlin

Zwar liegen für 2018 noch keine Angaben der landeseigenen Unternehmen für die Wiedervermietung vor, doch zeigen die Daten aus den vergangenen Jahren, dass die Deutsche Wohnen beim Abschluss neuer Verträge stets kräftiger zulangte als die städtischen Vermieter. So lag die Neuvertragsmiete bei den landeseigenen Unternehmen im Jahr 2017 bei 7,09 Euro je Quadratmeter, bei der Deutsche Wohnen zur gleichen Zeit jedoch schon bei 8,47 Euro je Quadratmeter im Großraum Berlin. Jeder Mieterwechsel wird bei der Deutsche Wohnen also genutzt, um das Mietniveau weiter zu erhöhen. Die Angebotsmieten für freie Wohnungen in Berlin lagen 2018 laut dem Wohnungsmarktbericht der Investitionsbank Berlin (IBB) zwar mit 10,32 Euro noch über dem durchschnittlich vereinbarten Mietpreis bei der Deutsche Wohnen.

Doch heißt dies nicht, dass sich die Deutsche Wohnen preislich zurückgehalten hat. Denn viele preiswerte Neuvertragsabschlüsse bei Genossenschaften, städtischen Unternehmen oder auch privaten Vermietern werden vereinbart, ohne dass die Wohnung zuvor in einem Internetportal angeboten wird. Sie fließen in die Statistik also gar nicht ein. Hinzu kommt, dass die Wohnungen der Deutsche Wohnen nicht repräsentativ für den Berliner Wohnungsmarkt sind. Der Anteil der beliebten Altbauten, insbesondere der Baualtersklasse bis 1919, ist unterdurchschnittlich. Viele Wohnungen stammen dafür aus der Nachkriegszeit.

Auch Gehälter der landeseigenen Unternehmen unterscheiden sich von der Deutsche Wohnen

Die Immobilien der Deutsche Wohnen sind über ganz Berlin verteilt. Die meisten gibt es in Marzahn-Hellersdorf, die wenigsten in Mitte. Die höchsten Mieten verlangt die Deutsche Wohnen in Charlottenburg-Wilmersdorf, wo im Schnitt 7,39 Euro je Quadratmeter kalt gezahlt werden. Auf Platz zwei rangiert Pankow mit einer durchschnittlichen Miete in Höhe von 7,31 Euro je Quadratmeter. Die niedrigsten Mieten bei der Deutsche Wohnen in Berlin werden mit 5,90 Euro je Quadratmeter in Marzahn-Hellersdorf kassiert. Zum Vergleich: Im Großraum Berlin lag die Miete der Deutsche Wohnen im Dezember 2008 noch im Schnitt bei 4,80 Euro je Quadratmeter. Möglich wurden die Mietsteigerungen auf jetzt 6,71 Euro je Quadratmeter in Berlin unter anderem durch Modernisierungen, die auf die Miete umgelegt werden können. Betrachtet man die Mietentwicklung der vergangenen zehn Jahre, dann relativieren sich mögliche Kosten für die öffentliche Hand, die bei einer Entschädigung nach einer Vergesellschaftung fällig würden. Denn die öffentliche Hand zahlt die Miete für Hartz-IV-Haushalte, die vom Jobcenter übernommen wird.

Nicht nur die Mieten bei der Deutsche Wohnen sind sehr viel höher als bei den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, die Gehälter der Chefs unterscheiden sich ebenfalls. Vorstandschef Michael Zahn erhielt laut Vergütungsbericht der Deutsche Wohnen im Jahr 2018 für seine Vorstandstätigkeit rund 2,3 Millionen Euro. Rechnet man noch das Geld für konzerninterne Aufsichtsratsmandate hinzu, kommt Zahn gerundet auf 4,4 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Chef der größten landeseigenen Gesellschaft Degewo, Christoph Beck, erhielt (Stand: 2017) Bezüge in Höhe von 270.000 Euro, die sich um bis zu 70.000 Euro erhöhen können. Der Boss der Deutsche Wohnen bekam 2018 also mehr als zehnmal so viel.