Berlin - Er ist eine grüne Oase mitten im Wohngebiet: der Mittelstreifen auf der Michelangelostraße, auf dem es über 300 Bäume und Hunderte von Anwohner-Parkplätzen gibt. Doch das soll alles ab 2018 verschwinden. Der Bezirk Pankow plant auf dem Mittelstreifen einen Kiez mitten im Kiez.

Wohnungen plötzlich im Dunkeln

Sechsgeschossige Häuser mit 1500 neuen Wohnungen sollen  entstehen. Die  Anwohner gehen gegen die Pläne auf die Barrikaden. „Das Konzept ist einfach schrottig“, sagt Anwohner Michael Pochanke. Der 58-Jährige wohnt im Erdgeschoss eines Gebäudes aus DDR-Zeiten, vor dessen Haustür die neuen Wohnblöcke entstehen sollen. „Der Abstand beträgt gerade einmal 20 Metern zwischen den Häusern. Unsere Wohnungen werden unnötig verschattet.“

Bei der Planungen habe das Bezirksamt nicht die Mieterinteressen berücksichtigt, meinen Diane und Steffen Zimmer. Seit zehn Jahren wohnen sie in dem Kiez. „Es geht uns noch nicht einmal um die Parkplätze, die mit den Neubauten verschwinden sollen“, sagen sie. „Der Mittelstreifen bietet uns vor allem viel Grün und frische Luft. Das alles für Häuser im Mietskasernen-Stil platt zu machen, zerstört am Ende  die  Lebensqualität der Menschen, die hier seit Jahren wohnen und die, die künftig hier herziehen sollen.“

"Man spricht mit uns einfach nicht"

"Verein für Lebensqualität an der Michelangelostraße" heißt der Bürgerverein, der gegen die Baupläne  kämpft. Er wirft dem Bezirk vor, mit dem Entwurf eines Hamburger Architekten vollendete Tatsache schaffen zu wollen, ohne auf die Bedürfnisse der Anwohner einzugehen. Man könne ja auch nur 600 Wohnungen bauen, um damit die drohende  Häuserverdichtung verhindern, schlug der Verein vor. Doch der Bezirk hält an seinen Plänen fest. „Man spricht mit uns einfach nicht“, sagt Vereinschef Horst Krüger verärgert.

Den Protest der Menschen bekamen Bezirk und Vertreter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung jüngst auf einer Einwohnerversammlung in der Gethsemanekirche zu spüren. Über 400 Menschen saßen in dem Gotteshaus, forderten eine behutsame Neubebauung in ihrem Kiez. Bisher vergeblich. Für den Senat ist der Mittelstreifen der Michelangelostraße der ideale Bauplatz für neue, soziale Wohnungen, die Berlin so dringend braucht. Einzig Baustadtrat Vollrad Kühn (Grüne) zeigt, dass Veränderungen möglich sein könnten. „Der bisher vorliegende und bereits angepasste städtebauliche Entwurf ist  erst einmal ein Ausgangspunkt, der aber nicht in Stein gemeißelt ist“, sagte er.