Berlin - Angesichts der jüngsten Forsa- Umfrage der Berliner Zeitung hält Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop es für möglich, dass der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) über das Debakel um den Flughafen BER stürzen könnte. „Wenn der Eröffnungstermin noch einmal verschoben werden sollte und die tatsächlichen zusätzlichen Kosten öffentlich werden, dürfte es eng für ihn werden“, sagte Pop am Montag der Berliner Zeitung.

Laut der Umfrage ist Wowereit auf der Beliebtheitsskala der Berliner Landespolitiker zum zweiten Mal in Folge um 0,5 Punkte abgestürzt und liegt jetzt erstmals in seiner elfjährigen Amtszeit nur im Mittelfeld, nämlich auf dem 9. Platz. Ein ungekannter Tiefpunkt für den Regierenden Bürgermeister, bislang führte er die Beliebtheitsskala meist an. Populärster Politiker ist laut Forsa-Umfrage abermals Innensenator und CDU-Chef Frank Henkel, gefolgt von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) und Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD).

Könnte dies sogar der Anfang vom Ende der Ära Wowereit sein? Offiziell springt der neue SPD-Landeschef Jan Stöß dem Regierenden Bürgermeister bei: „Diese Umfrage ist eine bloße Momentaufnahme“, sagte Stöß. Der von Wowereit eigentlich gar nicht gewollte neue Parteivorsitzende sagt aber auch nur das, was Politiker immer sagen, wenn Meinungsumfragen für die eigene Partei unerfreulich ausgehen. Die Senatskanzlei wollte sich nicht dazu äußern.

Wowereits Wurstigkeit

„Wegen der Fehlplanungen beim Flughafen BER ist Wowereit auf eine Rampe gesetzt worden, auf der es nun erst einmal nur bergab geht für ihn“, sagte auch der Politikwissenschaftler Gero Neugebauer. Wowereit sei da als Aufsichtsratsvorsitzender besonders im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Für den Politikwissenschaftler ist klar, dass Wowereit seine Rolle neu finden muss: „Die Zeit für das Motto ‚Berlin ist arm, aber sexy‘ ist endgültig abgelaufen.“ Wowereit müsse nun zeigen, dass er sich mit den drängenden Fragen Berlins beschäftige: mit der Sozial-, Integrations- und Mietenpolitik. Die innerparteilichen Querelen der vergangenen Monate macht Neugebauer nicht verantwortlich für Wowereits Negativ-Werte.

Grünen-Fraktionschefin Pop warf Wowereit vor, sich nach dem für ihn erfolgreichen Wahlkampf wieder von den Sorgen der Berliner abzuwenden. Ein Beispiel sei seine jüngste Interviewäußerung zum Lärmschutz für BER-Anwohner. Die lärmgeplagten Berliner in Tegel oder Pankow würden sich „an den Kopf fassen“, wenn jetzt beim BER plötzlich höhere Lärmschutzmaßnahmen erforderlich würden, hatte Wowereit gesagt. Das erinnere sie sehr an seine Glatteis-Äußerungen, so Pop. Wowereit hatte im eisigen Winter 2010/11, als die Winterdienste mit der Straßenräumung überfordert waren und Senioren stürzten, flapsig gescherzt, das sei halt „Holiday on Ice“.

Längst reden Parteifreunde darüber, wer dereinst die Wowereit-Nachfolge antreten könnte. Zumal er auch bundespolitisch wegen der BER-Probleme als beschädigt gilt, ein Posten in der Bundespolitik deshalb unwahrscheinlich geworden ist . Häufig fallen dann die Namen von Dilek Kolat oder von Nichtparteimitglied Ulrich Nußbaum, auch von Fraktionschef Raed Saleh. Allerdings hat Wowereit bisher noch jede missliche Situation überstanden – auch die S-Bahn-Krise oder innerparteiliche Flügelkämpfe. „Wenn es eng für ihn wird, zeigt er seinen absoluten Machtwillen“, sagt ein führendes SPD-Mitglied. Womöglich wird Wowereit es nun nach all der Kritik an ihm noch einmal wissen wollen.

Ganz deutlich warf sich am Montag ausgerechnet der Koalitionspartner CDU für Wowereit ins Zeug. „Ungeachtet der aktuellen Umfrage ist Klaus Wowereit nach wie vor das Zugpferd der SPD“, teilte CDU-Generalsekretär Kai Wegner mit, ganz moderat. Mit der SPD arbeite man „auf allen Ebenen konstruktiv und vertrauensvoll zusammen“. Natürlich freue man sich auch „über die wachsende Zustimmung“ für die Arbeit der CDU, hieß es dann fast schon verschämt.