Berlin bekommt ein weiteres großes Fahrradvermietsystem. Nicht mehr lange, dann geht Nextbike an den Start. Die Auftaktveranstaltung ist derzeit für den 5. Mai geplant, teilte Matthias Tang, Sprecher von Verkehrssenatorin Regine Günther, am Donnerstag mit.

Vorgesehen ist, dass an rund 200 Stationen zirka 2000 Fahrräder bereitgestellt werden. Fast alle Mietstationen werden sich innerhalb des S-Bahn-Rings befinden. „Lichtenberg ist der einzige Bezirk außerhalb des S-Bahn-Rings, in dem Nextbikes gemietet und wieder abgestellt werden können“, so die Klimaschutzbeauftragte des Bezirks, Kirsten Schindler.

Politiker auf Räder: So soll es losgehen. Geplant ist ein Fahrradkorso, bei dem auch die Bürgermeister der beteiligten Bezirke mitradeln – jeder mit einem T-Shirt, das den Bezirksnamen trägt. Die Fahrradtour für Fotografen und Kamerateams markiert den Beginn einer Konkurrenzsituation, die wohl einzigartig ist.

Senat prüft: Genehmigung nötig?

Denn in Berlin gibt es schon ein großes Fahrradvermietsystem. Unterstützt von einem Sponsor, der Supermarktkette Lidl, bietet die Deutsche Bahn (DB) seit Februar 3500 grün-silberne Lidl-Bikes zum Mieten an. Nun kommen rund 2000 blaue Nextbikes dazu. So entsteht ein riesiges Angebot an Mieträdern, bei dem sich Beobachter fragen, ob es für den Bedarf nicht zu groß ist.

Schließlich besitzt jeder Berliner Haushalt im Durchschnitt anderthalb Privatfahrräder, und für Touristen gibt es viele andere Möglichkeiten, Fahrräder zu mieten. Hinzu kommt, dass die DB schon vor zwei Monaten an den Start ging – und einen Teil der Nachfrage abschöpfen konnte. Anders als bei Nextbike müssen DB-Kunden nicht erst zu einer Mietstation laufen. Die mit Logos des Discounters bepflasterten Fahrräder stehen auf vielen Gehwegen, überall im Zentrum verteilt.

Es ist eine massive Inanspruchnahme öffentlichen Straßenlands – bisher ohne Genehmigung und ohne dass Gebühren gezahlt werden. „Wir prüfen, ob eine Genehmigung nötig wäre“, so Tang. Es gehe um Gleichbehandlung – schließlich brauche auch ein Wirt, der auf einem Gehweg Tische aufstellen will, eine Erlaubnis. Im Senat sieht man das DB-System ohnehin kritisch.

Fast nur innerhalb des S-Bahn-Rings

„Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Vorgehen der DB die Wirtschaftlichkeit des vom Land Berlin geförderten Systems beeinträchtigt“, hieß es. Zwar bekommt die Firma Nextbike, die nach einer Ausschreibung einen Fünf-Jahres-Vertrag mit der Option einer Verlängerung um drei Jahre erhielt, vom Land pro Jahr einen Zuschuss in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Doch trotzdem ist es auf Mieterträge angewiesen.

Seit Herbst wird das neue Mietradsystem erprobt – in Lichtenberg. „Wir haben uns von Anfang an dafür eingesetzt, dass Nextbike auch in unserem Bezirk vertreten ist“, sagte Bürgermeister Michael Grunst (Linke). „Es kann nicht sein, dass immer nur die Gebiete innerhalb des S-Bahn-Rings gesehen werden.“

Wettrennen mit dem Bezirkschef

Der Bezirk konnte erreichen, dass acht Mietstationen in Lichtenberg aufgebaut werden – unter anderem am Rathaus und am S-Bahnhof Nöldnerplatz. Auf der Karte stehen auch drei Stationen in Friedrichsfelde: am Verwaltungszentrum, in dem rund 600 Menschen für den Bezirk arbeiten, am U- sowie am S-Bahnhof. Beschäftigte, die heute mit dem Auto kommen, sollen zum Umsteigen verleitet werden. „Wir möchten die Fahrten mit privaten Pkw reduzieren“, sagte Schindler.

Der Bezirk ist auch dabei, seine Jugendverkehrsschulen neu zu profilieren. Der Übungsplatz in der Baikalstraße steht allen Generationen offen – mit einer Mobilitätsberatung, einer Sprechstunde der Polizei sowie einer Selbsthilfewerkstatt. Für den 6. Mai lädt der Bezirk dorthin zu einem „Mobilitätstag“ ein. Wer schon immer mal mit dem Bürgermeister um die Wette radeln wollte, sollte sich den Termin vormerken.