Skyline von Berlin.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

BerlinWer in Berlin eine neue Wohnung anmieten will, wird in der Corona-Krise mit steigenden Mietforderungen konfrontiert. Wer sich dagegen eine Eigentumswohnung zulegen möchte, der  darf sich über sinkende Angebotspreise freuen. Das geht aus dem jetzt veröffentlichten Corona-Index des Forschungs- und Beratungsunternehmens F+B hervor. F+B hat dafür bundesweit Miet- und Kaufangebote von der zehnten Kalenderwoche Anfang März bis zur 18. Kalenderwoche Anfang Mai ausgewertet.

Die Angebotsmieten für freie Wohnungen in Berlin stiegen danach von 14,29 Euro je Quadratmeter zu Beginn der Corona-Krise auf 15,11 Euro je Quadratmeter Anfang Mai. Die Entwicklung in Berlin verläuft damit ähnlich wie im Durchschnitt aller Bundesländer – mit leichter Tendenz nach oben. Allerdings liegen die Angebotsmieten in Berlin besonders hoch. In keinem anderen Bundesland wurde laut F+B Anfang Mai ein höherer Mietpreis verlangt. Hinter der Bundeshauptstadt rangieren Hamburg (14,82 Euro) und Bayern (13,05 Euro). Das Land Brandenburg belegt Rang 6 (11,84 Euro). Der Stadtstaat Bremen kommt zusammen mit Schleswig-Holstein im Preisranking auf Platz sieben (10,20 Euro). Eingeflossen in die Auswertung sind die Mieten von älteren Bestandswohnungen und von neu errichteten Wohnungen.

Grafik Berliner Zeitung/Galanty ; Quelle: F+B-Corona-Index 

In allen Bundesländern ist laut F+B die Zahl der Mietwohnungsangebote im Verlauf der Corona-Krise zunächst zurückgegangen, hat sich dann aber wieder erholt. Während Anfang Mai im bundesweiten Durchschnitt bereits genauso viele Wohnungen zur Miete angeboten wurden wie Anfang März, lag die Zahl der Mietangebote in Berlin jedoch darunter – um rund 14 Prozent. Das Angebot an Mietwohnungen ist also knapper geworden.

Die Angebotspreise für Eigentumswohnungen in Berlin sanken seit Anfang März von durchschnittlich 6 048 Euro je Quadratmeter Wohnfläche auf 5 702 Euro je Quadratmeter Anfang Mai. In Berlin zeigt sich damit eine ähnliche Entwicklung wie in den meisten der sogenannten Top-Sieben-Städte in Deutschland. Nicht nur in der Bundeshauptstadt, sondern auch in Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg und Köln liegen die Angebotspreise für Eigentumswohnungen Anfang Mai im Schnitt unter den Preisen von Anfang März. Laut F+B war seit Mitte April „im Städtedurchschnitt ein kontinuierlicher Abfall der Preise zu beobachten“. Einzig in München und Stuttgart habe der Angebotspreis Anfang Mai „in etwa auf dem Niveau“ von Anfang März gelegen. Im Bundesdurchschnitt zeigten die Angebotskaufpreise laut F+B jedoch eine „frappierende Konstanz“. Die Durchschnittspreise schwankten lediglich zwischen 3 700 und 3 900 Euro je Quadratmeter.

Grafik Berliner Zeitung/Galanty ; Quelle: F+B-Corona-Index

Die Zahl der zum Kauf angebotenen Eigentumswohnungen hat sich im Betrachtungszeitraum im bundesweiten Schnitt verringert – von rund 4000 Wohnungen pro Woche Anfang März auf knapp 3350 Wohnungen pro Woche Anfang Mai. In den sieben größten Städten verringerte sich das Angebot an Eigentumswohnungen zwischenzeitlich sogar im Schnitt um mehr als 30 Prozent. In Berlin wurden Anfang Mai rund 27 Prozent weniger Eigentumswohnungen angeboten als noch Anfang März.

„Schattenmieten“ treiben Preise hoch

Erklärungsbedürftig sind die hohen Angebotsmieten von gut 15 Euro je Quadratmeter in Berlin, die für den Corona-Index von F+B ermittelt wurden. Die Angebotsmieten bewegen sich damit deutlich über dem Preisniveau von 10,45 Euro je Quadratmeter, das der Wohnungsmarktbericht der Investitionsbank Berlin noch im Mittel für 2019 ausweist. F+B erklärt den Preissprung mit dem Phänomen der sogenannten Schattenmieten in Berlin.

Darunter werden Mieten verstanden, die höher liegen als nach dem im Februar in Kraft getretenen Mietendeckel in Berlin erlaubt. Manche Vermieter vereinbaren solche Schattenmieten neben der zulässigen Mietendeckel-Miete. Sie wollen damit Vorsorge für den Fall treffen, dass der Mietendeckel vom Bundesverfassungsgericht gekippt wird. Die Mieter müssen zunächst nur die Mietendeckel-Miete zahlen. Wenn der Deckel gekippt werden sollte, müssten sie aber die höhere Miete berappen. Der Mieterverein kritisiert dies als Versuch, den Mietendeckel zu umgehen. Nach Ansicht des Maklerverbandes IVD handeln die Vermieter dagegen „im Einklang mit geltendem Recht“.