Berlin - Neu-Berliner suchen sich ihre erste Wohnung überwiegend in der Mitte der Stadt, die Berliner zieht es dagegen bei einem Umzug eher raus aus der City. Das geht aus dem am Mittwoch vorgestellten Wohnmarktreport 2014 hervor, den das Wohnungsunternehmen GSW und das Maklerhaus CBRE erarbeitet haben. Danach lebten im Jahr 2012 rund ein Drittel der Berliner in dem Gebiet innerhalb des S-Bahnrings. Zur gleichen Zeit ließen sich dort 47,6 Prozent der Neubürger nieder. „Vor allem junge Leute ziehen in die Stadt“, sagte GSW-Chef Jörg Schwagenscheidt.

Am meisten wird dem Bericht zufolge in den Bezirken Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg umgezogen, am wenigsten in den östlichen Bezirken Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf. Umzüge quer durch die Stadt oder über größere Entfernungen sind jedoch die Ausnahme. Die Mehrheit der Umziehenden bewege sich in direkt benachbarte Stadtteile. Für eine massenhafte Verdrängung ärmerer Bewohner aus der City gebe es keinen statistischen Beleg, sagte Schwagenscheidt.

Aus den Gebieten innerhalb des S-Bahnrings zogen im Jahr 2012 insgesamt 13.795 Menschen mehr in andere Stadtteile fort, als im gleichen Zeitraum aus diesen zuzogen. Die Gebiete Berlins außerhalb des S-Bahnrings verbuchten durch Umzüge ein Bevölkerungs-Plus von 9859 Einwohnern.

Die häufigsten Umzugsbewegungen aus Mitte gingen dem Report zufolge vom Zentrum nordwärts in den angrenzenden Prenzlauer Berg und von Wedding nach Reinickendorf Ost. Den größten Fortzug aus Friedrichshain-Kreuzberg gab es in das benachbarte Neukölln. Die meisten Zuzügler nach Marzahn-Hellersdorf kamen aus dem Nachbarbezirk Lichtenberg.

Im Jahr 2012 gewann Berlin laut dem Report mehr als 41.000 Bürger hinzu. Die Zahl der Haushalte steige mit derzeit mehr als 20.000 pro Jahr wesentlich stärker als die Zahl der fertiggestellten Wohnungen. Wenn diese Entwicklung anhalte, werde sich „trotz des Neubaus die Anspannung am Markt vergrößern“, prognostiziert Michael Schlatterer, Wohnungsmarktexperte von CBRE.

Die Nachfrage nach Wohnungen in der Innenstadt wirkt sich offenkundig auch auf die Mieten aus. Während freie Wohnungen im vergangenen Jahr im Durchschnitt für eine Kaltmiete von 8,02 Euro je Quadratmeter berlinweit angeboten wurden, sollten Wohnungen in City-Quartieren mit den Postleitzahl-Anfangsziffern 10 im Schnitt 9,95 Euro je Quadratmeter kosten. Damit lagen die Preisforderungen der Vermieter für die Berliner Innenstadt laut dem Marktreport deutlich über den Forderungen der Vermieter für freie Wohnungen in Düsseldorf (9,07 Euro pro Quadratmeter) und von Köln (9,25 Euro). Am teuersten bleibt München (13,67 Euro).