Berlin - Nachdem das Bundesverfassungsgericht den Mietendeckel gekippt hat, sind die Mieten in Berlin wieder kräftig gestiegen. Zugleich hat sich aber auch das Angebot an freien Wohnungen erhöht. Das geht aus einer Auswertung des Onlineportals Immoscout24 hervor, die am Donnerstag präsentiert wurde.

Die Angebotsmieten für Wohnungen, die ursprünglich unter den Mietendeckel fielen, stiegen laut Immoscout seit Verkündung des Gerichtsurteils am 15. April im Schnitt um 90 Cent pro Quadratmeter an. Das entspricht einer Erhöhung um sieben Prozent. Immoscout spricht von einem „Trend“ unter allen Anbieter-Gruppen, ausgenommen seien die privaten Wohnungsgesellschaften, bei denen das Niveau der Angebotsmieten im Durchschnitt zurückgegangen sei. Zum Vergleich: In Frankfurt am Main und München stiegen die Angebotsmieten im gleichen Wohnungssegment seit Mitte April nur um 0,5 beziehungsweise 0,3 Prozent, in Köln waren sie sogar leicht rückläufig.

Öffentliche Wohnungsbaugesellschaften mit günstigen Mieten

Die öffentlichen Wohnungsgesellschaften boten laut Immoscout mit durchschnittlich sechs bis sieben Euro pro Quadratmeter die günstigsten Bestandsmietwohnungen mit Baujahr vor 2014 in Berlin an. Das sind die Wohnungen, die unter den Mietendeckel fielen. Privatwirtschaftliche Wohnungsgesellschaften lagen laut Immoscout mit durchschnittlich acht bis neun Euro pro Quadratmeter aber nur leicht darüber. Für Berlin verzeichnete Immoscout mit 158 Kontaktanfragen pro inserierter Bestandsmietwohnung pro Woche im ersten Quartal 2021 mit weitem Abstand die höchste Nachfrage. Zu Bestandsmietwohnungen zählt das Unternehmen Wohnungen, die älter als zwei Jahre sind. Die anderen Wohnungen gelten als Neubauten.

Das Bundesverfassungsgericht hatte den Mietendeckel als nichtig erklärt. Seitdem gelten wieder die zuvor vereinbarten Mieten. Seit der Gerichtsentscheidung stieg das Angebot für Mietwohnungen mit Fertigstellung vor 2014 bis Ende April um bis zu 20,5 Prozent an. Knapp drei Wochen nach dem Urteil lag es am 3. Mai weiterhin um 8,6 Prozent über dem Niveau des 15. April. Der Anstieg beruht laut Immoscout allerdings „auf einer niedrigen dreistelligen Zahl von Inseraten und stellt noch keinen nachhaltigen Trend dar“. Die Zahlen legen jedoch den Schluss nahe, dass einige Vermieter freie Wohnungen erst nach dem Mietendeckel-Urteil des Bundesverfassungsgerichts wieder zur Vermietung anbieten. „Wir hoffen, dass sich das Angebot an Bestandsmietwohnungen nun wieder erholen wird“, sagt Immoscout24-Geschäftsführer Thomas Schroeter. „Dazu sehen wir knapp drei Wochen nach der Entscheidung bereits erste Tendenzen.“

Wohnungen im Neubau sind teurer

Für das erste Quartal 2021 weisen die Zahlen von Immoscout24 deutschlandweit eine Steigerung der Mietpreise für Bestandswohnungen in Höhe von 1,8 Prozent aus – und damit den stärksten Anstieg in einem Quartal in den letzten fünf Jahren. Seit dem zweiten Quartal 2018 hatte der Anstieg teilweise deutlich unter 1,4 Prozent pro Quartal gelegen. Im Neubau zogen die Mietpreise ebenfalls deutlicher an als in den vier Quartalen im letzten Jahr. In absoluten Preisen lagen die Angebotsmieten im Neubau im März 2021 deutschlandweit bei 9,58 Euro pro Quadratmeter und damit über den Bestandsmieten mit 7,18 Euro pro Quadratmeter. „Deutschlandweit übersteigt die Nachfrage nach Mietwohnungen das Angebot deutlich. Das erklärt, warum die Angebotsmieten nach wie vor deutlich anziehen“, betont Immoscout24-Geschäftsführer Thomas Schroeter.

In Köln stiegen die Angebotsmieten für Bestandswohnungen im ersten Quartal 2021 um 2 Prozent – das entspricht dem stärksten Anstieg. Danach folgen Frankfurt am Main mit einem Anstieg um 1,9 Prozent und Berlin mit einem Anstieg um 1,7 Prozent. In allen drei Städten zogen damit die Angebotsmieten deutlich stärker an als in den Quartalen des Vorjahres.

Stärkste Anhebungen in Berlin erwartet

In Berlin und in Köln liegen die Angebotsmieten im Bestand im Vergleich zu den übrigen Großstädten noch auf einem geringeren Niveau. Mit 10,01 Euro in Berlin und 10,70 Euro in Köln rangieren die Quadratmeterpreise am unteren Ende des Städtevergleichs. Das teuerste Pflaster bleibt München. Für eine Mietwohnung im Bestand riefen Anbieter in der bayerischen Landeshauptstadt im ersten Quartal 15,95 Euro pro Quadratmeter auf.

In Frankfurt am Main und München stagnieren laut Immoscout die Mietangebote für neugebaute Wohnungen im ersten Quartal mit einem Plus von 0,3 Prozent. In Berlin hingegen stiegen die Angebotsmieten im Neubau mit 3,5 Prozent gegenüber den anderen Städten am stärksten an. In Berlin ist die Nachfrage nach Neubau-Mietwohnungen mit 29 Kontaktanfragen pro Inserat und Woche laut Immoscout am größten. Auch in Köln und Hamburg wurden Neubau-Wohnungen im ersten Quartal dieses Jahres um 1,9 und 1,1 Prozent teurer angeboten als noch im vierten Quartal 2020. Hier lag die Nachfrage bei 16 beziehungsweise acht Kontaktanfragen pro Woche und Inserat. München ist auch bei den Neubaumieten einsamer Spitzenreiter mit durchschnittlich 18,40 Euro. Berlin, Hamburg und Frankfurt am Main liegen mit 13,76 Euro, 13,55 Euro und 13,25 Euro relativ gleich auf. Köln ist mit 12,12 Euro bei den Neubaumieten die günstigste der fünf Städte.

Für Berlin erwartet Immoscout24 mit 5,6 Prozent in den kommenden zwölf Monaten die stärksten Preiszuwächse bei den Neubaumieten. Wichtig: Immoscout24 analysiert Angebotsmieten. Zu welchen Mieten Verträge abgeschlossen werden, geht aus den Zahlen nicht hervor.