Zum Regieren brauche ich Bild, Bams und Glotze.“ Wer hat’s gesagt? Gerhard Schröder. Von Michael Müller wissen wir nicht, welche Zeitungen er zum Regieren zu brauchen glaubt – sicher aber braucht auch der Regierende Bürgermeister offensichtlich das Fernsehen. Also schwänzte der SPD-Politiker am Mittwoch die Haushaltsverhandlungen über seine eigene Etats für die Senatskanzlei und die Wissenschaftsverwaltung, düste am Abend nach Hamburg und setzte sich ins Fernsehstudio von Markus Lanz.

Thema bei Markus Lanz: der Mietendeckel

Das Thema war aber auch zu attraktiv: der Mietendeckel, Lieblingsprojekt der Berliner Sozialdemokratie. Der oberste Sozi der Stadt zeigte sich klar, eindeutig, selbstsicher, „der Robin Hood in Gestalt von Michael Müller“, wie Lanz an einer Stelle sagte. Fast schon ein Geschenk für Müller war, dass die Redaktion als Gegenpart den neoliberalen Publizisten Rainer Hank aus Stuttgart eingeladen hatte, der mit seiner Markthörigkeit dem Regierenden Bürgermeister Stichwort um Stichwort lieferte.

Dabei wurde es ganz am Anfang persönlich, vielleicht allzu persönlich. Lanz fragte Müller nach seiner eigenen Miete in seiner Tempelhofer Wohnung. „So gut sieben, siebeneinhalb Euro“, sagte Müller. Danach gab es kurzen Moment der Peinlichkeit, als Lanz wissen wollte, wie lange Müller denn in dieser Wohnung wohne. „Zehn Jahre“, sagte dieser äußerlich ungerührt. Dabei war vor einiger Zeit in der Bild und zuletzt auch in der Bunten zu lesen, dass das Ehepaar Müller sich getrennt habe. Längst ist auch der obligatorische Polizeiposten vor der Familienadresse abgezogen.

Müller bei Lanz: Beim Mietendeckel geht es um fünfjähriges Einfrieren der Miete

Als der persönliche Einstieg erst überstanden war, machte Müller bei der Gelegenheit vor einem Millionenpublikum noch einmal die SPD-Position klar, dass es bei dem Mietendeckel um ein fünfjähriges Einfrieren der Mieten gehe – und nicht etwa um eine Absenkung auf Obergrenzen, wie sie die Linke in der Stadt fordert. Alles andere halte er auch für juristisch fragwürdig.

Der so oft als etwas dröge und reichlich grau wahrgenommene Müller präsentierte sich, wie er sehr wohl auch ist: schlagfertig und ordentlich berlinisch. Einmal parierte er einen Angriff von Hank als „Ist ja quatsch“, ein anderes Mal berichtete er von Familien, die sich etwa im Kinderbauernhof auf dem Görlitzer Park „amüsieren wie Bolle“. Dennoch halte natürlich auch er die dortige offene Dealerszene für ein ständiges Ärgernis. Aber der Regierende warnte auch davor, auf Schnellschüsse zu setzen.

Selbstverständlich könne man mit mehr Polizeipräsenz dafür sorgen, dass im Görli keine Dealer mehr unterwegs wären, „aber die wären dann irgendwo drei, vier Straßen weiter“. Und dabei sie in Wahrheit nichts gewonnen. Müller: „Wer glaubt, dass man damit etwas löst, der wird vor den Schrauber laufen.“