Sollte der Mietendeckel in Berlin wie beschlossen Wirklichkeit werden, würden viele Wohnungsunternehmen Investitionen angeblich stoppen oder reduzieren. Das geht aus einer am Mittwoch präsentierten Umfrage des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) hervor.

Mietendeckel würde laut Verband erhebliche Verluste für Genossenschaften bedeuten

Mehr als 90 Prozent der Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligten, sagten, sie würden energetische Modernisierungen deutlich reduzieren oder komplett stoppen. Fast 90 Prozent rechnen mit Auswirkungen auf die Gestaltung des Wohnumfeldes. 71 Prozent erwarten eine drastische oder deutliche Verringerung des sozialen Engagements der Unternehmen. „Die Umfrage zeigt, wo bei den Eckpunkten nochmal nachgedacht werden muss“, sagte BBU-Chefin Maren Kern. Der Mietendeckel träfe vor allem die soziale Wohnungswirtschaft. „Das kann von der Politik so nicht gewollt sein, ebenso wenig, dass von einem pauschalen Einfrieren der Mieten besonders auch einkommensstarke Haushalte profitieren würden.“

Der Mietendeckel sieht in der bisher bekannten Form vor, dass die Mieten in Berlin für fünf Jahre eingefroren werden. Beim Mieterwechsel soll es keine Mieterhöhungen geben. Außerdem sind Mietobergrenzen geplant. Der Mietendeckel soll für rund 1,5 Millionen Mietwohnungen gelten. Neubauten und Sozialwohnungen sind ausgenommen.

Bei einer mittelgroßen Berliner Wohnungsgenossenschaft mit rund 2 500 Wohnungen, die ihre Mieten bisher um 2,5 Prozent jährlich erhöht, würde der Mietendeckel laut BBU-Chefin Kern innerhalb von fünf Jahren zu Einnahmeverlusten von mehreren Millionen Euro führen. Im ersten Jahr belaufe sich der Verlust auf rund 285.000 Euro. Im fünften Jahr sei er aber schon fünfmal so hoch. In der Summe belaufe sich der Verlust dann bereits auf mehr als vier Millionen.

Mieten der Genossenschaften sind in Berlin am Geringsten

Selbst wenn die Genossenschaft die Mieten nach Auslaufen des Mietendeckels nach fünf Jahren in allen Wohnungen im ersten Jahr um 7,5 Prozent anhebe, im darauffolgenden Jahr nochmal um fünf Prozent erhöhe und in den folgenden Jahren für jeweils 20 Prozent der Wohnungen die Miete um 3 Prozent pro Jahr raufsetze, würden die Einnahmeverluste weiter steigen – auf 7,7 Millionen Euro in zehn Jahren, weil die Folgen des fünfjährigen Mietenstopps nicht so schnell aufzufangen seien. Folge laut BBU: „Die Genossenschaft würde in eine Schieflage geraten.“ Um das zu verhindern, fordert der Verband nun einen Dialog zwischen Politik und Wohnungswirtschaft.

Der BBU vertritt in Berlin 144 Mitgliedsunternehmen mit mehr als 715.000 Wohnungen. Das entspricht etwa 43 Prozent der Berliner Mietwohnungen. Neben vielen Genossenschaften sind die sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen im BBU organisiert. Die börsennotierte Deutsche Wohnen gehört jedoch ebenfalls zu den BBU-Mitgliedern.

Während die Genossenschaften eine Miete von durchschnittlich um 5,60 Euro je Quadratmeter verlangen und damit zu den preisgünstigsten Anbietern von Wohnraum in Berlin gehören, liegen die Mieten der sechs landeseigenen Gesellschaften bei 6,09 Euro je Quadratmeter (Stand: Ende 2018). Das ist ebenfalls noch immer günstig. Dass die durchschnittliche Miete der BBU-Mitgliedsunternehmen dennoch bei 6,15 Euro je Quadratmeter kalt liegt, dürfte an Vermietern wie der Deutsche Wohnen liegen, dem größten privaten Vermieter der Stadt. Die Mieter in den mehr als 110.000 Wohnungen der Deutsche Wohnen in Berlin zahlten Ende vergangenen Jahres nämlich schon eine Miete von 6,71 Euro je Quadratmeter.