Stockwerke eines neugebauten Wohnhauses (Symbolbild).
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BerlinDer Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) erwartet, dass wegen des vom Senat vorgesehenen Mietendeckels rund 12.000 Wohnungen weniger gebaut werden als geplant.

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) erwartet, dass wegen des vom Senat vorgesehenen Mietendeckels bis Mitte 2024 rund 12.000 Wohnungen weniger gebaut werden als zuvor geplant. Gleichzeitig konstatiert der Verband, dass die Mieten 2018 weiter gestiegen sind.

Schlechte Aussichten für private Mitgliedsunternehmen

Verbandsvorstand Maren Kern sagte am Dienstag bei der Vorstellung des BBU-Marktmonitors 2019, dass der Deckel, der rückwirkend vom 18. Juni 2019 an für fünf Jahre gelten soll, rund 1,1 Milliarden Euro weniger Einnahmen für die Mitgliedsunternehmen bedeute. Erfahrungsgemäß ziehe ein Euro eigener Einnahmen vier Euro Fremdkapital nach sich, so dass aus 1,1 Milliarden Euro Mindereinnahmen 5,5 Milliarden Euro weniger mögliche Ausgaben nach sich zögen.

Wegen dieser Aussichten hätten die privaten Mitgliedsunternehmen des BBU ihre Pläne, 8.200 Wohnungen zu errichten, auf nahezu Null reduziert. Das habe eine Umfrage ergeben. Die Genossenschaften wollten nur 2.000 statt 6.000 Wohnungen bauen. Die sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, die auch vom BBU vertreten werden, wollten wie geplant bauen, müssten sich aber laut Kern einschränken.

Modernisierungen von Wohnungen, die nach dem Auszug von langjährigen Mietern fällig würden und bis zu 30.000 Euro kosten, könnten nicht mehr im gewohnten Rahmen stattfinden oder nur, wenn die Landeseigenen sich stärker verschuldeten.

Wohnen in Berlin teurer geworden

Die Daten des Marktmonitors belegen, dass Wohnen in Berlin teurer geworden ist. Danach lagen die Nettokaltmieten 2018 bei Neuvermietungen   bei 7,80 Euro pro Quadratmeter, 35 Cent oder 4,7 Prozent höher als 2017. Parallel stiegen die Preise für Neubau und Sanierung um 6,3 Prozent, was den Kostendruck auf die Unternehmen verstärke, so Kern.

Dennoch lägen die BBU-Mitglieder bei den Neuvermietungen um 3,26 Euro oder knapp 29 Prozent unterhalb des vom Senat ermittelten Marktdurchschnitts. Am niedrigsten waren die BBU-Neuvertragsmieten 2018 in Marzahn-Hellersdorf (6,72 Euro), am höchsten in Steglitz-Zehlendorf (8,80 Euro).

Mieten bei Neuvermietungen stark angestiegen

Die Bestandsmieten, die alle unterschriebenen Mietverträge umfassen, seien in den BBU-Unternehmen um 16 Cent oder 2,7 Prozent auf 6,14 Euro pro Quadratmeter gestiegen, auch hier liege man weit unterhalb des Berliner Durchschnitt von 7,40 Euro. Deutlich teurer sind erstmals bezogene Wohnungen. Bei den BBU-Unternehmen liegen sie bei 10,17 Euro. Angaben des Senats zufolge   liegt der Schnitt über alle Anbieter bei 14 Euro pro Quadratmeter.

Schon innerhalb eines Jahres ist ein klarer Anstieg der Bestandsieten in Berlin zu verzeichnen.
Graphik: BLZ/Galanty; Quelle: BBU, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg
Immer mehr Wohnungen in Berlin werden fertiggestellt.
Graphik: BLZ/Galanty; Quelle: BBU, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Die durch die steigenden Preise einsetzende Stadtflucht zeitigt inzwischen Folgen fürs Umland: Die Mieten bei Neuvermietungen dort stiegen bei den BBU-Unternehmen im Schnitt um 5,5 Prozent, also stärker als in Berlin. Allerdings ist das Plus von 35 Cent dem in Berlin gleich, und am Ende kostet der Quadratmeter mit 6,74 Euro weniger. Ein Ausreißer ist Wildau mit 8,80 Euro.

Anhörung zum Thema Mietendeckel

Jenseits des Speckgürtels wird es deutlich günstiger, insbesondere dort, wo es im sogenannten weiteren Metropolenraum keine schnelle Eisenbahn- oder Straßenverbindung nach Berlin gibt. Im Schnitt werden bei Neuvermietungen nur 5,34 Euro fällig, am niedrigsten sind die Preise in Vetschau (4,78 Euro). Auch Brandenburgs Mieten hielten nicht mit den Steigerungen der Baupreise mit. Nur bei Neubauten (9,72 Euro, plus 6,5 Prozent) kam der Anstieg der Baukosten – im Gegensatz zu Berlin – dem Mietenwachstum etwa gleich.

An diesem Mittwoch gibt es im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses eine Anhörung mit zwölf Teilnehmern zum Thema Mietendeckel. Maren Kern wird voraussichtlich auch hier kritisieren, dass die vorgesehenen Mietobergrenzen sich auf den Mietspiegel von 2013 beziehen und die massiven Teuerungen bei Bauleistungen seither nicht berücksichtigen.  

Der BBU vertritt in Berlin rund 150 Unternehmen mit 715.000 Mietwohnungen, die 43 Prozent des Bestands ausmachen. In Brandenburg sind es 200 Unternehmen mit 340.000 Wohnungen (44 Prozent).