Berlin - Wie emotional das Thema Wohnungsnot und Mietendeckel debattiert wird, konnte man vor einigen Tagen bei Twitter erleben, als der Fraktionsvorsitzende der FDP, Sebastian Czaja, eine Vermieterin vorstellte, die in Berlin zehn Wohnungen besitzt. Der Mietendeckel würde sie in den Ruin treiben, ihre Altersvorsorge zerstören, schrieb Czaja. Dabei habe sie die Mieten moderat gehalten und viel Geld und Herzblut in die Sanierung gesteckt. „Reich war sie nie“, schrieb Czaja und erntete mit einen Beitrag einen Shitstorm. „Die Arme ... Nur zehn Wohnungen. Sehr tragisch, dass sie am Hungertuch nagen muss“, war da noch einer der freundlicheren Kommentare.

Kosten für Sanierung nur noch mit einem Euro auf Mieter umlegbar

Der Mietendeckel, der die Mieten für fünf Jahre eindämmen soll, sorgt bei Vermietern vor allem auch deshalb für Verunsicherung, weil sie die Kosten für Sanierung und Modernisierung ohne Genehmigung nur noch mit einem Euro auf ihre Mieter umlegen dürfen. Ein weiterer Euro darf zwar über Fördermittel beantragt werden, aber das sei „nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, erklärte kürzlich Andreas Schuh von der Innung Sanitär, Heizung und Klempner.

Auch jetzt gibt es schon eine sogenannte Kappungsgrenze, so dass Mieten nach einer Modernisierung innerhalb von sechs Jahren um nicht mehr als drei Euro pro Quadratmeter steigen dürfen, bei einer Miete bis sieben Euro darf der Vermieter sogar nur um höchstens zwei Euro anheben. Dies gilt aber nicht für Neuvermietungen.

Handwerker befürchten Auftragsverluste durch Mietendeckel

Die Handwerker fürchten daher Auftragsverluste und gehen davon aus, dass Vermieter weniger investieren werden. Schon jetzt verzeichnen sie Auftragsrückgänge. Die Baukammer, die in Berlin die Ingenieure vertritt, warnt: Mit dem Mietendeckel werde kein Bestandsgebäude im Sinne von Klimaschutz und Energieeinsparung saniert.

Energetische Sanierung leidet unter Mietendeckel

Für Stefanie Mayer ist die energetische Sanierung noch nicht einmal das Hauptproblem. Ihr geht es vielmehr um die grundsätzliche Instandhaltung ihrer Wohnungen. Mayer ist Miteigentümerin eines 125 Jahre alten Hauses in der City-West. „Ein Familienerbstück“, erzählt sie. Ein Haus, das sie aus „Liebhaberei“ verwaltet, „und nicht, um Leute abzuzocken“. Denn das Haus mache vor allem eins: „Viel Arbeit, aber sicherlich keine Rendite“, sagt sie. Hängen bleibe da nichts, alle Miteigentümer gingen arbeiten.

Ihren richtigen Namen möchte Stefanie Mayer nicht der Zeitung lesen. Wohl auch, weil die Debatten aktuell eben so sind wie sie sind: Wer Vermieter ist, steht momentan im Verruf, sich mit Wuchermieten ein schönes Leben zu machen. Was sicherlich auf einige Miethaie in der Stadt auch zutrifft – aber eine Blaupause für sämtliche Wohnungsbesitzer in Berlin ist das nicht. Denn gerade die kleinen Eigentümer scheinen durch das Mietendeckel-Gesetz in Nöte zu geraten.

Vermieter müssen Rücklagen bilden

Zwölf Mietparteien bewohnen das Haus, das Mayer verwaltet. Sie habe sich stets an den Mietenspiegel gehalten, erzählt sie. Es ginge nicht um aufwendige Schönheitsmodernisierungen, sondern schlichtweg darum, das Haus instandzuhalten. Man müsse Rücklagen bilden, Reparaturen für Fassaden, am Schornstein, im Keller oder am Dach durchzuführen, wenn zum Beispiel ein Sturm Schaden angerichtet habe. „Das bekommen die Mieter ja nicht mal mit. Das sind aber alles Dinge, die bei einem so alten Haus regelmäßig anfallen“, sagt sie.

Müsste sich Mayer wieder am Mietspiegel 2013 orientieren, so wie es das neue Mietendeckel-Gesetz vorsieht, befürchtet sie, dass sie erhebliche Einbußen habe, wenn nicht sogar ein Minus machen werde.

371 Euro Nettokaltmiete nimmt Mayer für eine 70 Quadratmeter große Wohnung, die ein älteres Ehepaar nun schon seit 40 Jahren bewohnt. „Wenn ich diese Wohnung wiedervermieten müsste, müsste ich sie sanieren“, sagt Mayer. Sie hat das mal durchgerechnet und kommt auf 600 Euro pro Quadratmeter Sanierungskosten – 45 000 Euro Gesamtkosten. Kommt der Mietendeckel so, wie geplant, dann hätte sie diese Kosten für die Sanierung erst in zehn Jahren gedeckt, ohne eine Rücklage gebildet zu haben, fasst Mayer zusammen. „Das können wir nicht stemmen. Und in zehn Jahren müsste man zudem erneut sanieren.“ Mayers Fazit: Die Wohnung würde eine Zeit lang leer stehen, bis genug Geld vorhanden ist. Damit würde sie dem Wohnungsmarkt entzogen.

Mietendeckel zwingt Vermieter nur noch "das Nötigste" zu machen

Eine unsanierte Wohnung, die Mayer mal Vermietern gab, die diverse Arbeiten im Bad selber installieren wollten, endete für Mayer mit einer 100.000-Euro-Rechnung: Wegen eines Wasserschadens musste die Wohnung grundsaniert werden. „Das mache ich nie wieder, Elektro und Sanitär muss einfach fachgerecht gemacht werden.“ Der Mietendeckel zwinge sie nun dazu, dass sie am Haus nur noch „das Nötigste“ machen könne.

Dabei sagt Mayer selbst, dass sie der Wohnungsproblematik ambivalent gegenüberstehe. „Die Gier auf dem Wohnungsmarkt kennt in Berlin keine Grenzen. Da muss eingegriffen werden“, sagt sie. Aber ob die Maßnahmen, die Rot-Rot-Grün mit dem Mietendeckel ergreife, die richtigen seien, wage sie zu bezweifeln.