Mietenexplosion in Berlin: Deutsche Wohnen steigert Gewinn um 11 Prozent

Berlin - Aktionäre dürfen sich über steigende Kurse freuen, Mieter melden dagegen Protest an: Die Deutsche Wohnen, der momentan umstrittenste Vermieter in Berlin, macht glänzende Gewinne – unter anderem, weil die Mieten steigen.

Wie aus den am Dienstag präsentierten Zahlen hervorgeht, zogen die Mieten des Konzerns im vergangenen Jahr um 3,4 Prozent an, der Gewinn aus dem operativen Geschäft erhöhte sich um elf Prozent auf rund 480 Millionen Euro.

In Berlin ist die Deutsche Wohnen besonders stark vertreten. Hier befinden sich rund 70 Prozent aller Konzern-Immobilien. Die Mieten der Deutsche Wohnen in den rund 115.600 Wohnungen in der Bundeshauptstadt lagen Ende vergangenen Jahres mit 6,71 Euro pro Quadratmeter über dem Durchschnitt des Konzerns von 6,62 Euro je Quadratmeter.

Die Deutsche Wohnen ist damit deutlich teurer als die sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften. Dort zahlten die Bewohner im vergangenen Jahr im Schnitt eine Kaltmiete von 6,05 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

Sozialverträgliches Vorgehen bei der Deutsche Wohnen? Mietervertreter üben heftige Kritik

Während die Deutsche Wohnen am Dienstag betonte, dass ihr bei allen Maßnahmen zur Verbesserung der Immobilienqualität „ein sozialverträgliches Vorgehen“ wichtig sei, übten Mietervertreter heftige Kritik. „Die Deutsche Wohnen hat ihren Kurs der Mietsteigerungen im Jahr 2018 fortgesetzt“, sagte Rouzbeh Taheri, Sprecher der Initiative Deutsche Wohnen und Co. enteignen, die ein Volksbegehren zur Sozialisierung von Immobiliengesellschaften mit mehr als 3000 Wohnungen plant. Die Steigerung sei zwar nicht so hoch wie in den letzten Jahren ausgefallen, doch liege das vor allem daran, dass die Modernisierungsmaßnahmen nicht schnell genug umgesetzt werden konnten, sagte Taheri.

„Dies verdanken wir vor allem dem Widerstand der Mieterinnen und Mieter.“ Die Ausschüttung an die Aktionäre steige trotzdem. „Die Mieter zahlen die steigende Dividende der Aktionäre aus ihren Taschen, das ist die tatsächliche Enteignung, die täglich in Berlin stattfindet“, sagte Taheri.

Der Berliner Mieterverein (BMV) verwies auf die höheren Mieten der Deutsche Wohnen beim Abschluss neuer Verträge. Die vorgelegten Zahlen machten deutlich, „dass die Deutsche Wohnen bei Wiedervermietung deutliche höhere Steigerungen als in Bestandsmietverhältnissen“ realisiere. „Nach Erfahrung des Berliner Mietervereins muss man sich weiterhin mit der Deutsche Wohnen um die ortsübliche Vergleichsmiete streiten“, sagte BMV-Geschäftsführer Reiner Wild.

Senatschef Michael Müller zeigt Verständnis für Mietsorgen der Berliner

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) bekräftigte am Dienstag nach der Senatssitzung, dass er bereit sei, Bestände der Deutsche Wohnen zu erwerben. Darum sei es auch bei einem ersten Gespräch mit dem Chef der Deutsche Wohnen, Michael Zahn, am 15. März  gegangen. Außerdem sei die Mieten- und Wohnungspolitik des Unternehmens Thema gewesen, und „wie man aus der Konfliktsituation“ herauskomme, so Müller.

„Wir haben eine Situation in der Stadt, die nicht nur Aufgabe der Politik ist“, betonte der Senatschef. Sie sei eine Aufgabe für alle Beteiligten, auch für Wohnungsgesellschaften. Egal wie man zu dem Volksbegehren der Initiative Deutsche Wohnen und Co. enteignen stehe, damit werde eine berechtigte und nachvollziehbare Sorge der Menschen ausgedrückt.

80 Wohnungen in Karl-Marx-Allee nun in kommunaler Hand

„Ich lebe auch in dieser Stadt. Ich bin Regierender Bürgermeister, aber ich bin auch Mieter. Ich teile diese Sorge“, sagte Müller. Eine „harte Verständigung“ habe es in dem Gespräch mit der Deutsche Wohnen noch nicht gegeben. Beide Seiten seien aber „sehr daran interessiert weiter zu sprechen und zu Ergebnissen zu kommen“, sagte Müller. „Ob das allerdings gelingt, ist offen. Das muss man ganz klar sagen, weil unsere Vorstellungen auseinandergehen“, so Müller. Dass die Gespräche aber überhaupt stattfänden, sei ein gutes Signal.

Als Entgegenkommen der Deutsche Wohnen darf möglicherweise gewertet werden, dass der Konzern seinen Widerspruch gegen die Ausübung des bezirklichen Vorkaufsrechts für einen Wohnblock an der Karl-Marx-Allee zurückgezogen hat. Wie der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg am Dienstag mitteilte, können die 80 Wohnungen und acht Gewerbeeinheiten nun in den Besitz der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Mitte übergehen.

Mieterinitiativen rufen zu Demo gegen Mietenexplosionen in Berlin auf

Mehr als 200 Mieterinitiativen aus Berlin rufen unterdessen zur Teilnahme an der für den 6. April geplanten Demonstration unter dem Motto „Gemeinsam gegen Verdrängung und #Mietenwahnsinn“ auf. „Der Mietenwahnsinn wird immer schlimmer“, heißt es im Aufruf zu der Protestveranstaltung. „Nach wie vor werden Menschen durch steigende Mieten verdrängt und zwangsgeräumt. Kiezläden, Gewerbe und Nachbarschaften werden zerstört. Menschen erfrieren, während Häuser leer stehen.“

Die Veranstalter hoffen, dass mehr als 25.000 Menschen kommen, also mehr als im vergangenen Jahr an der letzten Veranstaltung teilnahmen. Die Demonstration beginnt um 12 Uhr auf dem Alexanderplatz. Die Initiative Deutsche Wohnen und Co. enteignen kündigte an, sie wolle an dem Tag mit der Unterschriftensammlung für das Volksbegehren starten.