Berlin - Jahrelang wurden sie weggespart, doch jetzt holen Wohnungsunternehmen sie zurück: Hausmeister sehen nach dem Rechten, haben ein Ohr für alle Mieter – und müssen sich um ihre eigene Zukunft keine Sorgen machen. Denn: Große Vermieter wie die Deutsche Wohnen suchen händeringend nach weiterem Personal. Gefragt sind Menschen wie Jens Krüger (55), Hausmeister mit Herz.

Krüger mag seine Mieter, aber er kennt auch ihre Marotten: Montag früh stehen wieder ausrangierte Möbel, wo sie nicht hingehören – an den Eingängen der Wohnblöcke, an den Müllplätzen dazwischen. Denn am Wochenende hatten die Bewohner „Ikea-Zeit“, wie Krüger das nennt. Er sagt: „Man hat da schon zu tun, weil die Leute bequem sind.“

Krüger stopft Pappe in einen Müll-Container und passiert an der Gittertür des Müllplatzes eine ältere Mieterin mit Chihuahua. „Sie schließen dann wieder ab, ja?“ Hausmeister. Das klingt wie letztes Jahrhundert. In gewisser Weise kehren viele Wohnungsunternehmen gerade dorthin zurück. Jahrelang hatten sie Hausmeister wegrationalisiert, jetzt werden sie wieder eingestellt. Denn den Mietern fehlte etwas: Einer, der sich kümmert.

750 Wohnungen in Prenzlauer Berg

Bei Krüger läuft das klar nach Plan, jeden Tag. Die Gubitzstraße entlang, weiter über Sodtke-, Trachtenbrodt- und Sültstraße. Das ist sein Kiez in Prenzlauer Berg. 750 Wohnungen in einer 20er-Jahre-Siedlung im Bauhaus-Stil. In jedem Aufgang schaut Krüger einmal pro Woche vorbei. Er inspiziert Dachböden, ersetzt kaputte Glühbirnen und tauscht Schlösser aus.

Die Häuser gehören der Deutschen Wohnen. Sie hat 100.000 Wohnungen in Berlin und baut seit 2016 ihren Hausmeister-Service wieder aus. 180 Kollegen wurden schon eingestellt. Ende 2018 sollen alle Wohn-Anlagen eigene Hausmeister haben. Das ist eine tolle Job-Chance: Das Unternehmen ruft „zupackende und menschenzugewandte“ Berliner explizit dazu auf, sich bei der Tochterfirma Facilita zu melden.

Hintergrund: „Die Mieter haben gesagt: Wir wollen unsere Hausmeister wieder“, so Konzern-Sprecher Marko Rosteck. Eine Umfrage unter Bewohnern habe ergeben: Die Ursache für Ärger liege fast immer vor Ort – vom Sperrmüll bis zur klemmenden Tür. Deshalb kehren nun die Hausmeister zurück.

„Viele Unternehmen sagen: Es ist uns wichtig, zu hören, was im Quartier passiert“, bestätigt der Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen. Hausmeister würden für Vermieter „wieder ein bisschen zum Sensor“.

Auch die Landeseigenen setzen auf Hausmeister

Auch landeseigene Wohnungsbaugesellschaften verkündeten schon die Rückkehr der Hausmeister: Die Gesobau setzt nach eigener Auskunft über eine Tochterfirma „wieder sehr erfolgreich traditionelle Hausmeister in den Beständen im Märkischen Viertel ein“. Die Hausmeister wohnen sogar direkt in der Nachbarschaft.

Bei der Howoge heißt es, man habe die Hausmeister gar nicht erst weggespart. Es gibt sie dort in vier Kategorien: Hausmeister, mobiler Hausmeister, Concierge und Kiezhelfer. Letztere unterstützen ältere Mieter, etwa beim Gardinenaufhängen.

Hingegen unterscheidet man bei der Degewo zwischen Hausmeistern, Gärtnern und Reinigern. Von den Hausmeistern gibt es derzeit 245 und regelmäßig werden die „Hausmeister des Jahres“ gekürt. Mieterumfragen hätten gezeigt, so eine Sprecherin, dass die Anwesenheit eines Hausmeisters als „sehr wichtig“ empfunden wird. (Mit dpa)