Ausländische Investoren decken sich immer stärker mit Immobilien in Berlin ein. Wie am Dienstag bekannt wurde, hat der dänische Pensionsfonds PFA ein Immobilien-Paket für mehr als eine Milliarde Euro von der Industria Wohnen, einer Tochter der Degussa-Bank, mit Sitz in Frankfurt am Main erworben. Das Paket mit dem Namen „Century“-Portfolio umfasst rund 3700 Wohnungen und ein Gewerbeobjekt an 15 Standorten in Deutschland, darunter Berlin.

Für die Mieter ist die Nachricht vom Verkauf eher beunruhigend. Denn vonseiten der Beteiligten wurde am Dienstag verbreitet, es gebe ein „zusätzliches Mietsteigerungspotenzial“. Im Klartext: Sie sehen die Möglichkeit, die Mieten zu erhöhen. Wie viele der Wohnungen in Berlin liegen, wurde offiziell nicht mitgeteilt, doch dürfte es eine große Zahl sein. Denn mehr als die Hälfte der Mieterträge des Portfolios werden den Angaben zufolge in München und Berlin erzielt.

„Nur Nachteile für Mieter“

Der Berliner Mieterverein (BMV) kritisiert das Geschäft. „Während in Dänemark der Immobilienmarkt durch starke Restriktionen geprägt ist, die das Land bei den Verhandlungen zu den Maastrichter EU-Verträgen zum Schutz der eigenen Bevölkerung vor internationalen Investoren durchsetzen konnte, gehen dänische Investoren ins benachbarte Deutschland“, sagt BMV-Geschäftsführer Reiner Wild. „Hier ist auf den Immobilienmärkten alles erlaubt, weil die Bundesregierung solche Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung nicht für notwendig erachtet und den freien Kapitalfluss in die Immobilien erlaubt.“

Zumeist gehe es diesen Investoren nur um gute Anlagemöglichkeiten und eine möglichst optimale und hohe Verzinsung des eingesetzten Kapitals. „Letztendlich bringt dieser Handel mit Wohnraum nur Nachteile für Mieter“, sagt Wild. Der Druck durch Mietsteigerungen werde zunehmen. Die Bundesregierung müsse „endlich im deutschen Miet- und Baurecht einen hinreichenden Schutz für seine Bürger schaffen“, fordert der Mieterverein.

Preisentwicklung besorgniserregend

Doch nicht nur ausländische Geldgeber hoffen auf hohe Renditen. Die Deutsche Wohnen verbreitete am Dienstag, dass sie das erste Halbjahr mit einem Konzerngewinn von 652,7 Millionen Euro abgeschlossen hat. Die Vertragsmieten für die rund 164.000 Wohn- und Gewerbeeinheiten stiegen danach auf durchschnittlich 6,51 Euro pro Quadratmeter monatlich. Lässt man die getätigten Ankäufe außer Acht, stiegen die Mieten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,6 Prozent.

Besonders eng wird es für den Wohnungsneubau. Das Amt für Statistik teilte am Dienstag mit, dass die Preise für Bauland in der Hauptstadt von 2016 auf 2017 von 393 Euro auf 695 Euro je Quadratmeter gestiegen sind – das entspricht einer Steigerung um rund 77 Prozent. „Die Zahlen spiegeln, dass Bauland in Berlin immer knapper wird“, sagt die Chefin des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, Maren Kern. „Die Preisentwicklung ist mit Blick auf bezahlbares Bauen und Wohnen besorgniserregend.“ Deshalb müsse das Land jetzt landeseigene Flächen wie die Elisabethaue, das Tempelhofer Feld und Kleingartenflächen auf ihre Eignung als Bauland prüfen.