Berlin - Call a Bike trumpft auf. Im kommenden Jahr will die Deutsche Bahn (DB) in Berlin mehr Fahrräder als bislang zur Miete anbieten. Das teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die von Call a Bike über die geplante Entwicklung informiert worden ist, am Montag auf Anfrage mit. „DB Rent hat ein Konzept für die deutliche Ausweitung ihres Systems bezüglich der Anzahl der Fahrräder vorgestellt“, sagte eine Sprecherin am Montag.

Neu ist auch, dass es anders als zuletzt keine festen Mietstationen mehr geben soll, die Räder werden innerhalb des S-Bahn-Rings verteilt. Am Donnerstag will Sylvia Lier, Vorsitzende der Geschäftsführung von DB Rent, Einzelheiten der Pläne des DB-Unternehmens für Berlin darstellen.

5000 neue Räder

Was manche Nutzer und bisherige Kunden von Call a Bike freuen dürfte, sieht der Berliner Senat kritisch. Er befürchtet, dass die geplante Aufstockung zu einem Überangebot an Mietfahrrädern führt. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Vorgehen der DB die Wirtschaftlichkeit des vom Land Berlin geförderten Systems beeinträchtigt“, so die Sprecherin. Der DB-Konkurrent Nextbike hatte das Wettbewerbsverfahren des Landes gewonnen und einen Fünf-Jahres-Vertrag mit einer Option für eine dreijährige Verlängerung bekommen. Pro Jahr zahlt das Land 1,5 Millionen Euro an das Leipziger Unternehmen.

Nextbike hat nun den Auftrag, bis Ende 2018 in Berlin ein Mietradsystem mit 700 Stationen und  5000 Rädern aufbauen. Der Probebetrieb mit zunächst 50 Fahrrädern beginnt am 1. November an sechs Mietstationen in Lichtenberg. Ausgewählte Personen nehmen daran teil.

Harte Qualitätskriterien

Mit dem im Endausbau geplanten Angebot an Fahrrädern könne der Bedarf innerhalb des S-Bahn-Rings und entlang einiger Verkehrsachsen außerhalb angemessen abgedeckt werden, sagte die Sprecherin. Das vorgesehene Fahrradvermietsystem werde das größte seiner Art in Deutschland sein. Zudem sei Nextbike an „harte, vom Land Berlin vorgegebene Qualitätskriterien gebunden“, betonte die Senatsverwaltung. Solche Anforderungen seien an das System der DB nicht möglich, da kein vertragliches Verhältnis besteht.

Bis Ende 2014 bekam die DB für Call a Bike Geld vom Land. Zuletzt bot sie in der Berliner Innenstadt rund 1700 Fahrräder an 160 Stationen an. Nachdem die DB die Ausschreibung verloren hat, gab es Befürchtungen, dass sie ihr Mietradsystem aus Berlin größtenteils zurückziehen wird. Nun wird immer klarer, dass das nicht der Fall sein wird. Im Gegenteil, die Bahn will es ausdehnen. Offenbar möchte sie nun auch Fahrräder eines anderen Typs aufstellen – dem Vernehmen nach sollen moderne Zweiräder, wie sie derzeit schon in Frankfurt am Main angeboten werden, künftig auch durch Berlin fahren.

Kritik am Vorgehen der DB

Bereits beschlossen und vom Senat ohnehin vorgegeben ist, dass die bisherigen DB-Mietstationen, die wegen ihrer massiven Betonklötze vielfach auf Kritik stießen, abgebaut werden müssen. Die Erlaubnisse für die bisherige Sondernutzung öffentlichen Straßenlandes enden. Der Abbau begann Anfang Oktober und soll bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein, hieß es. Bereits am 15. November geht Call a Bike in Berlin in die Winterpause.

In Branchenkreisen gibt es Kritik an dem Vorgehen der DB. „Lange Zeit schien es der Bahn nicht möglich zu sein, ihr Angebot in Berlin wesentlich auszuweiten – jetzt klappt das plötzlich“, hieß es.