Berlin - Wer eine neue Wohnung in Berlin sucht, ist bereit, eine Kaltmiete von knapp 8,70 Euro je Quadratmeter zu bezahlen. Und: Die neue Wohnung sollte vorzugsweise innerhalb des S-Bahnrings liegen und einen Balkon haben. Das geht aus der Auswertung von Daten zur Wohnungssuche beim Internetportal Immobilienscout 24 hervor, die der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) am Donnerstag mit seinem Marktmonitor 2013 präsentiert hat.

Die Untersuchung durch das Forschungsinstitut RegioKontext basiert auf der Analyse der Suchabfragen, die im ersten Quartal 2013 bei Immobilienscout 24 eingegeben wurden. Die Mietzahlungsbereitschaft haben die Experten dadurch ermittelt, dass sie die Angaben zur maximalen Kaltmiete durch die gesuchte Mindestwohnfläche dividiert haben.

Mitte besonders gefragt

Für Häuser in besonders gefragten Stadtvierteln nehmen die Wohnungssuchenden danach auch höhere Kaltmieten in Kauf. So sind sie bereit, zum Beispiel in Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg mehr als neun Euro je Quadratmeter zu bezahlen. Am niedrigsten ist die Mietzahlungsbereitschaft mit durchschnittlich unter acht Euro je Quadratmeter für Wohnungen in Spandau, Reinickendorf, Marzahn, Hellersdorf und im südlichen Neukölln.

Die ermittelte Mietzahlungsbereitschaft von durchschnittlich rund 8,70 Euro je Quadratmeter liege um fast 60 Prozent über dem aktuellen Mietspiegelmittelwert von 5,54 Euro je Quadratmeter, erklärte BBU-Chefin Maren Kern. Und zog den Schluss: „Das zeigt, wie günstig Wohnen in Berlin nach wie vor ist.“ Der Berliner Mieterverein (BMV) widersprach prompt. „Daraus den Schluss zu ziehen, dass das Wohnen in Berlin nach wie vor günstig sei, ist vollkommen abwegig“, sagte BMV-Geschäftsführer Reiner Wild. „Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.“

Mit der Mietzahlungsbereitschaft orientierten sich die Wohnungssuchenden an den derzeitigen Forderungen der Vermieter bei Wiedervermietungen. Den Wohnungssuchenden bleibe auch gar nichts anderes übrig, wenn sie eine Wohnung finden wollten, so Wild. Die angeblich bereitwillig gezahlten Miethöhen von 8,70 Euro entsprächen in etwa den Angebotsmieten in den innerstädtischen Quartieren. Der Vergleich mit den Miethöhen aus bestehenden Mietverhältnissen, über welche der Mietspiegel Auskunft gibt, sei „nicht redlich“, so Reiner Wild.

Nachfrage nicht gedeckt

Der BBU-Marktmonitor zeigt sich durchaus selbstkritisch. So weisen die Verfasser darauf hin, dass die Mittelwerte zur Mietzahlungsbereitschaft verbergen, dass es auch „unterdurchschnittliche Zahlungsmöglichkeiten“ gebe, die aber durch die größere Zahl überdurchschnittlicher Angaben aufgewogen würden. Einen Hinweis darauf, wie viel Geld die Wohnungssuchenden für die Kaltmiete insgesamt ausgeben können, liefert eine andere Zahl: Im Schnitt wurden Wohnungen in Berlin für 450 Euro Kaltmiete monatlich gesucht.

Interessant: Während die Wohnungssuchenden eher nach kleinen Wohnungen Ausschau halten, wurden laut BBU-Marktmonitor in den vergangenen Jahren vor allem große Wohnungen gebaut. Das liegt daran, dass ein großer Teil der zuletzt fertig gestellten Wohnungen Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Eigentumswohnungen waren. Es werde deutlich, dass die starke Nachfrage nicht durch das Neubauangebot gedeckt werde, heißt es im Marktmonitor dazu. Der Mieterverein drückt seine Kritik drastischer aus: Vom Neubau profitiere bisher „ausschließlich das obere Einkommensdrittel“, so BMV-Chef Wild.