Eine Faustformel besagt, dass Mieter nicht mehr als ein Drittel ihres Nettoeinkommens für Miete und Nebenkosten ausgeben sollten. Zahlt man mehr, bleiben kaum Puffer – für die Altersvorsorge, einen Urlaub, Kultur oder nicht vorhersehbare Ereignisse. Schlichtweg: Zum Leben. Für Experten liegt hier die kritische Schwelle.

Doch in vielen Metropolen kann diese goldene Finanzregel längst nicht mehr eingehalten werden. Auch in Berlin nicht, wie eine aktuelle Umfrage des Meinungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung bestätigt.

Rund ein Viertel (26 Prozent) der Berliner Mieter gibt an, 40 Prozent und mehr des Haushaltsnettoeinkommens im Monat für Miete und Betriebskosten auszugeben. Die Einkommen der Bewohner eines Hauses oder einer Wohngemeinschaft werden dabei zusammengerechnet. 

Mieter mit wenig Geld sind doppelt betroffen

Für einen Mieter, der allein lebt und der 2500 Euro netto monatlich verdient, wären das zum Beispiel 1000 Euro im Monat. Nicht unüblich für eine Miete in der Stadt. Eine Kurzrecherche bei Immobilienscout 24 spuckt mehr als 120 Wohnungen für folgende Kriterien aus: Kaltmiete ab 800 Euro, zwei Zimmer, 50 bis 60 Quadratmeter.

32 Prozent der Befragten geben laut eigenen Schätzungen 30 bis 40 Prozent ihres Nettogehalts zum Wohnen aus. 33 Prozent schätzen ihre Ausgaben auf 20 bis 30 Prozent. Und wer wenig verdient, ist gleich doppelt betroffen. Denn je geringer das Einkommen, desto mehr müssen die Mieter prozentual auch für ihre Wohnungen berappen. Besonders gravierend: Mehr als die Hälfte der Mieter, die mit weniger als 1500 Euro im Monat auf dem Bankkonto auskommen müssen, müssen 40 Prozent dieses Geldes für das Dach über dem Kopf ausgeben.

Berliner sorgen sich vor Wohnungsverlust

Die explodierenden Mieten in der Stadt und die große Sorge, in den nächsten Jahren die Wohnung zu verlieren, zwingt viele Berliner Mieter dazu, nach Auswegen und Alternativen zu suchen. Fast jeder zehnte (neun Prozent) hat in Berlin momentan konkrete Pläne, sich aufgrund höherer Mietkosten nach einer neuen, günstigeren Wohnung umzusehen.

Vor allem Mieter zwischen 45 und 59 Jahren sind aktuell auf der Suche nach einer neuen Unterkunft. 13 Prozent verfolgen den Plan, umzuziehen. Fast die Hälfte dieser Personengruppe (46 Prozent) gibt an, eine Wohnung innerhalb Berlins zu favorisieren. Vor allem in dieser Altersspanne ist auch die Sorge am höchsten, in der nächsten Zeit die Wohnung zu verlieren. Zwei Drittel glaubt, sich die Miete bald nicht mehr leisten zu können.

Doch mitnichten sind solche Überlegungen neu. Die aktuellen Forsa-Zahlen zeigen, dass neun Prozent der Mieter wegen zunehmenden Wohnungskosten in den vergangenen fünf Jahren umgezogen sind und sich erfolgreich eine günstigere Unterkunft gesucht haben.

Wohnungsnot bleibt in Berlin das dringlichste Problem

Statt sich eine neue Wohnung zu suchen, gehen viele Mieter auch andere Wege. Sie vermieten ihre Wohnung oder einzelne Zimmer unter. 15 Prozent der Befragten haben mit solchen Modellen schon Erfahrungen gesammelt – vor allem die 30- bis 44-Jährigen. Hier hat jeder fünfte schon mal ein einzelnes Zimmer temporär zwischenvermietet.

Für die Berliner bleibt die Wohnungsnot weiterhin das dringlichste Problem in der Stadt. Den zweiten Platz belegt wie auch in den Monaten zuvor der Verkehr. Und es sieht nicht danach aus, als ob sich diese Reihenfolge in der kommenden Zeit ändern wird.

Für die Umfrage wurden Ende Februar 1001 Menschen befragt. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- drei Prozentpunkten.